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Alwin Wagner, der Mann mit der Scheibe


Alwin Wagner, hier im Trikot des USC Mainz (Foto: Gustav Schröder)

Im Vorfeld der Deutschen Meisterschaften am 23./24. Juli im Auestadion setzt hlv.de den mehrteiligen Rückblick in die Leichtathletik-Historie der Region Kassel fort mit den Erfolgen von Alwin Wagner. Fünfmal in Folge - von 1981 bis 1985 - war der Melsunger deutscher Diskusmeister, absolvierte 44 Länderkämpfe für den DLV, stand 1980 in der fiktiven Olympiamannschaft für Moskau und wurde bei den Spielen 1984 in Los Angeles mit 64,72 Metern Sechster. An zwei nationale Meisterschaften kann sich der 60-Jährige besonders gut erinnern. 1978 in Köln ging er als großer Favorit in den Ring. „Im Training hatte ich immer wieder Würfe an der 65-Meter-Marke“, erzählt er. „Doch als es ernst wurde, wollte mir nichts gelingen.“ Zwei Würfe landeten im Vorkampf außerhalb des Sektors, beim dritten verließ ihn die Nervenkraft und die Scheibe schlug bei etwa 45 Metern ein - Aus. Der Titel ging an den Frankfurter Thomas Berlep mit 59,08 Metern.

Die zweiten Titelkämpfe, die ihm noch bestens in Erinnerung sind, fanden 1983 in Bremen statt. Da gewann Wagner mit 64,92 Metern und sicherte sich im Weserstadion endgültig die Fahrkarte zu den ersten Weltmeisterschaften in Helsinki. Dort schied er allerdings in der Qualifikation mit 58,96 Metern aus. Bestens in Erinnerung ist dem Nordhessen auch die immer gute Stimmung in den Stadien. Als Wagner zum Beispiel mit der deutschen Mannschaft 1984 in Los Angeles einmarschierte, jubelten 80.000 Zuschauer den Athleten zu: „Da ist es mir eiskalt den Rücken heruntergelaufen“, weiß er noch heute. „Leichtathletik-Publikum ist sportlich fair, zu den Veranstaltungen gehen zum größten Teil nur Kenner. Deswegen ist die Stimmung auch immer etwas Positives“, sagt Wagner, der übrigens noch heute mit 86,92 Metern den Weltrekord im Schleuderballwurf hält.

Eigentlich hatte Wagner als B-Jugendlicher mit Weitsprung und Sprint begonnen. Weil ihn die anderen frotzelten, er sei als Diskuswerfer ja auch zu dünn, griff er aus Trotz zu der Scheibe, die dann jahrzehntelang sein sportliches Tun bestimmen sollte. Im Sommer 1965 warf Wagner auf der Melsunger Freundschaftsinsel als Jugendlicher genau 18 Meter - dies war der Auftakt zu seiner Diskuskarriere. Und die dauerte bis Juli 2007 bei den Deutschen Seniorenmeisterschaften in Fulda.

Inzwischen kämpft der pensionierte Polizeibeamte auf anderer Ebene - um seine Gesundheit. Eine heimtückische Krankheit machte schon mehrere Operationen und Nachsorgetherapien notwendig. Die ersten deutschen Meisterschaften im Kasseler Auestadion hat er trotz allem fest im Blick. „Wenn meine Gesundheit es zulässt, werde ich im Stadion sein.“

Peter Fritschler

DM Microsite auf leichtathletik.de

 


06.07.2011