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Gesa Krause: „Ziele und Träume sind immer gut“


Gesa Krause (Nr. 217) bei der Jugend-DM in Leverkusen (Foto: Iris Hensel)

Wenn Gesa Felicitas Krause ins Plaudern kommt, ist sie nicht mehr zu stoppen. Dabei hat alles durchaus Hand und Fuß, was die Achtzehnjährige erzählt. Natürlich spricht die Abiturientin der Frankfurter Carl-von-Weinberg-Schule über ihren Sport, die Leichtathletik, über ihre Liebe zu den längeren Strecken ab 800 Meter aufwärts, über ihre diskrete Abneigung gegenüber Hallentraining und darüber, dass sie Crossläufen durchaus zugetan ist. Und es gibt nicht wenige, die Gesa Krause von der LG Eintracht Frankfurt als eines der größten, wenn nicht sogar als das größte deutsche Nachwuchs-Lauftalent bewerten. Im vergangenen Jahr war sie Vierte der U20-Weltmeisterschaft über 3.000 Meter Hindernis und schredderte den deutschen Jugendrekord mit 9:47,89 Minuten um knapp zwölf Sekunden. Sie war beste Europäerin und stieß in die Phalanx der afrikanischen Läuferinnen vor. „Ich will möchte einmal an den Olympischen Spielen teilnehmen.“ Diesen Satz sagt Gesa Krause nicht im Februar 2011, wenige Stunden nach ihrem zweiten Platz bei den deutschen Jugend-Hallenmeisterschaften über 1.500 Meter in persönlicher Bestzeit (4:22,99) - diesen Satz hat sie in der zweiten Klasse in ein Freunde-Buch geschrieben.

Das ist nun schon ziemlich lange her, doch Gesa Krause kommt ihrem Ziel allmählich näher. Am 23. März wird sie ihre letzte Abiturprüfung ablegen, Geschichte-Grundkurs, schriftlich. Und schon 24 Stunden später hebt der Flieger nach Nairobi ab, dann geht es inländisch weiter in die kenianische Provinz Rift Valley. Nach Eldoret und Iten zum dreiwöchigen Training in etwa 2.000 Meter Höhe. Dorthin also, wo immer mehr europäische Topläufer in den Spuren der heimischen Langstrecken- und Marathonstars versuchen, einigermaßen den Anschluss zu halten. Gesa Krause war schon im vergangenen Frühjahr dort, ebenfalls mit einer vom hessischen Landestrainer Wolfgang Heinig geleiteten Gruppe. „Ich habe hohe Ziele und möchte es noch besser machen.“ Noch besser als im vergangenen Jahr. „Und ich habe schon jetzt ein viel höheres Niveau als vor zwölf Monaten.“ Aber der Jugendklasse gehört sie immer noch an.

Gesa Krause hat einen festen Plan, der abgesprochen ist mit ihren Eltern („Sie unterstützen mich voll und ganz“) und natürlich Heinig. Nach dem Abitur will sie ein Jahr „Auszeit“ nehmen, nicht studieren und keine Ausbildung beginnen, quasi Profi werden. „Diese zwölf Monate kann ich mir gönnen“, sagt sie. „Es ist eine Chance, die ich nutzen kann. Man ist nur einmal jung.“ Sie will es versuchen mit Olympia. Mit aller Macht. Wobei in diesem Sommer die U20-EM in Tallin (Estland) absolute Priorität hat. Eine Medaille soll es werden, besser noch der Titel. Völlig abseits jeder Wahrscheinlichkeit ist auch die Teilnahme an der WM in Daegu (Südkorea) nicht. Gesa Krause müsste sich über 3.000 Meter Hindernis auf 9:43 Minuten verbessern, das ist die A-Norm des Deutschen Leichtathletik-Verbandes. „Im Hinterkopf“ habe sie Daegu schon, sagt sie. Doch ein Muss sei das nicht. „Aber ich gehe mit hohen Erwartungen an mich in die Saison.“

Mit negativen Erlebnissen auf hohem Niveau umzugehen, auch das ist ein Lernprozess. Zuletzt rannte sie bei der Jugend-DM in Karlsruhe lange Zeit vorneweg, die risikoreiche Taktik war mit Heinig abgesprochen - mal sehen, wer zu folgen vermochte. Es war „das Mädchen aus Wattenscheid“, Isabell Ollesch, das auf den letzten 100 Metern schneller gewesen ist und in 4:21,01 Minuten gewann. „Ich bin ein bisschen enttäuscht“, sagt Gesa Krause. Die nächste Chance auf einen deutschen Titel bietet sich aber bereits am 5. März bei den Cross-Titelkämpfen in Löningen, einem staatlich anerkannten Erholungsort im Oldenburger Münsterland. „Die Cross-DM passt in meine Vorbereitung für den Sommer.“ Zudem kommt ihr die Streckenlänge von 4,36 Kilometern entgegen. Nicht zu vergessen: Als Erste ankommen will Gesa Krause bei dem Lauf über Stock und Stein natürlich auch. Und dann es geht weiter mit Weitsicht auf Olympia 2012 in London. „Ziele und Träume sind immer gut“, sagt sie.

Uwe Martin

 


23.02.2011