Sponsoren HLV Logo

»Schnellste Grundschüler« rennen um die Wette - LAZ und Leichtathletik-Sportkreis hatten erneut Sprint-Wettbewerb organisiert - Ehrenamtliche Kampfrichter gesucht

Gießen (khn). »Lauf, lauf« und »komm, komm, komm«, schallt es durch das Weststadion. Am Rand der Kunststoffbahn stehen Eltern und treiben ihre Kinder mit Rufen und Klatschen bis ins Ziel an. Es war ein besonderer Wettkampf am Wochenende am Gleiberger Weg. Gesucht wurden die »schnellsten Grundschüler Gießens«. Der in Hessen einmalige Wettbewerb fand im Rahmen des Schüler-Herbstmeetings des Leichtathletik-Zentrums (LAZ) von Stadt und Land sowie des Hessischen Leichtathletik-Verbands, Kreis 12 Gießen, statt.

Gemessen wurde zunächst die Zeit mit Hilfe von vier Lichtschranken, die entlang einer 30 Meter
langen Strecke aufgestellt worden waren: Bei diesem »fliegenden« Sprint sind die Kinder schon vor Beginn des ersten Messpunkts losgerannt. Für den Finallauf über 50 Meter samt Startblock,
»Achtung - fertig - los« und manchmal der entsprechenden Nervosität konnten sich dann die jeweils sechs Besten der teilnehmenden Jahrgänge qualifizieren.
Mitmachen konnten alle Jungen und Mädchen, die zwischen 1998 bis 2002 geboren worden sind. Das LAZ und der Leichtathletik-Sportkreis hatten nach den Sommerferien an den Gießener Grundschulen - 15 der 17 nahmen das Angebot an - Wettläufe über 30 Meter veranstaltet. Insgesamt 1766 Kinder wurden auf diese Weise gesichtet. Die Jahrgangs-Besten jeder Schule, insgesamt rund 100 hoffnungsvolle Sprinterinnen und Sprinter, wurden nun zum
Endkampf auf den Sportplatz der Herderschule eingeladen; für die 50-Meter-Endläufe qualifizierten sich rund 50. Voraussetzung für die Teilnahme war, dass die Kinder noch nicht Mitglied in einem Leichtathletikverein sind.
Ziel des Wettkampfes ist es, Begabte zu entdecken und zu versuchen, diese für einen Leichtathletikverein zu begeistern. »Wenn wir hier drei Talente finden, dann war es den ganzen
Aufwand wert«, sagte Kurt Drolsbach, zweiter Vorsitzender des LAZ in Gießen. So solle dem Nachwuchsproblem im Leichtathletikbereich entgegengewirkt werden. »Gerade das Grundschulalter ist ideal, um Grundlagentraining zu betreiben«, so Drolsbach. In diesem Alter könne man die Basis für ein erfolgreiches Sportlerleben legen. »Leichtathletik ist nach wie vor die Sportart Nummer eins bei den Olympischen Spielen«, so Drolsbach. Ohne Arbeit vor Ort allerdings »gibt es keine Spitzenleistungen«. Ein weiteres Ziel der Veranstaltung war es, auch
Eltern für ehrenamtliches Engagement zu gewinnen. »Uns fehlen freiwillige Kampfrichter bei den Wettkämpfen der jungen Leichtathleten«, so Drolsbach.

Für ein wenig Ärger sorgte der Zustand des städtischen Sportplatzes vor Beginn der Wettkämpfe. Beispielsweise lagen zahlreiche Scherben in der Nähe der Hochsprunganlage. Auch die Sportanlage und die Umkleideräume waren nach Angaben Drolsbachs stark verdreckt. Als Veranstalter verlasse man die Anlagen stets sauber, sagte Eckhard Paul, Erster Vorsitzender des Leichtathletik-Sportkreises, doch: »Bei der Stadt ist wohl niemand in der Lage, dieses Problem anzugehen.«
Schon zum zweiten Mal suchten die Organisatoren Gießens schnellste Grundschüler. Im letzten
Jahr hieß die Veranstaltung noch »Gießen sucht den Supersprinter«. 2009 soll der Wettkampf
schließlich auf die Schulen im Landkreis ausgeweitet werden. Unterstützt wurde die Veranstaltung vom Staatlichen Schulamt.
Bemerkenswert: Das schnellste Mädchen, Lucy Ella Marie Weingarten von der Weißen Schule Wieseck (Jahrgang 2000), erreichte mit 8,29 Sekunden eine Zeit, die nur von einem einzigen Jungen geschlagen wurde, nämlich von Wolf Enzmann. Der Korczak-Schüler des Jahrgangs 1999 brauchte für die 50 Meter vom Startblock 8,25 Sekunden. Diese beiden ließen auch die ein
oder zwei Jahre Älteren hinter sich. Über 30 Meter mit »fliegendem« Start hatte bei den Mädchen ebenfalls Lucy Weingarten mit 4,44 Sekunden die Nase vorn, der mit Abstand Schnellste war Victor Velmeden (Ludwig-Uhland-Schule, Jahrgang 1999) mit 4,16 Sekunden.
Die übrigen Jahrgangs-Sieger waren bei den Jungen: Jahrgang 2002: Julius Franzen (Ludwig-Uhland-Schule), 2001: Dennis Owusu (Goetheschule Gießen), 2000: Paul Stengel (August-Herrmann-Francke-Schule) und 1998: Nando Meiswinkel (Ludwig-Uhland-Schule); bei den Mädchen: Jahrgang 2002: Alica Saenko (Ludwig-Uhland-Schule), Amelie Juliane Ruddies (Korczak-Schule), 1999: Lea Zimmermann (Lindbachschule Lützellinden) sowie 1998: Maren Leonie Arbeiter (Ludwig-Uhland-Schule).

Gießener Allgemeine Zeitung, Artikel vom 01.10.2008
Fotos: Rainer Schmidt

 


02.10.2008