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Bernhard Nermerich gestorben

Wie erst gestern bekannt wurde, ist der 22-fache deutsche Meister im Gehen, Bernhard Nermerich, im Alter von 71 Jahren gestorben. Er erlag in der Nacht zum Mittwoch einem Krebsleiden. Über den Sport hinaus engagierte sich der Kelkheimer mit seinem Weihnachts- und seinem Osterhaus auch für karikative Einrichtungen. Der am 11. März 1939 in Frankfurt geborene Nermerich war als Kriegskind unterernährt und vom Schulsport suspendiert. Bei einer Größe von 1,85 Metern und einem Gewicht von 59 Kilogramm wurde er von der Bundeswehr mit der Begründung „für längere Fußmärsche untauglich“ abgelehnt. Bei Eintracht Frankfurt entwickelte er sich, betreut von seinem Trainer Hans Stahl, dennoch zu einem der erfolgreichsten deutschen Geher. Er sammelte serienweise nationale Titel über 50 Kilometer, 20 Kilometer und mit der Mannschaft. Zudem nahm er an drei Europameisterschaften teil. Der größte Triumph blieb ihm versagt, als er bei den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko als Weltjahresbester in den Wettbewerb über 50 Kilometer ging und als Zweitplatzierter sieben Kilometer vor dem Ziel wegen unsauberen Gehens disqualifiziert wurde, was eine fragwürdige Entscheidung war.
Drei Monate vor den Olympischen Spielen in München 1972 stellte Nermerich bei einem seiner 31 Länderkämpfe erneut eine Weltjahres-Bestzeit über 50 Kilometer mit 3:59:33,6 Stunden (noch heute hessischer Rekord) auf, verpasste aber wegen einer Muskelzerrung die Teilnahme an den Spielen. Der gelernte Industriekaufmann machte sich 1973 als Taxiunternehmer selbstständig und wurde zum „Freundlichsten Taxifahrer Frankfurts“ gewählt. Mit seiner Frau Michaela schmückte er viele Jahre lang sein Haus als Weihnachtshaus mit - wie er sagte - 88.888 Lämpchen, so dass dies in der Vorweihnachtszeit zu einer Attraktion für alt und jung wurde. Dabei kamen rund 28.000 Euro an Spenden für die Kinderstation der Städtischen Kliniken in Höchst zusammen. Bernhard Nermerich war ein freundlicher, lebensfroher Mensch, der immer anderen helfen wollte und konnte. Die Beerdigung ist am Freitag, 23. Juli, um 12 Uhr auf dem Kelkheimer Hauptfriedhof.


Quelle: Höchster Kreisblatt vom 20. Juli 2010/Walter Mirwald

 


20.07.2010