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Auf dem Weg zum Comeback: Ariane Friedrich
will "sehr hart kämpfen"


Ariane Friedrich mit Leichtathletik-Nachwuchs in Langenselbold (Foto: Robert Hartel)

Kein, Bild, kein Ton, der Fernseher blieb ausgeschaltet am Samstagmittag im Hause Friedrich. Dabei flimmerte in der ARD und bei Eurosport durchaus Interessantes über den Schirm. Leichtathletik-WM in Daegu, Südkorea, wo der Saarbrücker Matthias de Zordo überraschend die Goldmedaille im Speerwerfen gewann, zum Schluss gab’s endlich die Bolt-Show mit dem Sieg des jamaikanischen Road Runners über 200 Meter. Und natürlich den Hochsprung-Wettkampf der Frauen. Doch genau darauf hatte Ariane Friedrich dankend verzichtet. „Man muss sich ja nicht noch mehr quälen.“ Das Daegu Stadium hätte in diesem Jahr auch ihre große Bühne werden sollen, doch der Traum vom großen Sprung war schon kurz vor Weihnachten 2010 beendet. Achillessehnenriss im linken Fuß, Operation, Rehabilitation. Die 27-jährige deutsche Rekordhalterin (2,06 Meter), WM-Dritte (2009), EM-Dritte (2010) und Hallen-Europameisterin (2009) ist längst wieder auf den Beinen, doch wie die Russin Anna Chicherova (2,03), Blanka Vlasic aus Kroatien (2,03) und die Italienerin Antonietta di Martino (2,00) sich die Medaillen aufteilten; nein, das musste die Athletin von der LG Eintracht Frankfurt nicht sehen.

Komplett ausgeblendet vom 8.000 Kilometer entfernten Geschehen hat sie sich aber nicht. Das Fachportal leichtathletik.de lieferte ihr täglich alles Wissenswerte, und am vergangenen Freitag blieb Ariane Friedrich beim ZDF hängen. Und sah den Sensationssieg von Kugelstoßer David Storl und das tränenreiche Scheitern ihrer Freundin Christina Obergföll im Speerwerfen. Doch allzu nah heranlassen an sich wollte sie die Ereignisse in Daegu ganz bewusst nicht. Trainer und Manager Günter Eisinger schon eher. Er hat so ziemlich alles gesehen, auch den Lauf der 19-jährigen Gesa Krause zum neunten Platz über 3.000 Meter Hindernis, zum U20-Europarekord. „Das war sensationell und aus Frankfurter Sicht ein unglaubliches Highlight.“ Ansonsten ist das Duo in den WM-Tagen damit beschäftigt gewesen, Ariane Friedrich wieder sprungfähig zu machen. Also zu trainieren. „Über die Sehne sprechen wir schon seit fast zwei Monaten nicht mehr“, sagt Ariane Friedrich.

Die Achillessehne - sie hält. Und ist belastungsfähig. Auch vor neun Tagen bei einem ungewöhnlichen Wettkampftest über 800 Meter (2:20,11 Minuten). „Sie ist nicht dick oder heiß geworden“, sagt Ariane Friedrich. Nichts hat sie in den zurückliegenden Monaten so gehasst wie die Fragen nach der Befindlichkeit der gerissenen Sehne, diese ewigen Wasserstandsmeldungen nach den gesundheitlichen Fortschritten. Der Zweirundenlauf bei den Kreismeisterschaften Offenbach/Hanau in Langenselbold war das ultimative Signal an alle: Es geht wieder, auch im Wettkampf über eine Distanz, die sie schon als Kind fasziniert hat. „Aufgrund der Situation, die ich sehe, bin ich unglaublich optimistisch“, sagt Eisinger.


Jubelnd, so wollen die Fans Ariane Friedrich demnächst wieder sehen (Foto: IRIS)

Ariane Friedrich ist zurück. Mit Kraftwerten, die so gut sind wie vor ihrer schweren Verletzung, sie trainiert längere und kürze Läufe, absolviert in der Commerzbank-Arena seit fünf Wochen wieder Treppensprünge. „Das war richtig cool, als ich das zum ersten Mal wieder gemacht habe.“ Basisarbeit auf hohem Niveau. Nur mit ihrer eigentlichen Profession, dem Hochsprung, lässt sie sich Zeit. Prognosen über den ersten Wettkampf gibt Eisinger aus guten Gründen deshalb nicht ab. Nur soviel: „Ariane wird hart, sehr hart kämpfen.“ Um London, um die Olympischen Spiele 2012. Ihr Ehrgeiz ist bekannt, nur Dabeisein nicht der Anspruch. Sondern eine Medaille.
Noch gibt es Defizite, etwa in der Spritzigkeit und bei der speziellen Fußkräftigung; und wie sich der erste Anlauf und der erste Flug über die Latte anfühlen werden, weiß ohnehin niemand. Gestern ist Ariane Friedrich schon einmal abgehoben, allerdings nur mit dem Flugzeug in den Amerika-Urlaub. Der Beginn des Wintertrainings wurde auf den 19. September terminiert. Dann folgen die letzten Schritte auf dem Weg zum Comeback. „Im November sehen wir, wohin es geht“, sagt Eisinger.

Uwe Martin

 


05.09.2011