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Behrenbruch fühlt sich fit und
will seinen EM-Start einklagen


Nach seinem sechsten WM-Platz will Pascal Behrenbruch auch bei der EM starten. (Foto: Iris Hensel)

Noch selten gab es im interaktiven Forum des Fachportals leichtathletik.de so viele Wortmeldungen wie in den vergangenen Tagen. Thema ist die Nichtberücksichtigung von Zehnkämpfer Pascal Behrenbruch (LG Eintracht Frankfurt) für die EM in Barcelona nach dessen missglücktem Formtest bei den deutschen Meisterschaften. So jedenfalls hat der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) jene 62,51 Meter im Speerwerfen - gefordert waren 63,50 - und den Fehlstart über 110 Meter Hürden - 14,40 Sekunden sollte Behrenbruch laufen - gewertet. Und jetzt ist nicht nur der Zehnkämpfer selbst in die Offensive gegangen mit einer Klage vor dem Deutschen Sportschiedsgericht in Köln, sondern auch die Gästebuchschreiber. Im Umlauf ist seit dem vergangenen Dienstag auch ein Youtube-Video, das den WM-Sechsten beim Training zeigt. „Ich bin topfit, und jetzt zeige ich mal, dass ich Hürdenlaufen kann“, textet Behrenbruch den Kurzfilm an. Dann steigt er in den Startblock, läuft über fünf Hürden, touchiert bis auf die erste alle - Ende. Im leichtathletik.de-Forum berichtet „ein bester Freund und Trainingskollege“ von weiteren Übungserfolgen. 51 Meter mit dem Diskus, mehr als 7 Meter im Weitsprung mit verkürztem Anlauf und 34,8 Sekunden über 300 Meter. Pascal sei verletzt gewesen, schreibt er, doch nun wieder fit und schmerzfrei.

DLV-Sportdirektor Thomas Kurschilgen hat dies nach der EM-Nominierungssitzung des Verbandes etwas anders gesehen. Er betonte, dass „das medizinische Risiko im Hinblick auf seine weitere Karriere zu groß“ gewesen sei. Und: „Wir haben uns in einer besonderen Verantwortung gesehen. Der Athlet hat nach wie vor diese Einsicht nicht.“ Hintergrund ist ein Anriss der Plantarsehne im Fuß, diese Verletzung hat sich Behrenbruch Ende Mai beim Meeting in Götzis laut eigener Aussage bereits beim 100-Meter-Start zugezogen. Was den 25-Jährigen nicht daran hinderte, den Wettkampf durchzustehen und mit 8069 Punkten die EM-Norm abzuleisten. Aufgrund der Verletzung nominierte ihn der DLV zunächst nur unter Vorbehalt für die EM und verlangte den Leistungs- und Fitnesstest in Braunschweig. Angestrengt diskutiert wird nun auch darüber, inwieweit diese Maßnahme gerechtfertigt war; und darüber, weshalb Behrenbruch offenbar fünf Mediziner konsultierte, um seinen Gesundheitszustand checken zu lassen. „Vier Ärzte haben gesagt: Alles in Ordnung, nur einer hatte Bedenken“, sagte er hr-online.

In Insiderkreisen wird hinter hervor gehaltener Hand aber auch längst darüber gesprochen, wie es möglich ist, mit einer angerissenen Plantarsehne überhaupt einen Zehnkampf zu beenden. So wie Behrenbruch vor knapp zwei Monaten in Götzis. Doch das liegt ja nun schon etwas länger zurück. Aktuelles Thema ist die Klage des Frankfurters beim Deutschen Schiedsgericht in Köln. „Wenn der DLV einen Fehler gemacht hat, muss er dafür geradestehen“, sagte Behrenbruch hr-online. Beim DLV sieht man der Klage indes recht entspannt entgegen. „Natürlich kann er eine Einstweilige Verfügung erwirken. Aber ich denke, es wird nicht sinnvoll sein. Denn Meldeschluss beim Europäischen Verband war der 18. Juli, 24 Uhr. Insofern wird es keine Nachnominierung geben können", so Kurschilgen.


Uwe Martin

 


21.07.2010