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Die hessischen Leichtathleten im DM- und EM-Check


EM-Norm im Diskuswurf schon ein Mal abgehakt: Sabine Rumpf. (Foto: Iris Hensel)

86 Teilnehmer aus 25 hessischen Vereinen nehmen an diesem Wochenende an den Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften in Braunschweig teil. Und dabei gibt es natürlich völlig unterschiedliche Herangehensweisen. Dabei sein, Atmosphäre schnuppern, eine gute Leistung zeigen, das Finale (den Endlauf) erreichen, was auch immer. Und dann gibt es noch jene Gruppe, die im Eintracht-Stadion um den Start bei den Europameisterschaften in Barcelona (27. Juli bis 1. August) kämpft. Doch wer hat überhaupt Chancen, beim Saisonhöhepunkt die deutschen Farben zu vertreten? Wer steht auf der Kippe, wer ist schon durch? Wir bieten einen Überblick.


Wer ist gesetzt?


Betty Heidler, die Titelverteidigerin im Hammerwerfen ebenso wie ihre Vereinskollegin von der LG Eintracht Frankfurt, Kathrin Klaas. 75,30 Meter und 74,53 Meter sprechen für sich. Da gibt es nichts zu diskutieren. Wie bei Ariane Friedrich, die im Hochsprung zuletzt mit 2,02 Meter ihren ersten Zweimeter-Wettkampf in diesem Sommer hinlegte.

Durch - in einem anderen Sinn - ist Sergej Litvinov. Der DLV-Jahresbeste im Hammerwerfen (78,98) steht bekanntlich nicht mehr für Starts im deutschen Trikot zur Verfügung. Dem Wahl-Frankfurter sei an dieser Stelle eine große Portion Weitsicht bei seinen künftigen Entscheidungen und viel Glück im russischen Nationaltrikot gewünscht. Gesetzt, eigentlich gesetzt, ist zudem Zehnkämpfer Pascal Behrenbruch von der LG Eintracht Frankfurt. Mit 8069 Punkten in Götzis (Österreich) hat der gebürtige Offenbacher als einziger Deutscher die Norm von 8000 Punkten übertroffen. Doch Behrenbruch ist lediglich unter Vorbehalt nominiert worden; er muss in Braunschweig einen Gesundheits- und Formtest erfolgreich absolvieren. Wie das gehen soll angesichts seiner seit dem 100-Meter-Lauf von Götzis angerissenen Plantarsehne? Man wird sehen.


Wer hat (gute) Chancen?


Kamghe Gaba (Frankfurt) hat sich in La-Chaux-de-Fonds auf 46,22 Sekunden gesteigert. Das ist zwar noch etwas entfernt von der EM-Norm über 400 Meter (45,90), aber zumindest für die Staffel dürfte Gaba bei normalem Verlauf allerbeste Karten haben. Wie auch Sabine Rumpf (LSG Goldener Grund) im Diskuswerfen. Beim Abendsportfest in Eppstein steigerte sich die deutsche Meisterin von 2008 gestern auf 60,56 Meter und übertraf endlich die EM-Norm (60,50). Was jetzt noch fehlt, ist die geforderte zweite Normerfüllung. Wie auch bei Julia Hütter (LAZ Bruchköbel). Mit 4,50 Meter kehrte sie beim Meeting in Biberach zurück in deutsche Spitzenklasse - zwei Jahre nach ihrem schweren Sportunfall in Regensburg und der bitteren Diagnose gerissenes Kreuzband, doppelter Bänderriss im Sprunggelenk. Der Stabhochsprung der Frauen in Braunschweig könnte der brisanteste DM-Wettbewerb werden. Denn sechs Springerinnen haben die EM-Norm bislang erfüllt, Carolin Hingst (Mainz/4,72), Silke Spiegelburg (Leverkusen/4,71), Liza Ryzih (Ludwigshafen/4,60) Anna Battke (USC Mainz/4,60) und Kristina Gadschiew (Zweibrücken/4,60) sogar schon zweimal.


Wackelkandidaten!


Will nach Barcelona: Sprinter Till Helmke. (Foto: Iris Hensel)

Ein gesunder Till Helmke (LG Ovag Friedberg-Fauerbach) war in den vergangenen Jahren stets gesetzt in der deutschen 4x100-Meter-Staffel. Helmke hat im EM-Sommer über 200 Meter 20,69 Sekunden angeboten - blieb also knapp über dem Verbandslimit (20,65). Ein Staffelkandidat ist er so oder so. Und was macht Felix Göltl vom TuS Kriftel, der sich bei den Hessenmeisterschaften auf sensationelle 10,32 Sekunden über 100 Meter gesteigert hat? Abwarten. Zweimal 2,28 Meter fordert der DLV im Hochsprung der Männer, und da ist der deutsche Hallenmeister Martin Günther (LG Eintracht) mit aktuell 2,23 Meter noch deutlich darunter. In der Halle überquerte Günther als deutscher Meister 2,30 Meter, akute Steigerungen sind bei ihm also nicht ausgeschlossen. Mit Spannung darf auch zu Niklas Zender (LG Ovag Friedberg-Fauerbach) über 400 Meter geschaut werden. 46,55 Sekunden sind ein Wort und zudem Rang fünf in der DLV-Jahresbestenliste. Unser Tipp: Zender läuft in Braunschweig mindestens um einen Staffelplatz. Bleibt noch Beatrice Marschek vom LAZ Gießen im Weitsprung. Die EM-Norm (6,60) hat sie bislang verfehlt, mit 6,53 Meter und Platz fünf in der DLV-Jahresbestenliste ist die Hessen aber zumindest in Sichtweite für Barcelona.

Uwe Martin

 


14.07.2010