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Kathrin Klaas blickt optimistisch
in die WM-Saison 2011


Kathrin Klaas (Foto: Iris Hensel)

Hinter Kathrin Klaas liegt eine Berg-und-Tal-Saison. „Aber eigentlich eine ganz gute“, sagt ihr Bundes- und Heimtrainer Michael Deyhle. Die deutsche Nummer zwei ist früh in Bestform gewesen, bereits Mitte März schleuderte die 26-jährige Polizeikommissarin den Hammer in Pretoria (Südafrika) 74,53 Meter weit. Neuer persönlicher Rekord. Eine starke Wettkampfphase hatte die Frankfurterin auch im Mai. In Halle, Fränkisch-Crumbach, Ostrava und Daegu gab es Ergebnisse jenseits von 72 Metern. Doch bereits bei der DM in Braunschweig (68,85) lief es weniger prächtig, der Saisonhöhepunkt bei der EM in Barcelona wurde sogar zum persönlichen Tiefpunkt 2010. 65,85 Meter, raus in der Qualifikation. „Sie hat diese Titelkämpfe mental zu hoch angesetzt“, sagt Deyhle. „Der Normalfall wäre Rang vier gewesen.“ Den holte sich in Barcelona letztlich die 20-jährige Rumänin Bianca Perie (71,62).
Ja, sagt Kathrin Klaas, an der Bewertung von Deyhle sei schon etwas dran. Andererseits: „Ich konnte nach dem vierten Platz bei der WM ja nicht sagen, dass ich wieder Vierte werden will.“ Und nach dem furiosen Frühjahr 2010 hätten sich „ein paar technische Probleme“ eingeschlichen. „Bei der DM war dann alles zu fest und zu schnell. In Barcelona war ich zu ruhig“. Es ist irgendwie alles nicht so einfach gewesen in diesem Jahr. Auch beruflich und privat mit der Abschlussprüfung bei der hessischen Polizei und dem Umzug nach Frankfurt. „Irgendwann war ich nur noch am Lernen, Trainieren und Schlafen.“ Neben „so vielen Wettkämpfen wie noch nie über 72 Meter“ (Deyhle) ist aber auch eine stabile Gesundheit positiv auffällig gewesen in der Saison 2010. Kathrin Klaas hatte keine „meistens unerklärlichen Rückenprobleme“ wie noch im Sommer zuvor - ausgeweitete Dehn- und Kräftigungsprogramme sowie jede Menge Physiotherapie-Sitzungen bei Norbert Müller machten sich bemerkbar.

Und so geht ihr Blick optimistisch nach vorne in die WM-Saison. „Wenn ich eine stabile Technik habe, kann passieren, was will.“ Die aktuellen Kraft-, Sprint- und Sprungwerte von Kathrin Klaas deuten auf noch größere Weiten hin, „ganz klar jenseits der 74 Meter, sagt Deyhle. In der absoluten Weltklasse weiter etablieren, lautet das Ziel. Und sich dabei „weniger auf die Konkurrenz und mehr auf sich selbst konzentrieren“, wie ihr Trainer sagt. „Sie muss 2011 etwas gelassener in die Saison gehen.“ Kathrin Klaas ist voller Zuversicht: „Ich habe einen guten Plan auf dem Schirm und bin gut gewappnet.“ Und neben aller sportlichen Ansprüche hat sie vor allem eines im Sinn: Weiterhin Werbung machen für ihre Disziplin mit athletischer Klasse. Mit 70 Kilogramm bei einer Größe von 1,68 Meter gehört sie ohnehin zu den „Leichtgewichten“ und nicht zu den „Gewichtwerferinnen“ der Szene.

Dass die Hammerwerferinnen bei Meetings bisweilen gar nicht, nur auf einem Nebenplatz oder im Vorprogramm berücksichtigt werden, ist ohnehin ein Dauerthema in der Deyhle-Gruppe. Besserung ist jedoch kaum in Sicht, trotz der hervorragenden Außendarstellung der deutschen Rekordhalterin Betty Heidler und von Kathrin Klaas. Mittlerweile verläuft das Leben der deutschen Nummer zwei längst wieder in normalen Bahnen. Abgeordnet zum Landeskriminalamt in Wiesbaden ist sie zweimal pro Woche in der Kinder- und Jugendprävention tätig. Und ein kompaktes Wettkampfprogramm im Frühjahr 2011 wird es auch wieder geben. „Das passt gut“, sagt Kathrin Klaas.

Uwe Martin

 


22.12.2010