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Hessische Athleten mit neun DM-Medaillen


Hat gleich zwei Goldmedaillen abgeräumt: Kamghe Gaba. (Foto: Iris Hensel)

Die Hessische Leichtathletik hat sich am Wochenende bei den Deutschen Meisterschaften in Braunschweig von einer ihrer besten Seiten gezeigt. Mit vier Titeln, vier Vizemeisterschaften und einer Bronzemedaille war der HLV erfolgreicher als noch im vergangenen Jahr. Neben den „erwarteten“ Goldmedaillen durch Ariane Friedrich und Betty Heidler (beide LG Eintracht Frankfurt) trumpfte vor allem Kamghe Gaba auf. Der Viertelmeiler war im Einzel am schnellsten und sicherte sich zudem den Titel mit der 4x400 Meter Staffel, gemeinsam mit Marius Horbank, Clemens Höfer und Philipp Pflüger. Das Quartett der LG Eintracht Frankfurt blieb in 3:10,45 Minuten vor den favorisierten Teams aus Wattenscheid (Titelverteidiger), Potsdam oder Dresden.
Im Einzel über 400 Meter näherte sich Kamghe Gaba der EM-Norm von 45,90 Sekunden im Finale bis auf winzige zwei Hundertstel. Bereits im Vorlauf hatte der 26-Jährige mit 45,95 Sekunden gezeigt, dass er unbedingt mit will nach Barcelona – nicht nur mit der deutschen 4x400 Meter Staffel.

„Schade, dass es mit der Norm nicht geklappt hat. Ich muss noch ein bisschen bangen, ob ich bei der EM im Einzel dabei bin“, sagte Kamghe Gaba hinterher. Nach seiner Verletzungspause waren es für den Frankfurter aber auch erst die Rennen drei und vier in diesem Jahr. „Deshalb bin ich sehr zufrieden“, meinte Gaba dann auch.

Dass Betty Heidler den Deutschen Meistertitel im Hammerwurf holen würde, davon war von vorneherein auszugehen. Die Frage war nur, wie weit es in Braunschweig geht. Und gleich im zweiten Versuch zeigte Heidler auch, was sie drauf hat. Mit 75,82 Metern stellte sie einen neuen Meetingrekord auf. Eine Kampfansage an die internationale Konkurrenz im Hinblick auf die Europameisterschaften in Barcelona. Noch nie zuvor hat eine Hammerwerferin bei Deutschen Meisterschaften weiter geworfen als Betty Heidler mit diesen 75,82 Metern. Silber gab es für Teamkollegin Kathrin Klaas, die mit ihren 68,85 Metern allerdings alles andere als zufrieden sein konnte. In Barcelona will aber auch sie, die in dieser Saison schon 74,53 Meter weit warf, um eine Medaille kämpfen. Nicht geklappt hat es mit einem EM-Ticket für Andrea Bunjes. Die ehemalige Deutsche Meisterin wurde mit 66,39 Meter Dritte.


Auch bei der DM sprang Ariane Friedrich wieder über zwei Meter. (Foto: Iris Hensel)

Für tolle Stimmung im Eintracht-Stadion sorgte nach Betty Heidler auch Ariane Friedrich. Vor allem mit ihrem starken dritten Versuch über zwei Meter wusste Ariane das Braunschweiger Publikum zu begeistern. Dass es dann nicht auch noch für 2,03 Meter reichte, war für Ariane in Ordnung: „Es lief gut heute und zwei Meter sind ein sehr gutes Ergebnis. Woran es lag, dass es mit den 2,03 Metern nicht geklappt hat, müssen wir erst analysieren“, sagte sie. Den Formtest für Barcelona hat die 26-Jährige jedenfalls mit Bravour bestanden.

Richtig Grund zum Jubel hatte auch Sabine Rumpf (LSG Goldener Grund). Schon beim Abendsportfest vergangene Woche in Eppstein schien der Knoten bei ihr endlich geplatzt: Sabine erfüllte die EM-Norm mit 60,56 Meter – allerdings zählt der Wettkampf nicht als offizieller Normwettkampf des DLV. Es war also klar, dass die 27-Jährige in Braunschweig nachlegen musste, und das tat sie dann auch. Mit 62,21 Metern pulverisierte Sabine Rumpf ihre alte Bestweite und schockte damit auch die Titelfavoritin Nadine Müller. Erst im vorletzten Versuch gelang es der Weltranglistenersten, an Sabine vorbeizuziehen. Auch wenn die ehemalige U23-Europameisterin die EM-Norm offiziell nur einmal geworfen hat, geht an Sabine Rumpf bei der Nominierung für Barcelona kein Weg vorbei.

Die dritte Silbermedaille holte Simret Restle über 5000 Meter nach Hessen. Lange konnte die Athletin des PSV Grün-Weiß Kassel mithalten mit der dominierenden Kölnerin Sabrina Mockenhaupt. Erst gegen Ende des Rennens musste Restle abreißen lassen. Dennoch konnte sie sich mit einer Zeit von 16:09,23 Minuten über Silber und die Vizemeisterschaft freuen.
Ein Hauch von Enttäuschung war in den Augen von Martin Günther zu erkennen. Der Hochspringer der LG Eintracht Frankfurt hatte in Braunschweig auf die Norm gehofft (2,29m), verpasste dieses Ziel aber knapp. „Das ist einfach nur ärgerlich“, sagte der enttäuschte deutsche Hallenmeister, der mit 2,22 Meter am Ende hinter WM-Bronzemedaillengewinner Raul Spank (Dresden) Vizemeister wurde.

Enttäuschung auch bei anderen hessischen Athleten, die allesamt ihren Traum von der EM-Teilnahme begraben müssen. Da wären zum einen die beiden Friedberger Till Helmke und Niklas Zender. Beide hätten sich mit guten Auftritten über 200 bzw. 400 Meter vermutlich in die DLV-Staffeln gelaufen. Doch Niklas Zender ging bereits durch eine Knieverletzung gehandicapt in den Wettkampf, und auch Till Helmke konnte über 200 Meter nicht an seine 20,65 Sekunden zu Saisonbeginn anknüpfen, sodass der EM-Zug für beide abgefahren ist. Für den hessischen Shootingstar Felix Göltl vom TuS Kriftel liefen die Titelkämpfe in Braunschweig ebenfalls nicht wie erhofft: Im Vorlauf über 100 Meter verletzte sich der Sprinter und konnte so kein weiteres Rennen mehr laufen. Ihre Hoffnungen auf ein EM-Ticket musste auch Weitspringerin Beatrice Marscheck (LAZ Gießen) begraben. Die 24-Jährige schaffte die geforderte Norm von 6,60 Meter nicht, und landete mit 6,08 Meter in Braunschweig auch nicht im Endkampf der besten Acht. Dafür konnte Siebenkämpferin Claudia Rath mit 6,38 Meter und Platz fünf einen Erfolg verbuchen.

Unsicher ist hingegen noch, ob Zehnkämpfer Pascal Behrenbruch für die EM nominiert wird. Er hat zwar bisher als einziger Deutscher die Norm für Barcelona geschafft, konnte dann wegen einer Plantarsehnen-Verletzung aber nur eingeschränkt trainieren. In Braunschweig sollte Behrenbruch dann einen Leistungstest abliefern und seine Form unter Beweis stellen. Die vom DLV geforderten 63,50 Meter im Speerwurf schaffte er allerdings mit 62,51 Metern nicht. Auch über die 110 Meter Hürden konnte er aufgrund eines Fehlstarts und der damit verbundenen Disqualifikation keinen Leistungsnachweis erbringen. Trotzdem bleibt ein Rest Hoffnung für den 25-Jährigen, das EM-Ticket dennoch zu bekommen.
(jn)

 


19.07.2010