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Friedrich/Wanner - das neue Frankfurter Hochsprung-Doppel


Ariane Friedrich (Foto: Iris Hensel)

Günter Eisinger ist begeistert. Von der neuen Athletin in seiner Trainingsgruppe, ganz grundsätzlich davon, dass der Wechsel nach Frankfurt geklappt hat. „Sie hätte ja auch nach Mannheim oder Saarbrücken wechseln können“ Sie, das ist Julia Wanner, 23 Jahre alt, Umweltingenieur-Studentin, Hochspringerin und seit kurzem Mitglied der LG Eintracht Frankfurt. Wobei ein Zusatz in allen bislang veröffentlichten Artikeln nicht fehlen durfte: Die ehemalige Athletin vom LAC Berlin ist die Freundin von Weitsprung-Europameister Christian Reif aus Ludwigshafen, insofern kommt man sich auch geographisch näher. Aber natürlich ging es bei dem Ortswechsel in erster Linie um Hochsprung. Und da sollte es unbedingt Frankfurt sein, inklusive Eisinger. Das Übungspaket des Erfolgstrainers umfasst natürlich weiterhin auch die deutsche Rekordhalterin, WM- und EM-Dritte Ariane Friedrich.

Wer im Wesentlichen von wem lernen dürfte, ergibt sich beim Blick auf die Bestleistungen: Ariane Friedrich ist mit 2,06 Meter allen nationalen Konkurrentinnen weit enteilt, also auch der U23-EM-Fünften Julia Wanner, die ihre Bestleistung (1,93) Ende Mai 2009 überquerte. „Julia war meine Wunschkandidatin für die Gruppe“, sagt Eisinger. „Sie versteht sich ausgezeichnet mit Ariane.“ Die beiden kennen und verstehen sich bestens seit der Universiade 2009, seinerzeit holte die Frankfurterin in Belgrad den Sieg mit zwei Metern, Julia Wanner wurde Dritte (1,91). In der Hallensaison 2010 blieb die Berlinerin bei 1,87 Meter hängen, im Sommer aufgrund eines Knochenödems ohne Wettkampf. „Julia ist wieder richtig gesund“, sagt Eisinger. „Aber es ist Vorsicht angeraten. Eine solche Verletzung kann jederzeit wiederkommen.“ Und da auch Ariane Friedrich eine problematische Verletzungsvorgeschichte hat (Ischiasnerventzündung, Januar 2010) muss Eisinger das gemeinsame Training mit größter Vorsicht und behutsam planen.

So sind Inhalte und Intensitäten nicht nur im Kraftraum unterschiedlich - einen eklatanten Unterschied gibt es ohnehin: Ariane Friedrich absolviert im Training nie Technikeinheiten, also Sprünge über die Latte. Aus dem Solo für Friedrich ist eine exquisite Hochsprung-Kleingruppe geworden, die beinahe noch etwas größer geworden wäre. Wenn die Planungen vom Sommer Bestand gehabt hätten. Denn eigentlich sollte auch der deutsche Hallenmeister Martin Günther (2,30) nach dem Abschied des hessischen Landestrainers Jörg Graf zu Eisinger wechseln. Doch der 24-Jährige entschied sich nach einem Gespräch um, Günther wird nun von Graf-Nachfolger Philipp Schlesinger betreut. „Bei mir geht nur ganz oder gar nicht“, sagt Eisinger. Soll heißen: Der seit Jahren beste hessische Hochspringer wollte nur teilweise bei ihm trainieren, und da machte Eisinger nicht mit. Günther/Eisinger wollten es nach der missglückten Premiere 2007 nochmals miteinander probieren - es blieb bei dem Versuch.

Ähnliche Schwierigkeiten sind im Innenverhältnis mit Julia Wanner nicht zu erwarten. Noch wohnt die Hochspringerin im OSP-Internat in Frankfurt, eine Wohnung ist aber bereits gefunden. Und im April setzt sie in Rüsselsheim ihr Studium fort. Die ersten Wettkämpfe sind am 29. Januar beim Meeting in Hustopece (Tschechien) sowie am 5. Februar in Stuttgart geplant. „Sie kann höher springen als 1,93 Meter“, sagt Eisinger. Die kurzfristige Erwartungshaltung sollte jedoch nicht zu hoch angesetzt werden. „Man darf nicht vergessen, dass Julia ein Jahr keinen Wettkampf absolviert hat.“ Die Hallensaison 2011 hat auch Ariane Friedrich fest im Blick. „Wir können ja nicht Monate ohne Sprünge an der Latte überbrücken.“ Und so ganz nebenbei hat sie unter dem Hallendach vom 4. bis 6. März in Paris auch noch einen Europameistertitel zu verteidigen.

Uwe Martin

 


11.12.2010