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Marathon in Frankfurt: Helmut Hof schlägt die Brücke von 1948 bis 2010

Wenn am 31. Oktober um 10 Uhr vor dem Messeturm der Frankfurt-Marathon gestartet wird und damit auch die Hessenmeisterschaften mit knapp 300 Teilnehmern in Gang kommen, ist ein ganz besonderer Gast vor Ort: Helmut Hof, fast 91 Jahre alt. Der rüstige Senior aus Wettenberg bei Gießen absolvierte im Frühjahr 1981 bei der Premiere des damaligen Hoechst-Marathons seinen 100. Lauf über die traditionelle Strecke. Ja, denken jetzt viele, 100 und mehr Marathonläufe haben aber auch wir hinter uns. Doch Helmut Hof läuft schon viel länger - er ist bereits 1948 beim ersten deutschen Nachkriegsmarathon in Frankfurt am Start gewesen. Auch deshalb ist es außergewöhnlich, dass er gemeinsam mit HLV-Präsidentin Anja Wolf-Blanke am Rennsonntag (13.45 Uhr) in der Festhalle die Siegerehrung für die besten Hessen vornehmen wird.


Helmut Hof im Jahr 1981 nach seinem 100. Marathon in Frankfurt (Foto: privat)



Wohl ohne Verbandsgenehmigung organisierte der FSV Frankfurt am 17. Oktober 1948 einen Wettkampf über 42,195 Kilometer, die Organisatoren nannten ihn „Quer durch Bornheim“. Teilgenommen haben 16 Läufer, elf erreichten das Ziel. Der 8.440 Meter lange Rundkurs am Bornheimer Hang, Nordend, Ostpark und Riederwald musste fünfmal gelaufen werden. „Drei Stunden lang umsäumten die Menschen die Strecke“, schrieb seinerzeit die „Neue Presse“. Wilhelm Borns, 1946 in Braunschweig deutscher Meister über 20 Kilometer (1:09:36) und in der Szene „Blindschleiche“ genannt, gewann in 2:49:04 Stunden. Dahinter folgte Erich Lachhein (beide FSV Frankfurt) in 2:50:32 Stunden. Ebenfalls im Rennen und als Zehnter nach 3:37:59 Stunden im Ziel: Helmut Hof, damals 29. „Bei trockenem Wetter sind wir auch über einige Schuttberge gelaufen“, erinnert er sich.

Der Sportjournalist Robert Hartmann hat die Geschehnisse rund um dieses Rennen, an dem mit Egon Pfarr und Hans Engel weitere FSV-Marathonläufer teilnahmen, eindrucksvoll beschrieben. Den Wettkampf organisiert hatte Leichtathletik-Abteilungsleiter Willi Christ, „ein findiger Börsenhändler“, abgemessen wurde die Distanz mit einem 50-Meter-Maßband. Die Tribüne am Bornheimer Hang hatte während des Krieges stark gelitten, doch die Frankfurter Läufer waren recht gut vorbereitet. Sie hatten trainiert, jeden Sonntag waren sie zwei Stunden am Stück getrabt, und mindestens an einem weiteren Wochentag gemeinsam unterwegs gewesen. Und so wollten sie im Oktober 1948 an ihre Grenzen gehen. Der Gendarmerie-Wachtmeister Pfarr, Lachhein, der während des Kriegs als Fallschirmjäger im Einsatz war, und der sagenumwobene Willi Borns, der auch „Schrotteler“ genannt wurde.

Von Berlin hatte es ihn nach Frankfurt verschlagen, schnell wurde sein Ruf legendär angesichts des schwungvollen Handels und der Tauschgeschäfte, die er abwickelte. In Offenbach erwarb er Lederkoffer, in Frankfurt verkaufte er die Ware mit Gewinn weiter. „Der Willi“, sagt Helmut Hof, der den Krieg zunächst im Arbeitsdienst und dann bei der Luftwaffe überlebte, sei ein „komischer Vogel“ gewesen. 1949, ein Jahr nach seinem Frankfurter Sieg, verliert sich seine Spur, Borns sei „einfach abgetaucht“, sagt Helmut Hof. Doch er erinnert sich noch an folgendes Detail: „Er hat vor jedem Marathon ein Vollbad genommen.“

Helmut Hof ist lange nicht mehr dabei gewesen in Frankfurt, generell beim Marathon. Seinen 109. und letzten Lauf über 42,195 Kilometer absolvierte er in Japan, am drei Stunden von Tokio entfernten „Göttersitz“ Fujiyama. Laufend unterwegs ist er nicht mehr. „Aber ich bin jeden Tag 20 Minuten auf dem Hometrainer aktiv.“ In Frankfurt möchte er nach einigen Jahren Abstinenz mal wieder „hautnah dabei sein. Es hat sich ja so viel verändert“. Im Übrigen, sagt er, „möchte 100 Jahre alt werden“, sagt Helmut Hof.

Uwe Martin

 


22.10.2010