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Maryse Luzolo springt der Konkurrenz davon


Maryse Luzolo, umgeben von vielen Trainer/innen (Foto: Heller)

Es war ein weiter Satz, ein ganz weiter. Mit Abstand nach ganz vorne in der deutschen U18-Hallenbestenliste. 6,32 Meter. Maryse Luzolo von der LG Eintracht Frankfurt verbesserte damit ihren persönlichen Rekord aus dem vergangenen Sommer um neun Zentimeter. Sechskommadreizwei mit 16 Jahren - das ist nicht irgendeine Zahlenkombination, sondern bedeutet auch die nationale Spitzenposition in der Altersklasse U20. „Es hatte sich im Training angedeutet, letztlich war die Weite aber doch eine Überraschung“, sagt Trainerin Melanie Zecha. So früh in der Hallensaison, einige Wochen vor den deutschen Jugendmeisterschaften in Sindelfingen, dem wichtigsten Wettkampf im Winter. Die Leistungsentwicklung der womöglich hoffnungsvollsten Weitspringerin mit deutschem Pass geht also kontinuierlich weiter. Von 5,46 Meter (2009) über 5,93 Meter (2010), 6,23 Meter (2011) auf bislang 6,32 Meter.

Und es gibt nicht wenige Experten, die der jungen Leichtathletin ein kurzfristiges Potential von etwa 6,50 Meter zubilligen. Das wäre dann nicht mehr weit entfernt von der nationalen Hallenbestleistung, die Heike Daute aus Jena vor 31 Jahren mit 6,58 Meter aufgestellt hat. Doch daran denken weder Melanie Zecha noch Maryse Luzolo. „Es geht darum, Weiten über sechs Meter zu stabilisieren“, sagt die Trainerin. Das nächste Mal bei den süddeutschen Titelkämpfen am nächsten Wochenende. Maryse Luzolo ist (noch) schneller geworden, sie hat bessere Kraft- und Sprungkraftwerte als im vergangenen Sommer. Seinerzeit war sie Vierte der U18-Weltmeisterschaft geworden und galt längst als ganz großes Talent. Und neben ihrer Nervenstärke, bei den U18-Hessenmeisterschaften im Sportzentrum Frankfurt-Kalbach trat sie zunächst zweimal über und sprang dann im dritten Versuch mit 6,16 Meter sowie im sechsten Durchgang mit 6,32 Meter jeweils persönlichen Hallenrekord, ist sie seit einigen Monaten auch vielseitig unterwegs. Mit 8,64 Sekunden über 60 Meter Hürden ist die frühere Mehrkämpferin derzeit bundesweit die Nummer drei. „Das Hürdenlaufen macht ihr wieder Spaß, zudem fördert es das Rhythmusgefühl für den Weitsprung“, sagt Melanie Zecha. Apropos Rhythmusgefühl. Maryse Luzolo hat sich für den Absprung mit dem linken Bein entschieden, Weiten um sechs Meter könnte sie aber auch mit rechts erreichen. Da ist es beinahe folgerichtig, dass Fachleute ihr im Dreisprung eine noch erfolgversprechendere Karriere zutrauen.

Der Dreisprung ist aufgrund der extremen Gelenkbelastungen ein sensibles Thema in der Nachwuchs-Leichtathletik, auch in Hessen. „Diese Disziplin muss in Ruhe aufgebaut werden“, sagt D-Kadertrainer Markus Oerter, zuständig für den Weit- und Dreisprung. Melanie Zecha bezeichnet den Dreisprung als „Option“, aktuell sei dies „kein Thema“. Eher schon die förderliche Zusammenarbeit zwischen Schule und Verband. Dominic Ullrich deckt als Lehrer-Trainer in der sportbetonten Carl-von-Weinberg-Schule viel athletisches Übungsprogramm ab, für die Technik ist Oerter einmal pro Woche zuständig, Entdeckerin Melanie Zecha fördert das große Ganze. Im März wird Maryse Luzolo, die Tochter kongolesischer Eltern, 17 Jahre alt, und obgleich sie ihrer Zeit leistungsmäßig weit voraus ist, hat ihre Karriere gerade erst begonnen. Im Sommer ist die U20-Weltmeisterschaft ausgeschrieben, eine Teilnahme wäre schön, ist aber kein Muss. „In den älteren Jahrgängen ist die deutsche Konkurrenz sehr stark. Aber Maryse wird an den Qualifikationswettkämpfen teilnehmen“, meint Melanie Zecha zurückhaltend.

Uwe Martin

 


26.01.2012