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Erfolg mit dualer Karriere:
Antonia Werner läuft Hessenrekord


Antonia Werner, hier bei der Hallen-DM in Karlsruhe, wird immer schneller
Foto: Iris Hensel

Pathetisch formuliert, könnte man die jüngste Leistung von Antonia Werner beinahe unter historische Dimension einordnen. Im schnelllebigen Leistungssport sind 40 Jahre ein Zeitraum, der kaum zu fassen ist, und genauso lange hatte der Juniorinnen-Hessenrekord über 100 Meter Hürden Bestand. Margit Bach (OSC Hoechst) war 9. August 1970 in Berlin 13,29 Sekunden gelaufen, am 3. Juli 2010 schließlich lief die 22-jährige Psychologiestudentin aus Frankfurt bei der Junioren-Gala in Mannheim 13,25 Sekunden. Im Vorlauf, wohlgemerkt. Im Finale war Antonia Werner nochmals schneller - die Uhr stoppte bei 13,15 Sekunden. Womit auch der elf Jahre alte Hessenrekord von Heike Blassneck (Eintracht Frankfurt/13,17) aus der Statistik gelöscht wurde. Ausgerechnet Mannheim! Hier hatte die Hessen im Jahr 2007 einen tiefgreifenden Rückschlag erlitten, als sie im entscheidenden Qualifikationsrennen für die U20-EM patzte und nicht nominiert wurde. „Das war ein Trauma“, sagt Trainer Robert Schieferer. „Sie hat drei Jahre gebraucht, um das zu verarbeiten.“

2008 und 2009 lief dann wiederum nur die nationale Hürdenkonkurrenz auf der womöglich schnellsten Bahn Deutschlands flotte Zeiten. Insofern hat Antonia Werner am bislang heißesten Tag des Jahres 2010 doppelt gewonnen. Bestzeit und den Fluch von Mannheim besiegt - was wollte sie mehr? Die Karriere der Hürdensprinterin, die weiterhin im Trikot ihres Heimatvereins TV Flieden startet, ist ein Musterbeispiel für eine duale Karriere; und ihre Laufbahn ist eine stete Hochleistungssport-Gratwanderung inklusive medizinischer Betreuung, die in den vergangenen Jahren permanent expandierte. Antonia Werner profitiert von der Kooperation zwischen der Universität Frankfurt und dem Olympiastützpunkt (OSP) Frankfurt/Rhein-Main, so konnte sie im August vergangenen Jahres zum frühstmöglichen Termin ihr Vordiplom ablegen.

Im medizinischen Sektor greift sie mittlerweile auf ein weit verzweigtes Netzwerk zurück. So wird Antonia Werner in Bayrischzell von dem Alternativmediziner Volker Müller mit chiropraktischen Behandlungen betreut, eine weitere Anlaufstelle ist die Mentaltrainerin Susann Pfeiffer in Frankfurt. Physiotherapie und Osteopathie übernimmt bei Bedarf der Physiotherapeut des nationalen Leichtathletik-Verbandes, Christian Ziegler in Mannheim. Vor Ort in Frankfurt ist die OSP-Physiotherapie gefragt, ebenso Andreas Lücke in Sachsenhausen.
Nur mit diesem nicht unerheblichen Aufwand bekommt Antonia Werner ihre recht häufig auftretenden Probleme mit der rückseitigen Oberschenkelmuskulatur in den Griff, nur so wird ihrem leichten Rundrücken entgegengewirkt. „In diesem Leistungsbereich geht nur ganz oder gar nicht“, sagt Schieferer. Soll heißen: Mit ein bisschen Aufwand wäre es nicht mehr vorwärts gegangen. Und wenn er von einem „ganzheitlichen Fördersystem“ für seine Athletin spricht, meint Schieferer die kombinierte Förderung Studium/Sport. Antonia Werner hat sich damit auf Rang fünf der deutschen Bestenliste nach vorne gearbeitet, in ihrer Altersklasse U23 ist sie fünftschnellste Hürdenläuferin in Europa. Speziell in Deutschland hat längst eine innere Dynamik im weiblichen Hürdensprint eingesetzt, das Niveau steigt stetig. Was bedeutet, dass der Aufwand für Antonia Werner nicht geringer werden dürfte, will sie den Anschluss nicht verlieren.

Uwe Martin

 


06.07.2010