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WM in Daegu: Noch keine Entscheidung bei Live-Übertragung


Wird Hammerwurf-Erfolgscoach Michael Deyhle live aus Daegu zu sehen sein? (Foto: Iris Hensel)

Ob die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten ARD und ZDF von der Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Daegu (Südkorea/27. August bis 4. September) Livebilder zeigen werden, ist weiterhin offen. Bislang gibt es keine Einigung zwischen ARD/ZDF und der schwedischen Vermarktungsagentur IEC, die im Auftrag des Weltverbandes IAAF die Verhandlungen führt. Zwischen sechs und sieben Millionen Euro hatten die Sendeanstalten für die Liveübertragung bislang geboten, die IEC-Doppelpackforderung für die WM in Daegu und die nachfolgenden Titelkämpfe in Moskau (2013) lag bei bis zu 17 Millionen Euo. Und die Zeit drängt. Am 31. März endet die offizielle Buchungsfrist beim Organisationskomitee. Bis dahin müssen ARD/ZDF beispielsweise Arbeitsplätze und Kamerapositionen einbuchen und entsprechendes Equipment auf den Weg bringen.

„Ich bin jetzt noch mal optimistisch. Beide Seiten haben den Wunsch nach Live-Bildern geäußert. Die Kluft zwischen beiden Verhandlungspartnern schien zuletzt noch groß. Jetzt sind Flexibilität und Phantasie gefordert“, sagte DLV-Präsident Clemens Prokop nach der Sitzung des Sportausschusses des Deutschen Bundestages. Dabei hatten ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky und ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz über den aktuellen Stand informiert. Laut der Sportausschuss-Vorsitzenden Dagmar Freitag wird es zudem eine weitere Sitzung des Sportausschusses geben: „Es gibt in der Bevölkerung viele sehr subjektive Eindrücke, welche Sportarten bei ARD und ZDF zu häufig oder zu selten gezeigt werden.“ Laut Freitag stehe ein „ergebnisoffenes Gespräch“ sowie eine „grundsätzliche Diskussion“ darüber an, „wie der Sport im öffentlich-rechtlichen Fernsehen aufgestellt ist“. Mit der ersten Sitzung war die SPD-Politikerin zufrieden: „Unser Ziel war es, die Partner dazu zu bringen, sich zu bewegen und einen Kompromiss zu finden. Dies ist uns hoffentlich gelungen.“

In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung weist der Sportredakteur und Leichtathletik-Fachjournalist Michael Reinsch darauf hin, dass die öffentlich-rechtlichen Sender für 54 Millionen Euro „Berufsboxabende gekauft haben" (gemeint ist die ARD) und das ZDF „fast die gleiche Summe - jährlich - für die Übertragungsrechte der Champions League bereit hält“. Zudem drängten WM-Sponsoren, „die Millionen einsetzen und nun auf dem größten Markt Westeuropas unsichtbar zu bleiben drohen, auf neue Verhandlungen.“

In den anstehenden Debatten gelte es deshalb auch Grundsätzliches zu klären: Sind Bilder von olympischen Sportarten und Wettkämpfen ein kommerzielles Produkt? „Kann sich nicht der Steuerzahler, der für Training, Sportanlagen und schließlich sogar die Reise der Teilnehmer aufkommt, als größter Sponsor und damit als Teilhaber des olympischen Sports verstehen? Kern der Olympischen Sommerspiele ist immerhin die Leichtathletik. Ist die Übertragung ihrer WM nicht die Konsequenz all dieser Förderung?“, fragt Reinsch.

Uwe Martin

 


25.03.2011