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Gold verloren, Silber gewonnen? Heidler ärgert sich


Betty Heidler (Archivfoto: Iris Hensel)

Man konnte diesen Wettkampf drehen und wenden, wie es beliebte - eine Erfolgsgeschichte wurde nicht daraus. Das sah auch die Betroffene so. „Ich ärgere mich schon sehr“, sagte Betty Heidler, nachdem sie bei der WM in Daegu im Hammerwurf mit 76,06 Metern die Silbermedaille hinter der Russin Tatjana Lysenko (77,13) gewonnen hatte. Dritte wurde die Chinesin Wenxiu Zhang (75,03). Doch wer als Weltrekordhalterin (79,42) anreist und zudem die alles überragende Athletin der Saison ist, kann eine Silbemedaille eben nicht als Gewinn deklarieren. „Ich kann mich nicht wirklich freuen“, sagte Heidler. „Ich bin überhaupt nicht zufrieden.“ Wolf-Dieter Poschmann, der den Wettkampf im Daegu Stadium für das ZDF live kommentierte, sah es zwar anders (Nein, nicht Gold verloren, sondern Silber gewonnen ...), aber weder die 27-jährige Frankfurterin noch Heim- und Bundestrainer Michael Deyhle schloss sich dieser Einschätzung an: „Wir haben Gold verloren. Ich weiß, was Betty kann.“

Ansatzweise gezeigt hat es die Europameisterin aber nur in ihrem fünften Versuch, ihrem letztlich besten. Kathrin Klaas, die zweite Frankfurterin im Hammerwurf-Finale, kam gesundheitlich leicht angeschlagen auf den siebten Platz mit 71,89 Meter. Auch Klaas, vor zwei Jahren in Berlin WM-Vierte, hatte sich natürlich mehr erhofft bei der WM 2011. „Aber ich habe keinen einzigen Wurf richtig getroffen. Das Gefühl war nicht da.“ Wie auch bei Heidler. Hinzu kamen leichte technische Unsicherheiten. Bereits ihr erster Versuch ging ins Netz, und auch später funktionierte das Zusammenwirken von Oberkörper und Beinen nicht wie gewünscht. Ganz im Gegensatz zur früheren Dopingsünderin Lysenko. Die Russin legte gleich zu Beginn 76,80 Meter vor, steigerte sich anschließend auf 77,09 und 77,13 Meter. „Ich habe Silber noch gerettet“, sagte Heidler nach insgesamt drei ungültigen Versuchen und ärgerte sich: „Beim Saisonhöhepunkt so ein Ergebnis abzuliefern …“ Mehr war am Abschlusstag der WM nicht drin für die Goldfavoritin. Wobei Deyhle die neue Weltmeisterin Lysenko durchaus auf der Rechnung hatte.

„Hammerwerferin Heidler verpasst Gold“, titelte spiegel.de. Und Deyhle rätselte, woran es gelegen haben könnte. „Es war nicht das, was sie m Training gezeigt hat. Es müssen wieder die Nerven eine Rolle gespielt haben. Ich kann mir aber nicht erklären, warum.“ Dass die Weltrekordhalterin aus Frankfurt die siebte und letzte Medaille für das deutsche Team geholt hatte, war da nur ein schwacher Trost. Es sei ein schwieriger Wettkampf gewesen, sagte Heidler abschließend. Und nein, die Nerven seien es nicht gewesen. „Es war nur eine Konzentrationssache.“

Uwe Martin

 


04.09.2011