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17. Mai 1981: Vor 30 Jahren eroberten
die Marathonläufer erstmals die Stadt


Emil Zatopek und Charlotte Teske im Jahr 1983 (Foto: Gustav Schröder)

Der Coup wurde vom Laufklub OSC Höchst akribisch vorbereitet. Das Organisationsteam um Hans Jürgensohn und Wolfram Bleul hatte sogar die Wetterdaten vergangener Jahre studiert und sich schließlich für Mitte Mai entschieden. Und noch vier Wochen vor dem Startschuss reiste Pressechef Ernst Hellmold mit den einflussreichsten Frankfurter Sportjournalisten nach Boston. Beim weltweit ältesten Marathon sicherte man sich das Wohlwollen der heimischen Medien. Denn das Projekt durfte auch aus Sicht des Allein-Sponsors Hoechst AG nicht schiefgehen. Schließlich hatte das Chemie- und Pharmaunternehmen (heute Sanofi-Aventis) 325.000 Euro an Barmitteln und weitere 500.000 Euro Sach- und Dienstleistungen investiert.

Vor 30 Jahren, als hierzulande aus Trimm-Trabern allmählich Jogger wurden, sollten erstmals 42,195 Kilometer durch eine deutsche Stadt gelaufen werden. Und die Premiere des Hoechst-Marathons am 17. Mai 1981 ist nicht nur aus dem Stand ein umjubelter Erfolg auf Weltklasseniveau geworden, sondern war zugleich ein Geburtshelfer für mittlerweile etwa 200 Veranstaltungen in Deutschland. Vor 30 Jahren holte die Bankenstadt Frankfurt am Main erstmals Läufer von den Wäldern auf die Straße, der Marathonlauf wurde zum Volkssport und eine Massenbewegung kam in Gang. Sechs Monate später folgte Berlin, Hamburg 1986, Köln im Jahr 1997.

Vor den Werkstoren der Hoechst AG im gleichnamigen Frankfurter Stadtteil (allerdings mit ö geschrieben) gab 1981 der Dreifach-Olympiasieger von 1952, die „tschechische Lokomotive“ Emil Zatopek, den Startschuss. Gemeldet hatten 3.169 Läuferinnen und Läufer, ins Ziel kamen 2.588. Auch Eugen Föt, mittlerweile 60 Jahre alt, zahlte damals 9,50 Euro Startgeld. Professionell vorbereit war der Fußballer und Gelegenheitsläufer nicht. Er hatte lediglich das Werbeplakat gesehen und sich spontan zum Mitlaufen entschlossen. „Meine Frau hat mich für verrückt erklärt“, erinnert er sich. „Und beim Start am Fabrikgelände hat es gestunken, ich wollte einfach nur weg.“ Was dem Frankfurter durchweg zügig gelang. „Sobald ich Zuschauer sah, habe ich sogar Zwischenspurts eingelegt.“ Angekommen ist der Debütant nach 3:21 Stunden. Föt ist einer von vier Läufern, die seither jedes Jahr gefinisht haben beim ältesten deutschen Stadtmarathon - und am 30. Oktober 2011 bei der Jubiläumsveranstaltung wieder am Start vor dem Messeturm stehen werden.


Der hessische Innenminister Boris Rhein, Stadtrat Markus Frank und der finnische Außenminister Alexander Stubb im Jahr 2010 in der Festhalle (Foto: Veranstalter)

Den Premierensieger Kjell-Erik Stahl (2:13:20 Stunden) kennt heutzutage kaum noch jemand, obwohl der Schwede zwei Jahre später WM-Vierter wurde. Der Zweitplazierte Günter Mielke vom ASC Darmstadt starb im vergangenen Jahr im Alter von 67 Jahren beim Jogging an einem Strand bei Auckland (Neuseeland). Seine 1981er Frankfurt-Zeit - 2:13:58 Stunden - wurde zum persönlichen Lebensrekord. Der DLV-Jahresbeste 2010, Falk Cierpinski vom SG Spergau, steht als Synonym für die deutsche Männerkrise mit 2:17:18 Stunden in der Statistik. Für goldene Zeiten im Spitzensport sorgte der Frankfurt-Marathon zunächst 1983 mit dem deutschen Rekord von Charlotte Teske (ASC Darmstadt/(2:28:32), der Marathon-Legende Katrin Dörre-Heinig gelang von 1995 bis 1997 sogar das Triple. Dreimal gewann auch Herbert Steffny (1985, 1989, 1991). Eine Sternstunde aus nationaler Sicht war noch das Jahr 1997 mit den Streckenrekorden von Dörre-Heinig (2:26:48) und Michael Fietz (LG Ratio Münster/2:10:59).

Nach diversen Krisen - 1986 fiel die Veranstaltung aufgrund des Rückzugs der Hoechst AG sogar aus, reichlich Stillstand rund um die Jahrtausendwende und mittlerweile elf verschiedenen Namensgebungen - spielt der heutige BMW Frankfurt Marathon seit dem Vorjahr international wieder in der ersten Liga. Die Kursbestzeiten von Wilson Kipsang (2:04:57) und Caroline Kilel (2:23:25) aus Kenia sorgten für Begeisterung wie bei der Premiere 1981 - und führten dazu, dass Renndirektor Jo Schindler für 2011 kürzlich eine Weltrekordprämie von 50.000 Euro ausgelobt hat. Der 51-Jährige hat den Klassiker seit 2002 „vom Kopf auf die Füße gestellt“, wie er sagt. Und sich damit im Verdrängungswettbewerb auf dem deutschen Markt mit Zuwächsen mit Spitzen- und Breitensport glänzend behauptet. Sein aktueller Veranstaltungsetat beträgt 2,5 Millionen Euro, die Zahl der Teilnehmer ist viermal so hoch wie 1981. „Unser Zieleinlauf in der Frankfurter Festhalle ist für alle ein einzigartiges emotionales Kraftwerk“, sagt Schindler. Vor 30 Jahren gab es keine rauschende Marathon-Party unterm Hallendach, sondern eine Ankunft auf Frankfurter Asphalt. Bei läuferfreundlichen 20 Grad. Die Planung war aufgegangen.

Uwe Martin

 


16.05.2011