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Neun Hessen für U23-EM nominiert


Musa Roba-Kinkal (r.), hier zusammen mit Katharina Heinig und Jannik Ernst bei der Halbmarathon-DM in Griesheim, gehört zum U23-Aufgebot des DLV (Foto: Helmut Schaake)

Als der Deutsche Leichtathletik-Verband sein Aufgebot für die U23-Europameisterschaften verkündet hatte, dürften bei den Regionalverantwortlichen in der Frankfurter Otto-Fleck-Schneise Hessen einige Glückshormone in Bewegung gekommen sein. Denn mit neun Athletinnen und Athletinnen stellt der Hessische Leichtathletik-Verband (HLV) bei den Nachwuchstitelkämpfen in Ostrava (14. bis 17. Juli) das zweitgrößte Kontingent hinter dem Landesverband Nordrhein. In der Konkurrenzsituation mit prominenten Klubs wie Bayer Leverkusen und dem TV Wattenscheid hat sich der HLV also gut behauptet. Und zudem nach der U23-EM 2005 das zweitbeste Ergebnis in der Verbandshistorie erreicht. Seinerzeit waren in Erfurt zehn Hessen am Start. Unter anderen die heutige Hammerwurf-Weltrekordhalterin Betty Heidler, die deutsche Hochsprung-Rekordhalterin und WM-Dritte Ariane Friedrich, Sabine Rumpf (EM-Siebte im Diskuswerfen) sowie Julia Hütter im Stabhochsprung. Die Generation danach wird international repräsentiert von Musa Roba-Kinkal (SC Gelnhausen), Felix Göltl (TuS Kriftel), Christiane Klopsch (LG Friedberg-Fauerbach), Jan Felix Knobel, Benjamin Jonas, Niklas Zender, Xenia Atschkinadze, Gabi Wolfarth und Carolin Schäfer (alle LG Eintracht Frankfurt).

Namen, die der breiten Öffentlichkeit kaum geläufig sein dürften. Was ein bisschen ungerecht ist, denn Knobel ist mit 8.288 Punkten derzeit bester deutscher Zehnkämpfer, Christiane Klopsch startete unlängst bei der Team-EM in Stockholm im Nationaltrikot und hält über 400 Meter Hürden mit 57,23 Sekunden die nationale Jahresbestzeit. Roba-Kinkal ist über 5.000 Meter (13:47,77 Minuten) und 10.000 Meter (29:22,02) zweit- und drittbester deutscher Langstreckenläufer. Im 10-Kilometer-Straßenlauf (28:58 Minuten) ist der 21 Jahre alte gebürtige Äthiopier sogar schnellster Deutscher. Roba-Kinkel war als einziger Hesse bereits vor zwei Jahren bei der U23-EM in Kaunas dabei. Elfter wurde er seinerzeit über 5.000 Meter.


Carolin Schäfer (Foto: Iris Hensel)

"Jetzt sehen wir natürlich ein bisschen besser aus", sagt der Leitende Landestrainer Manfred Kehm und schmunzelt. Von einem auf neun Nominierte innerhalb von 48 Monaten - ein wenig mehr Begeisterung dürfte da schon sein, oder? "Ja, natürlich ist derzeit im Top-Nachwuchsbereich ein unglaublicher Schub drin." Rückenwind, der sich in den Tagen von Ostrava auch finanziell niederschlagen dürfte. Denn für die sportlichen Erfolge werden pro Regionalverband sogenannte Länderpunkte vergeben, die über ein kompliziertes Ausschüttungsverfahren vom Bundesministerium des Innern abwärts in die Mittelvergabe der Nachwuchs-Leistungssportförderung beim HLV einfließen. Auch diesen Gedanken hat Kehm im Sinn, wenn er über die U23-EM spricht. Um niemanden unter Druck zu setzen, führt er das Thema aber nicht breitflächig aus. Doch die Erwartungshaltung ergibt sich punktuell schon anhand der europäischen U23-Bestenliste. Dort werden Knobel und Christiane Klopsch als Nummer eins geführt.

Auch die ehemalige U20-Weltmeisterin im Siebenkampf, Carolin Schäfer, hat gute Chancen auf eine vordere Platzierung. Wobei die Frankfurterin die EM-Norm des deutschen Verbandes (5.800 Punkte) im Frühjahr zweimal knapp verpasste, letztlich dann über den europäischen Vergleich ins deutsche Team nominiert wurde. Carolin Schäfer, Knobel, die Hammerwerferin Gabi Wolfarth und Weitspringerin Xenia Atschkinadze - sie alle haben bereits mehr oder weniger komplizierte und langwierige Verletzungen hinter sich. Und sind gestärkt zurückgekommen. Die Belohnung erfolgt in Ostrava, wo sich für Gabi Wolfarth ein besonderer Kreis schließt. Sie hatte die U23-EM vor zwei Jahren verletzungsbedingt verpasst.

Uwe Martin

 


30.06.2011