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Birgitt Bohn - Comeback mit neuen Vorzeichen


Birgitt Bohn und Ehemann Ole Nückel (Foto: Thomas Zöller)

Wenn Birgitt Bohn an diesem Sonntag um kurz vor 9 Uhr am Millerntorplatz in Hamburg steht und auf den Startschuss wartet, ist vieles, beinahe alles anders als vor zwei Jahren vor dem Mainzer Rathaus. Sicher, es sind wieder deutsche Marathonmeisterschaften, die ja bekanntlich für zwei Jahre (2011, 2012) in die Hansestadt vergeben worden sind. Doch die Ausgangslage für die 40 Jahre alte Diplom-Dolmetscherin (Englisch, Französisch) hat sich komplett verändert. Mainz 2009 ist quasi ihr Abschied vom Leistungssport gewesen, Birgitt Bohn lief in persönlicher Bestzeit (2:42:02 Stunden) auf den dritten Platz und Spiridon Frankfurt gewann die Mannschaftswertung. Es war ihr letztes Rennen vor der Babypause. Am 8. April 2010 wurde Sohn Luke geboren, und bereits während der Schwangerschaft ist sie häufiger schwimmend als laufend aktiv gewesen. Dass Birgitt Bohn in das Marathon-Wettkampfgeschehen zurückkehren würde, war klar. Sie wusste nur nicht, wann. Jetzt ist sie wieder da, nach zwei Jahren Pause in Hamburg bei der DM, für die noch 48 weitere Hessen ihre Meldung abgegeben haben.

Erst mehr als ein halbes Jahr nach der Geburt ihres Sohnes hat sie wieder richtiges Vertrauen in ihren Körper gefasst, nach dem Frankfurt-Marathon Ende Oktober. „Anschließend bin ich längere Strecken und auch wieder schneller gelaufen.“ Ende 2010 absolvierte sie in Bad Hersfeld einen Mannschaftslauf, den Babyjogger schoben dankenswerterweise abwechselnd ihr Mann Ole Nückel und Trainer Kurt Stenzel. Ihr Comeback feierte Birgitt Bohn dann Mitte April bei den deutschen Halbmarathon-Meisterschaften in Griesheim. Sie wurde 31. in 1:24:42 Stunden und war zufrieden. „Ich habe immer noch Spaß am Laufen. Es ist für mich mehr als nur eine Runde im Wald zu drehen.“ Doch die Prioritäten haben sich verschoben, ihr Sohn steht im Mittelpunkt, natürlich auch ihr Mann und ihr Job, um diese drei Schwerpunkte herum wird das Marathonlaufen organisiert. Was schwer genug fällt.

Hinzu kommt das ehrenamtliche Engagement im Vorstand von Spiridon Frankfurt. „Ich habe auf keinen Fall jene Ambitionen, wie ich sie vor der Schwangerschaft hatte.“ Beim Hamburg-Marathon stand zunächst die Verbesserung des deutschen Mannschaftsrekords in der Altersklasse 40 (9:03 Stunden) im Fokus. Doch dann erkrankte ihre Klubkollegin Vera Martens, auch Ulrike Wagner ist nicht am Start. Die Gemeinschaftsaktion war geplatzt. Bestimmt werden die Ansprüche von Birgitt Bohn grundsätzlich ohnehin von der Frage: „Für was reicht es?“ Früher war das anders. Da gab es Ziele, auf die hat sie hintrainiert. Nun trainiert sie und schaut, was möglich ist. In Hamburg dürfte es eine Zeit unter drei Stunden werden. Zwölf Wochen hat sich die Frankfurterin im Rahmen ihrer zeitlichen Möglichkeiten vorbereitet, ist im Schnitt 70 Kilometer pro Woche gelaufen. „Mit den 4:01 Minuten pro Kilometer in Griesheim war ich sehr zufrieden. Ich bin froh, dass ich schon so weit bin.“

Wie es nach der DM in Hamburg weitergeht, weiß sie noch nicht. Die Entscheidung wird wohl in der Marathon-Sommerpause fallen. „In der Regel laufe ich da, wo auch die anderen Mädels laufen.“ Also Vera Martens, Viera Böhler und Ulrike Wagner. Den deutschen Altersklassenrekord haben sie noch immer im Sinn. Und wenn die Vierergruppe logistisch und geografisch denkt, müsste sie eigentlich den 30. Geburtstag des BMW Frankfurt Marathon am 30. Oktober wahrnehmen. „Es hängt auch davon ab, ob mein Mann mir im Herbst sonntags wiederum für lange Läufe frei gibt“, sagt Birgitt Bohn. Und lacht.

Uwe Martin

 


20.05.2011