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Phase 10 in der Hochsprung-WG
mit Ernährungsberatung


Julia Wanner feierte mit 1,84 Meter einen gelungenen Einstand in Hessen (Foto: Iris Hensel)

Auf der Tribüne machte es sich die prominenteste deutsche Leichtathletin der Jahre 2009 und 2010 im Rahmen ihrer Möglichkeiten bequem - Ariane Friedrich ist nach ihrem Achillessehnenriss derzeit nicht nur beim Autofahren auf fremde Hilfe angewiesen. Einige Treppenstufen weiter unten, auf dem Kunststoff des Sportzentrums Frankfurt-Kalbach, feierte ihre neue Klubkollegin Julia Wanner ihr Debüt im Trikot der LG Eintracht Frankfurt. Hochsprung-Hessenmeisterin mit 1,84 Meter - ordentlich und irgendwie erwartet, die einzige Enttäuschung in diesem Wettkampf waren die 1,78 Meter von Bianca Schmid (Sportclub Gelnhausen), die zehn Zentimeter unter ihrer Bestleistung blieb. Ariane Friedrich, mit 2,06 Meter deutsche Rekordhalterin, WM- und EM-Dritte, wird nach Lage der Dinge in diesem Jahr keine Wettkämpfe absolvieren können, und so hat der Kampf um die (wahrscheinlich) temporäre Nachfolgerin als Nummer 1 begonnen. Dabei dürfte der 23-jährigen Julia Wanner eine tragende Rolle zukommen.

Dass sich der Frauen-Hochsprung ohne die Präsenz von Ariane Friedrich schwer vermarkten lässt, wird beim Blick auf den Sparkassen-Cup in Stuttgart am 5. Februar deutlich. Auf der Homepage-Startseite wird noch mit dem Foto der 27-Jährigen geworben, erst anschließend erfährt man, dass der Wettkampf aus dem Programm genommen wurde. Und beim Blick in die deutsche Bestenliste 2010 wird deutlich, mit welcher Allmacht die Vorzeigefrau den vertikalen Sprung dominiert hat. Marie-Laurence Jungfleisch (LC Breisgau) folgt mit 1,90 Meter auf Rang zwei, dahinter reihen sich Meike Kröger (LG Nord Berlin/1,88), Annett Engel (SC Potsdam/1,88), Bianca Schmid, Melanie Bauschke (LG Nike Berlin/1,86) und Julia Hartmann (Bayer Leverkusen/1,84) ein. Julia Wanner taucht gar nicht auf. Ihr letzter Wettkampf vor dem Comeback im neuen Trikot datiert aus März 2010. Anschließend stoppte ein Ödem am Sprunggelenk ihren Tatendrang. Ihre Bestleistung (1,93 Meter) stellte sie 2009 auf, in diesem Jahr wurde sie auch Universiade-Dritte und Fünfte der U23-EM.

„Okay, du warst verletzt, jetzt willst du aber noch einmal richtig angreifen“, hatte sie sich vor dem Wechsel vom LAC Berlin zum Frankfurter Großklub gedacht. „Mir war klar, dass ich nur dorthin gehe, wo ich mich am besten entwickeln kann.“ Seit Ende November wohnt Julia Wanner in Frankfurt, genauer im Sportinternat, in einem 16-Quadratmeter-Zimmer. Und ihre aktuelle Mitbewohnerin heißt Ariane Friedrich, die so unmittelbaren logistischen Zugriff auf das Reha-Zentrum des Olympiastützpunkts hat. „Die schwierige Situation für Ariane wird durch Julia erleichtert“, sagt der gemeinsame Trainer Günter Eisinger. „Die Stimmung ist gut, wir müssen mit der Situation umgehen“, meint Julia Wanner. Das aktuelle Lieblingsspiel der WG-Partnerinnen heißt Phase 10, doch es wird auch zusammen gekocht. Und nach dem Öffnen des Kühlschranks gibt Ariane Friedrich schon mal den einen oder anderen Ernährungstipp. „Ich will wieder richtig reinkommen, in Richtung 1,90 Meter“, sagt Julia Wanner. Das gilt für die Hallensaison. „Draußen kann es noch ein bisschen höher gehen.“ Als Ziele nennt sie die WM-Norm (1,95 Meter) und die Teilnahme an der Universiade in China.

Wieder auf dem Sprung ist auch Martin Günther. Der 24-Jährige war in der Hallensaison 2010 groß herausgekommen als deutscher Meister mit 2,30 Meter und Achter der Hallen-WM. Dass er zur Weltklasse gehört, konnte der 24-Jährige im Sommer nicht bestätigen, Günther blieb bei 2,23 Meter hängen. „Der Ausreißer nach oben hat gefehlt“, sagt er. Als Hessenmeister ohne Konkurrenz begann Günther solide (2,19 Meter) und verpasste eine neue deutsche Jahresbestleistung (2,23) nur knapp. Ob er sich in der Halle wieder als deutsche Nummer 1 präsentieren kann? „Ich muss spritziger werden. Aber die zweite Wettkampfwoche bedeutet noch gar nichts“, sagt Günther. Raul Spank (Dresden/2,33) und Eike Onnen (Hannover/2,34) heißen die Mitbewerber um die Nummer 1 im deutschen Männer-Hochsprung. „Aber warum die Ziele geringer setzen als letztes Jahr?“ (Günther).

Uwe Martin

 


19.01.2011