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Martin Günther vor (Trainings-)Comeback


Martin Günther (Foto: Iris Hensel)

Dem hessischen Spitzen-Hochsprung steht ein zweites Comeback bevor. Denn neben der deutschen Rekordhalterin Ariane Friedrich, die am 28. Januar beim Meeting in Hustopece (Tschechische Republik) in die olympische Saison starten wird, ist auch ihr Vereinskollege Martin Günther von der LG Eintracht Frankfurt bereit zur Rückkehr. „Wir testen in dieser Woche die Kurve an, Martin wird mit fünf Schritten Anlauf locker springen“, sagt Trainer Philipp Schlesinger. Erstmals seit seinem Riss der linken Achillessehne am 22. Februar vergangenen Jahres, der Operation in der BG-Unfallklinik, drei Monaten in einem Plastikschuh, Rehabilitation auf dem Fahrrad und Aufbautraining. Sein bislang höchster Sprung war dem 25-jährigen Günther Ende Februar 2010 gelungen, als deutscher Hallenmeister hatte er sich mit 2,30 Meter in der Weltklasse eingefunden. In der allgemeinen Aufregung um Ariane Friedrich ist die Rückkehr von Günther beinahe zu einem Randereignis geschrumpft. Dabei zeigte sich unlängst bei den hessischen Hallenmeisterschaften in Hanau, wie groß die Lücke ist, die er hinterlassen hat. Den Titel holte sich Marco Wühler (TG Rimbach) mit 1,96 Meter; darunter ging es in einen Bereich, der nur bedingt mit ambitioniertem Leistungssport zu tun hat.

„Es gibt keinen Grund, warum Martin nicht wieder hoch springen sollte“, sagt Schlesinger. Die sogenannten Zubringerleistungen, also Kraft-, Schnelligkeits- und Sprungkraftwerte, seien besser als vor der schweren Verletzung. Ob Günther in der Hallensaison noch Wettkämpfe absolvieren wird, ist offen, der Fokus liegt ohnehin auf dem Sommer. „Dieses Jahr sind Olympische Spiele, daran möchte ich teilnehmen. Und für die Qualifikation muss ich 2,31 Meter springen“, hat Günther unlängst gesagt. 2,31 Meter - das wäre persönlicher Rekord. Dass der ehrgeizige Athlet wieder bei bester Gesundheit in die Hochsprungszene zurückkehren wird, ist für Schlesinger nicht die Frage, sondern: „Wie hoch wird er in seiner weiteren Karriere noch springen?“ Seinen sportlichen Lebenstraum, einen Sprung über 2,36 Meter, hat Günther jedenfalls nicht abgeschrieben. Wobei es zwischen ihm und Ariane Friedrich bezüglich der mittlerweile komplett ausgeheilten Verletzungen einen gravierenden Unterschied gibt: Bei Günther wie bei Ariane Friedrich war die linke Achillessehne gerissen; er springt jedoch mit dem rechten Bein ab, sie mit links. „Wir müssen jetzt sehen, dass wir die Form auch an die Anlage bringen“, sagt Schlesinger. Und sollte es mit Wettkämpfen im Winter nichts werden, sei dies kein Drama. „Wir sind nicht auf die Halle angewiesen“, meint Schlesinger. Und Günther betont, dass es 2012 nur um zwei Ziele geht: die Europameisterschaft und die Olympischen Spiele in London.

Inwieweit sein linker Fuß, der sich aufgrund der ungewohnten Belastung zu Beginn des Wintertrainings entzündet hatte, wieder voll belastbar ist, wird sich in den nächsten Tagen zeigen. Auf der Hochsprungmatte, nach Anlauf, Absprung und Lattenüberquerung. „Durch dieses Nadelöhr müssen wir noch durch“, sagt Schlesinger.

Uwe Martin

 


16.01.2012