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Behrenbruch, Knobel, Rath: Drei
Hessen im Mehrkampf-Mekka Götzis


Pascal Behrenbruch, WM-Sechster im Zehnkampf von Berlin. (Foto: Iris Hensel)

Im März und April, insgesamt fünf Wochen, war Pascal Behrenbruch in Südafrika. Er hat trainiert und trainiert und trainiert und zwischenzeitlich übermannte ihn das Gefühl, „dass ich 8600 Punkte machen kann und Europameister werde“. Was natürlich ein starkes Stück wäre für den 25-jährigen Zehnkämpfer aus Frankfurt, der sich im vergangenen Jahr auf 8439 Punkte verbesserte. 8600 Punkte, damit würde sich Behrenbruch auch beim Mehrkampf-Meeting der Weltklasse an diesem Wochenende in Götzis (Österreich) ganz weit vorne platzieren. Behrenbruch ist mittlerweile in der Region Vorarlberg angekommen - seine Erwartungshaltung aber gesunken. „Ich bin ein bisschen im Loch. In manchen Disziplinen läuft’s gar nicht.“ 8100 bis 8150 Punkte sollen es werden, womit sich der Hesse mit hoher Wahrscheinlichkeit für die EM Ende Juli in Barcelona qualifizieren würde.

Behrenbruch plagt sich mit einer schmerzenden Plantarsehne im Fuß herum, einer Überlastungsreizung aus den Tagen in Südafrika, als er dachte, Bäume ausreißen zu können. Er hat sich bislang in einigen Einzeldisziplinen getestet, ist 6,99 Meter weit gesprungen, die 110 Meter Hürden in 14,27 Sekunden gelaufen, hat den Speer 64 Meter weit geworfen und den Diskus mehr als 50 Meter. Doch so richtig weiß Behrenbruch nicht, was er kann. Etwa im Hochsprung und über 400 Meter. „Keine Ahnung, was da geht. Aber es wird sicher richtig schwer werden.“ Er klingt nicht gerade optimistisch, und wenn Götzis überstanden ist - die EM-Qualifikation vorausgesetzt - ist erst einmal Körperpflege und anschließend ein neuer Formaufbau angesagt. Das Meeting in Ratingen (19./20. Juli) würde er dann sausen lassen.
Die LG Eintracht Frankfurt ist in Götzis mit drei Teilnehmern vertreten, neben Behrenbruch sind noch der deutsche Zehnkampfmeister Jan Felix Knobel und Siebenkämpferin Claudia Rath am Start. Behrenbruch und der vier Jahre jüngere Knobel trainieren seit dem zurückliegenden Winter bei Jürgen Sammert, der zudem auch Claudia Rath betreut. Drei Hessen für Barcelona? Vielleicht schon. Denn die Szene ist nach den Verletzungen der Jahresbesten 2008 (Arthur Abele/8372 Punkte) und 2009 (Michael Schrader/8522) reichlich ausgedünnt; bei den Frauen hat jüngst die WM-Neunte Julia Mächtig aufgrund einer Achillessehnenverletzung die komplette Saison gestrichen. Und was der frühere Hallen-Weltmeister André Niklaus zu leisten imstande ist, wird sich erst Ende August bei der DM zeigen. Womit sich für den U20-Weltmeister Knobel durchaus eine EM-Chance ergibt.


U20-Weltmeister Jan Felix Knobel. (Foto: Iris Hensel)

„Er geht derzeit ab wie eine Rakete“, sagt Behrenbruch über seinen klubinternen Konkurrenten. Bei Trainingsläufen über 300 Meter würde ihm Knobel zwei Sekunden abnehmen. 8000 Punkte hat der Deutsche Leichtathletik-Verband als EM-Norm festgesetzt, Knobel müsste seine vorjährige Bestleistung von 7758 Punkten also schon ein gutes Stück verbessern.
Behrenbruch und Knobel, da wurden im Winter zu Übungszwecken zwei Hochtalentierte zusammengeführt, die von der Mentalität kaum unterschiedlicher sein könnten. Knobel, extrem ehrgeizig und zielorientiert, war aufgrund des anstehenden Rückzugs von Landestrainer Jörg Graf frühzeitig in die Gruppe von Sammert gewechselt, der es mit der „Lockerheit“ (Behrenbruch über Behrenbruch) nicht immer leicht hat. Und so bedurfte es in Südafrika einer eindeutigen Ansprache des Trainers, ehe sich das hessische Zehnkampf-Duo durchringen konnte, auch wirklich gemeinsame Sache zu machen. „Wenn Jan Felix schlecht drauf ist, macht er 7900 Punkte, läuft es normal, werden es 8100, ist er richtig gut, traue ich ihm 8250 Punkte zu“, sagt Behrenbruch. Knobel hat zuletzt mit 71 Metern im Speerwerfen ebenso eine Bestleistung erzielt wie Claudia Rath im Weitsprung (6,50 Meter). Die 24-jährige deutsche Hallenmeisterin müsste sich von 5941 auf mindestens 6100 Punkte steigern, um bei der EM dabei zu sein. „Mein erstes Ziel ist die Schallmauer von 6000 Punkten. Dann sehen wir weiter“, sagt sie.

Uwe Martin

 


27.05.2010