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U18-Trümpfe aus Hessen: Luzolo, Gerter, Trenk


Maryse Luzolo (Foto: Iris Hensel)

Die Würfel für die internationalen U18-Wettkämpfe in diesem Jahr sind gefallen - und gleich drei hessische Nachwuchs-Leichtathleten sind für die beiden Saisonhöhepunkte qualifiziert. Zu den 27 deutschen Athletinnen und Athleten, die an der U18-Weltmeisterschaft im französischen Lille vom 6. bis 10. Juli teilnehmen werden, gehört auch die 16-jährige Weitspringerin Maryse Luzolo von der LG Eintracht Frankfurt. Vor zwei Jahren in Brixen (Italien) holte das DLV-Team insgesamt neun Medaillen (zweimal Gold, einmal Silber, sechsmal Bronze). Im Jahr 2011 umfasst die DLV-Mannschaft sieben männliche und 20 weibliche Talente, einzige Doppelstarterin ist Katinka Urbaniak von der LG Filstal im Kugelstoßen und Diskuswerfen. Dass sich Maryse Luzolo im Weitsprung für die U18-WM qualifizieren würde, war so unwahrscheinlich nicht. Schließlich hatte die 16-Jährige bereits im Vorjahr als Dritte der deutschen B-Jugendmeisterschaften 5,93 Meter erreicht. Obwohl sie noch der Schülerinnenklasse angehörte. Und zur späteren WM-Norm des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (6,05 Meter) fehlte schon damals nicht viel. Der letzte und entscheidende Qualifikationswettkampf Mitte Juni in Schweinfurt verlief dann aber doch alles andere als planmäßig.

Denn bis zum letzten Versuch blieb die Tochter kongolesischer Eltern ohne entsprechende Weite. „Sie war nervös. Dabei ist sie sonst immer ganz locker“, sagt ihre Trainerin Melanie Zecha. „Aber Maryse ist eben auch nervenstark und ein bisschen lässiger als die anderen.“ Und so flog sie bei ihrer letzten Chance auf 6,23 Meter. Der Wind hatte mit erlaubten 1,8 Metern pro Sekunde geschoben - perfekt.

Die Frankfurterin hat sich zu einer der hoffnungsvollsten deutschen Weitspringerinnen entwickelt, und zu verdanken ist dies einer weitsichtigen und ahnungsvollen Hort-Erzieherin. Ihr Rat vor fünf Jahren: Maryse möge doch mal bei den Leichtathleten des TSV Bonames vorbeischauen. Anfangs war es ein unregelmäßiges Gastspiel, seit dem Winter 2009 trainiert sie regelmäßig. Zunächst den Mehrkampf, später nur noch Weitsprung. Es war der Beginn einer lehrbuchreifen Karriere. Maryse Luzolo steigerte sich über 5,46 Meter (2009) auf 5,93 Meter (2010), sie wechselte von der Otto-Hahn-Schule in Nieder-Eschbach auf die sportbetonte Carl-von-Weinberg-Schule (2009) und durfte Mitte August vergangenen Jahres erstmals im Nationaltrikot starten. Beim U18-Länderkampf in Borna, 30 Kilometer südlich von Leipzig, landete Maryse Luzolo bei 5,62 Meter.

Mit ihrer Mutter und zwei Geschwistern lebt sie im Frankfurter Stadtteil Bonames, ihre Trainerin ist beim örtlichen Turn- und Sportverein als Honorarkraft im leichtathletischen Mehrkampf/Sprung für Schüler und Jugendliche tätig. Zwölf Stunden pro Woche. „Die U18-WM war ein großes Ziel von Maryse“, sagt Melanie Zecha. Ihr Staatsexamen für das Lehramt an Grundschulen hat die Sechsundzwanzigjährige bereits abgelegt, derzeit studiert sie Sportwissenschaften. „Bei Maryse ist noch vieles möglich“, sagt sie. Vielleicht schon bei der U18-WM in Lille. Zweitbeste deutsche B-Jugendliche ist Maryse Luzolo bereits.

Neben der U18-WM ist das Europäische Olympische Jugend-Festival (European Youth Olympic Festival - EYOF) das zweite Highlight in diesem Jahr. Vom 24. bis 29. Juli kämpfen insgesamt 23 deutsche Athleten im türkischen Trabzon um die Medaillen. Mit dabei: die HLV-Athleten Julia Gerter und Steffen Trenk.

Julia Gerter (LAZ Gießen) hatte die Arbeit mit ihrem Trainer Philipp Schlesinger in diesem Jahr ganz klar auf die internationalen Meisterschaften ausgerichtet. Als B-Jugendliche wurde sie in der Halle bereits Deutsche Vizemeisterin in der A-Jugend und stellte damit ihr Können unter Beweis. Es war das große Saisonziel, sich international zu qualifizieren - und insofern auch nicht überraschend. Dennoch: Julia Gerter war die eigentliche Topfavoritin auf die U18-WM. Durch eine Verletzung kam sie jedoch erst spät in die Saison. Und schaffte bei ihrem erst zweiten Wettkampf mit 6,14 Metern in Schweinfurt direkt die Qualifikation für die Olympischen „Mini-Spiele“. Jetzt darf sie sich auf ihren ersten großen internationalen Einsatz freuen. „Sowohl Julia als auch Maryse sind sehr, sehr stark im nationalen Vergleich“, sagt HLV-Kadertrainer Markus Oerter. „Sie sind mit das Beste, was wir in Deutschland haben.“

Zum Besten gehört derzeit auch Steffen Trenk von der LG Bad Soden/Sulzbach/Neuenhain. Klammheimlich hat er sich in die nationale Spitze nach vorne gelaufen. Steffen Trenk - ein absoluter Senkrechtstarter. In seinem ersten Jahr im Landeskader hat er es direkt ins internationale Geschäft geschafft. Und dabei verhinderte nur der starke Wind in Schweinfurt die Qualifikation für die U18-WM (48,50 sec.). Der junge Mann, der von Sabine und Christian Müller trainiert wird, lief die 400 Meter in diesem Jahr in 48,61 Sekunden und liegt in Deutschland damit souverän vorne. Zusammen mit Julia Gerter wird nun auch er bei den kleinen Europäischen Jugendspielen die schwarz-rot-goldenen Farben vertreten.

Julia Nestle/Uwe Martin

 


25.06.2011