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Felix Göltl - Enttäuschung nach dem Frühstart


Felix Göltl in Leipzig (Foto: Iris Hensel)

Es hat wieder nicht gereicht. Wie schon 2010 bei den deutschen Freiluftmeisterschaften in Braunschweig. Vor sieben Monaten zog sich Felix Göltl im Vorlauf über 100 Meter eine Muskelverletzung zu und musste fürderhin passen. Als Shootingstar der Sprintszene gehandelt, angereist mit einer Bestzeit von 10,32 Sekunden, blieb nur Enttäuschung. Er wollte die Großen ärgern, auch die allmählich alternden Stars Tobias Unger (München) und Alexander Kosenkow (Wattenscheid), die jedoch nicht gerade langsamer werden. Dahinter tummeln sich ein halbes Dutzend Kronprinzen, die meisten sind Mitte der Achtziger geboren, doch eines der größten Versprechen im deutschen Männersprint ist eben Göltl. Jahrgang 1990, noch immer 20 Jahre jung. In der Arena Leipzig hatte der schnelle Fachabiturient im Trikot des TuS Kriftel nun Größeres vor, wollte sich bei der Hallen-DM über 60 Meter von 6,75 auf etwa 6,70 Sekunden verbessern und damit in die Podestnähe kommen.

Es begann gut, mit 6,75 Sekunden im Vorlauf und ansprechenden 6,78 Sekunden im Zwischenlauf. Doch im Finale ging der Hesse etwas zu schnell aus dem Block, Fehlstart, Disqualifikation, das Ende aller Hoffnungen. Meister wurde Christian Blum (Wattenscheid/6,63), gefolgt von Martin Keller (Chemnitz/6,65). Rang drei ging mit 6,70 Sekunden an den Berliner Lucas Jakubczyk. „Der Fehlstart war eine Überreaktion von mir“, sagt Göltl. „Der Starter hat mit dem Schuss länger gewartet als vorher.“ Natürlich sei er aufgeregt gewesen, schließlich hatte er sich wochenlang auf den Saisonhöhepunkt und Abschluss der Hallensaison vorbereitet. „Aber ich nehme es sportlich.“ Göltl und die deutschen Meisterschaften - das hat bislang noch nicht gepasst. Im Sommer, im dritten Versuch, soll es nun endlich etwas werden. Und nach Lage der Dinge dürfte er wenige Monate später das Trikot des TuS Kriftel ablegen.

Bereits im vergangenen Sommer hatte er ein Angebot des TV Wattenscheid vorliegen und löehnte ab. „Jetzt bin ich ein bisschen am suchen.“ Talente wie er sind gefragt in Deutschland, das Jahr 2010 beendete er mit 10,32 Sekunden über 100 Meter und 20,83 Sekunden über 200 Meter. Was in der nationalen Statistik jeweils Rang sechs bedeutete. „Ich werde mir Angebote anhören“, sagt Göltl. Doch ein Wechsel innerhalb Hessens, etwa zum Großklub LG Eintracht Frankfurt, „kommt nicht in Frage“. Es sieht also so aus, als ob demnächst der letzte hessische Sommer 2011 für Göltl anbricht. Wobei er nur im Doppelpack mit Heimtrainer Thomas Riehm zu bekommen ist. Die beiden arbeiten im nun mehr achten Jahr zusammen. Komplettiert wird die Mini-Übungsgruppe aus Kriftel von Niclas Schuster, der früher knapp sieben Meter weit gesprungen ist und jetzt ebenfalls im Sprint seine Passion gefunden hat.

Zwei Wochen Zeit hat Göltl, um die mittelschwere Enttäuschung von Leipzig zu verarbeiten, so lange darf er „Urlaub machen“, wie er es nennt. Ruhig gestellt ist er natürlich nicht, er wird laufend in Bewegung bleiben und auch im Kraftraum aktiv sein. Im Frühjahr geht es dann ins Trainingslager in die Toskana. Dann beginnt die Freiluftsaison und somit der Dreikampf um die hessische Sprintkrone. 200-Meter-Landesrekordhalter Till Helmke (LG Ovag Friedberg-Fauerbach/20,37) wird dann ebenso wieder ins Wettkampfgeschehen eingreifen wie Nils Müller (LG Eintracht Frankfurt). Beide waren unter dem Hallendach nicht am Start. Helmke ist sechs Jahre älter, Müller drei. „Gefühlsmäßig liegen mir die 100 Meter mehr“, sagt der Youngster Göltl und nennt eine Zeit von 10,2 - bei den Hundertstel mag er sich nicht festlegen - als Wunsch für den Sommer. Vor allem aber soll es bei den deutschen Titelkämpfen endlich mal flutschen.

Uwe Martin

 


02.03.2011