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Nicole Best – mit 42 Jahren zum DM-Titel?

Ihr erster Wettkampf liegt 27 Jahre zurück, bereits 1983 bei den Hessenmeisterschaften ist Nicole Best erstmals im Bahngehen gestartet. Zuvor hatte der Teenager aus Groß-Gerau schon so einiges probiert: Jazztanz, Volleyball, Tischtennis und Tennis; bis es schließlich in der Laufgruppe ihrer Mutter zur Begegnung mit jenem Mann kam, der später ihr Trainer wurde. Nicole Best und das Gehen, spontane Leidenschaft war das zunächst aber nicht unbedingt. „Ein bisschen geniert habe ich mich schon.“ Weil „richtige“ Läufer“ immer ein wenig irritiert schauten, wenn sie mit schaukelnden Seitwärtsbewegungen des Beckens daherkam. Keine Flugphase, immer ein Fuß auf dem Boden, so lautet die Regel. Das ist leichtathletisches Gehen. Und in der Hitliste der beliebtesten Sportarten taucht diese Disziplin bestimmt nicht auf. Und so wird bei den Deutschen Hallenmeisterschaften am Samstag in Karlsruhe eine recht überschaubare Frauengruppe über 3000 Meter dabei sein. Gemeldet hatten sechs Teilnehmerinnen, darunter auch Nicole Best vom TV Groß-Gerau, mittlerweile 42 Jahre alt. Sie ist die älteste im Feld. „Und einige der jüngeren Mädels könnten meine Töchter sein“.


Nicole Best. Foto: Iris Hensel

Etwa Charlyne Czychy vom SC Potsdam, Jahrgang 1992. Als Favoritin gesetzt war die deutsche Hallenrekordhalterin Melanie Seeger, gleichfalls aus Potsdam, sie sagte aber zwei Tage vor dem Wettkampf ab. „Ich leide derzeit an Eisenmangel, meine ganze Kraft ist weg.“ Nun ist unverhofft Nicole Best mit der zweitbesten Meldezeit (13:45,61) in der Favoritenrolle. Womit die Seniorin neben Ariane Friedrich und Martin Günther (beide Hochsprung/LG Eintracht Frankfurt) sowie Till Helmke (200 Meter) in Karlsruhe die größte Chance hat, für den Hessischen Leichtathletik-Verband einen Podestplatz zu holen. Wie vor einem Jahr bei der Hallen-DM in Leipzig mit dem zweiten Rang in einem „eher taktischen Rennen“. Dabei ist Nicole Best inzwischen nur eine Teilzeit-Leichtathletin.
Gegangen wird im Winter, sobald der Frühling kommt, gilt ihre Liebe dem Triathlon. Sie ist Mitglied beim DSW Darmstadt, und von der olympischen Distanz über 70.3-Wettbewerbe bis zu Ultrakonkurrenzen hat sie schon alles mitgemacht. Auf Hawaii, in Roth, in Frankfurt und Klagenfurt, auch in Südafrika. Dabei gelten nicht ausschließlich sportfachliche Kriterien. Auf den Mitteldistanz-Wettkampf in Port Elizabeth (Südafrika) ist sie im Internet neugierig geworden, „weil der Auftritt eine so eine schöne grüne Farbe hatte“.
Nicole Best ist immer in Bewegung - zu Wasser, auf dem Fahrrad, laufend und gehend. Denn sie nimmt auch an Straßenläufen teil. „Ich bin ein Naturfreak“, sagt sie. Sightseeing, neue Länder und Städte kennenlernen, all das spielt beim Triathlon eine Rolle bei der Wahl ihrer Wettkämpfe. Es soll nicht langweilig werden. „Ich möchte Spaß haben“, sagt Nicole Best. Da passt die eher biedere Disziplin Gehen (Bahn oder Straße) auf den ersten Blick nicht recht ins Programm, oder? „Eigentlich wollte ich schon aufhören. Aber ich bin ein Wettkampftyp, ich brauche den Nervenkitzel.“ Und schließlich stellen sich ja nach wie vor Erfolge ein. Vielleicht ist Nicole Best auch einfach nur neugierig auf neue Erfahrungen. „Wenn ich im Süden Deutschlands wohnen würde, wäre ich wahrscheinlich begeisterte Biathletin“, sagt die Senioren-Hallenweltmeisterin im Bahngehen von 2004. „Dabei gehe ich eigentlich zu brav.“ Soll heißen: In den Grenzbereich zum Laufen kommt sie fast nie, wird von den Gehrichtern nur selten verwarnt. Und ausgeschlossen wegen unsauberer Bewegungsausführung wurde Nicole Best nur einmal in ihrer langen Karriere. „Ich glaube, das war im Jahr 1998 und hat mich maßlos geärgert.“

Uwe Martin

Für die Deutschen Hallenmeisterschaften haben sich insgesamt 26 hessische Athleten aus 16 Vereinen qualifiziert. Neben Ariane Friedrich, Martin Günther, Till Helmke (LG Ovag Friedberg-Fauerbach) und Nicole Best unter anderen die 4x200 Meter- und 4x400 Meter-Staffel der LG Ovag Friedberg-Fauerbach, Christopher Götz (Kugelstoßen/TGS Niederrodenbach), Julia Hütter (Stabhochsprung/LAZ Bruchköbel), Claudia Rath (Weitsprung/LG Eintracht Frankfurt), Beatrice Marscheck (Weitsprung/LAZ Gießen) und Meike Naumann (Kugelstoßen/TSV Frankenberg).


Die Wettkämpfe beginnen am Samstag um 10.15 Uhr und am Sonntag um 11.30 Uhr.


 


25.02.2010