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Halbmarathon-DM: Pollmächer und Mockenhaupt holen Titel


Junioren-Power in Griesheim: Jannik Ernst, Katharina Heinig und Musa Roba-Kinkal (Foto: Thomas Zöller)

Die deutschen Halbmarathonmeister 2011 heißen André Pollmächer und Sabrina Mockenhaupt. Der Chemnitzer zog nach einem spannenden Rennverlauf auf den beiden Schlusskilometern das Tempo resolut an, konnte dadurch seinen hartnäckigen Konkurrenten Musa Roba-Kinkal abschütteln und mit 1:04:16 Stunden als deutscher Meister ins Ziel im Griesheimer Stadion einlaufen. Der Gelnhäuser Debütant folgte mit 14 Sekunden Rückstand und sicherte sich somit den Juniorentitel. Bei den Frauen meldete sich noch am Morgen Sabrina Mockenhaupt nach – und ließ sich den Titel, übrigens der erste auf der Halbmarathondistanz und 29. ihrer imposanten Meisterschaftssammlung, weder von Susanne Hahn noch von der indisponiert wirkenden Titelverteidigerin Ingalena Heuck streitig machen.


Pollmächer: „Rennen wie erhofft!“
„Das Rennen ist so gelaufen, wie ich es mir auch erhofft habe!“ freute sich André Pollmächer. Der Chemnitzer im Dress des Rhein-Marathon Düsseldorf hatte gerade wenige Minuten zuvor sein Comeback mit dem Gewinn des Halbmarathon-Titels in persönlicher Bestzeit von 1:04:16 Stunden gekrönt. „Aber die Konkurrenz ist ganz schön stark gewesen!“ applaudierte er der kampfstarken Konkurrenz, die erst auf den letzten drei, vier Kilometern der stärker werdenden Schlagzahl des Schützlings von Bundestrainer Ron Weigel nachgeben musste. Mit dem Halbmarathon-Debütanten Musa Roba-Kinkal (SC Gelnhausen) und Titelverteidiger Stefan Koch (LG Braunschweig) blieben zwei weitere Läufer mit 1:04:30 bzw. 1:04:55 Stunden unter der 1:05-Stunden-Marke.

Auf der 2,5 km langen Pendelstrecke auf der Bundesstraße 26 durch Griesheim entwickelte sich vom Start weg ein spannendes Ausscheidungsrennen mit einer zumeist sechsköpfigen Spitzengruppe. Neben Pollmächer, Roba-Kinkal und dem zeitweise etwas nachhängenden Koch gehörten dieser Gruppe überraschend der 23jährige Hagen Brosius (SCC Berlin), Sören Kah (LG Lahn-Aar-Esterau) und Maciek Miereczko (FV Citylauf Erftstadt) an. Stefan Koch, der nach 11 km sogar gestürzt war, zog nach 15 km das Tempo etwas an und läutete damit die Rennentscheidung – und damit das reizvolle Duell André Pollmächer gegen Musa Roba-Kinkal ein. „Das hat wirklich Spaß gemacht. Vor allem konnte ich im Rennen einmal ausreizen, was derzeit möglich ist“, analysierte Pollmächer seine Leistung. „Ich denke, eine deutsche Meisterschaft in 1:04:16 zu gewinnen, ist doch nicht zu schlecht!“

Musa Roba-Kinkal – ein Mann mit Straßen-Perspektiven
Während für André Pollmächer die Phase der Unterdistanzrennen nach der Vorstellung seines Trainers Ron Weigel noch bis zum Sommer weiter gehen soll, blickt Musa Roba-Kinkal bereits in Richtung 400 m-Kunststoffbahn. „Ich habe mit einer 65er Zeit gerechnet und bin deshalb mehr als zufrieden mit den 1:04:30 Stunden. Ich bin mutig ins Rennen gegangen und das hat sich gelohnt. Eigentlich bin ich nicht schwächer als André, aber den Ausschlag heute hat die Erfahrung gebracht, die er mir gegenüber auf der Halbmarathonstrecke hat!“ Der 23jährige wird sich rasch erholen müssen, denn bereits in drei Wochen stehen die deutschen 10.000 m-Meisterschaften in Essen auf dem Wettkampfplan. „Ich denke nicht, dass das Rennen wie im Vorjahr in Ohrdruf sehr schnell wird. Eine schnelle Zeit kann ich vielleicht bei der U 23-EM laufen. Dort möchte ich den Titel holen!“ Mittelfristig sieht Musa Roba-Kinkal aber auch eine gute Perspektive auf der Straße.

Stefan Koch: „Setze auf Hamburg“
Ganz im Gegensatz zu den beiden Erstplatzierten hätte sich Stefan Koch gerne ein langsameres Rennen gewünscht. „Zwei Wochen nach dem Halbmarathon in Berlin wollte ich eigentlich etwas lockerer laufen. Aber das ging ja heute nicht. Da ich mich in der Vorbereitung auf Hamburg befinde, war mir das Rennen etwas zu schnell!“ Dennoch freute sich der Braunschweiger über die Bronzemedaille, die er sich mit einem starken Finish erlaufen konnte. „Für mich zählt in erster Linie aber der Titel in Hamburg in hoffentlich neuer Bestzeit!“

Bundestrainer Weigel sieht einen „Ruck durch die Marathonszene“
Marathon-Bundestrainer Ron Weigel verspürt derweil schon einen „Ruck in der Marathonszene“, wie er in einer Art ersten Zwischenbilanz in Griesheim formulierte. „So, wie es im vergangenen halben Jahr bereits angelaufen ist, imponiert mir! Daran müssen wir aber anknüpfen. Wir können uns nur in Trainingsgruppen weiter entwickeln. Bestes Beispiel ist für mich Hagen Brosius“. Der junge Berliner im Trikot des SC Charlottenburg spielte in der Spitzengruppe um André Pollmächer eine vorzügliche Rolle, war immer wieder als Tempomacher als Kopf der Fünfergruppe zu finden, wurde allerdings als Vierter knapp um eine Medaille gebracht. „Oh, ich bin mit meinem Lauf sehr zufrieden. Das Training mit André hat sich bereits ausgezahlt!“ freute sich der 23jährige Student, der als „Juniorpartner“ von André Pollmächer in Potsdam vom strukturierten Training profitiert.

Sabrina Mockenhaupt: „Rennen für den Kopf“
Bei den Frauen bestimmte von Beginn an die kleine Siegerländerin das Tempo – und keiner wollte auch nur im Ansatz mitgehen. Bei der 5 km-marke wurden 16:23 Minuten notiert. „Das war natürlich viel zu schnell. Aber ich wollte einfach einmal befreit laufen, ohne Druck und nur einfach Spaß haben!“ Gesagt, getan. Nach dem verkorksten Rennen in Berlin sollte die Halbmarathon-Meisterschaft in Griesheim nun als Aufbau- und Motivationsrennen gelten. „Berlin war in jeder Hinsicht zu viel. Ich hatte mir auch zu viel Druck aufgebaut, das muss künftig wieder anders werden. Ich muss meine Rennen in Ruhe vorbereiten und mich nicht von außen steuern lassen!“ Bundestrainer Ron Weigel hatte deshalb auch am Sonntagmorgen am Nachmeldeschalter die Startnummer besorgt, Sabrina war lediglich mit ihrem Bruder („bei guter Musik“, bekannte sie) nach Griesheim gefahren und sich an die Startlinie gestellt. „Nach dem Trainerwechsel wollte ich in zwei, drei Monaten alles ummodeln. Das geht mit mir scheinbar nicht!“ Im Gespräch mit den Journalisten wirkte sie eher nachdenklich und bestimmt, der Einbruch in Berlin hat sicherlich Spuren hinterlassen. Und als kleine Entschuldigung an die Konkurrenz: „Sorry, Mädels, aber ich habe das Rennen einfach für meinen Kopf gebraucht!“

In der Verfolgung wechselte die Reihenfolge des Öfteren. Mal war es die Marathonmeisterin Bernadette Pichlmaier (LAG Mittlere Isar), mal die Titelverteidigerin Ingalena Heuck (LG Stadtwerke München), mal Susanne Hahn (SV Schlau.com Saar 05 Saarbrücken). Nach zehn Kilometern standen für „Mocki“ 33:02 Minuten zu Buche, Susanne Hahn folgte nun mit 34:33 vor Veronca Pohl (TSV Bayer 04 Leverkusen/ 34:46). Nicht mehr im Rennen war die Titelverteidigerin Ingalena Heuck. „Es ging einfach nicht, ich hatte Bauchschmerzen, die bereits bei Kilometer drei anfingen. Ich hatte diese Probleme auch im Winter, habe es aber mit einer Therapie wegbekommen. Seit Januar hatte ich keine Beschwerden, ich habe gut trainiert und in den letzten Wochen und Tage keinerlei Probleme“, meinte sie frustriert.

„Ich kann mit meinem Rennen zufrieden sein“, zog Susanne Hahn nach ihrer 1:14:23-Zielzeit ein erstes Fazit, acht Monate nach der Geburt ihres Sohnes Michael. „Mein Körper muss sich erst wieder finden. Ich genieße es derzeit, einmal alle Strecken von 800 bis 10.000 zu laufen, bevor ich an die Marathon-Vorbereitung gehe. Ich weiß allerdings noch nicht, wo ich im Herbst Marathon laufen werde. Ziel ist auf jeden Fall die Olympianorm für London“.

Sieg für Mutter Katrin und Tochter Katharina (Heinig)
Mit letzter Kraft rettete sich Veronica Pohl als Dritte ins Ziel, dicht gefolgt von Bernadette Pichlmaier. Auf Rang fünf folgte Silke Optekamp (PSV GW Kassel) vor Katharina Heinig, die mit 1:17:32 Stunden nicht nur ihren Juniorentitel erfolgreich verteidigte, sondern sich auch auf einem guten Weg für ihren Start beim Hannover-Marathon am 8. Mai sieht. „Ich wäre zwar heute gerne etwas schneller gelaufen, aber vielleicht stecken die Reisestrapazen noch etwas in den Knochen!“ Die 22jährige war erst zwei Tage zuvor aus dem kenianischen Höhentrainingslager zurückgekehrt. „In Hannover möchte ich 2:40 Stunden laufen!“ gibt sie selbstbewusst die Marschrichtung für ihren zweiten Marathonlauf ihrer Karriere vor. Einen weiteren Titel für die Heinigs holte Mutter Katrin, die als Elfte des Gesamteinlaufes in 1:20:35 Stunden die Masterskategorie W 50 für sich entscheiden konnte.

Wilfried Raatz

 


18.04.2011