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D2-Lehrgang - wie werde ich Leistungssportler?


Die Teilnehmer des D2-Kaderlehrgangs (Foto: Schmidt)

Bereits zum dritten Mal hatte der Hessische Leichtathletik-Verband (HLV) zum D2-Kaderlehrgang ins Sportzentrum Frankfurt-Kalbach geladen. Und die Resonanz war durchweg positiv. Vorher und nachher. Von 40 Kaderathletinnen und -athleten, die quasi auf Probe der D2-Förderstufe angehören, nahmen knapp 25 teil. Hinzu kamen zahlreiche Eltern und Heimtrainer, so dass sich eine große Gruppe der übergreifenden Fragestellung „Was ist entscheidend, wenn ich Leistungssportler werden möchte - was ist Leistungssport überhaupt?“ annahm. Disziplinübergreifend ging es dabei um die Koordination von Sport und Alltag, Unterpunkte waren das persönliche Umfeld mit Familie und Freunden, Schule, Freizeit, Trainer, Saison- und Wettkampfplanung, sportmedizinische Betreuung, Belastung und Erholung, Ernährungsverhalten. „Unser Ziel war es, dass individuell über mögliche Stellschrauben nachgedacht wird“, sagt Georg Schmidt, D2-Sportkoordinator Sprint, Lauf und Hürden im HLV. Und darüber wurde reichlich gegrübelt von den 15- und 16-jährigen Athletinnen und -Athleten.

Wie der Weg aussehen kann vom D2-Kaderathleten in die internationale Spitze, verdeutlichen aktuell Sara Gambetta (U20-Vize-Europameisterin im Siebenkampf), Steffen Trenk (400 Meter) und Julia Gerter (Weitsprung), die jeweils Zweite wurden beim Europäischen Olympischen Jugend-Festival 2011 in der Türkei. Trenk und Gerter waren selbst vor Ort und konnten - altersmäßig nicht allzu weit entfernt - den Nachwuchskräften im Frage-Antwort-Spiel viele direkte Tipps und Hinweise aus ihrer unmittelbaren Vergangenheit geben. „In dieser Altersklasse gibt es kaum jemanden, der im Alleingang gewinnen kann“, sagt der Leitende Landestrainer Manfred Kehm. Soll heißen: Sportliche Einzelkämpfer sind nicht gefragt, sondern junge Athleten, die ihre Familie einbeziehen, beispielsweise in die Saisonplanung. Das betrifft Wettkämpfe, Trainingslager und Ferien, aber auch die Abstimmung mit Klassenfahrten und Klausurphasen in der Schule. „Es sollten klare Abfolgen und Prioritäten festgelegt werden“, sagt Schmidt. „Und diese müssen allen Beteiligten bekannt sein und akzeptiert werden.“

Ein ganz wichtiger Aspekt ist zudem der direkte, offene und ehrliche Austausch zwischen Trainer und Athlet, um kontinuierliche Fortschritte zu erreichen. Und nicht zuletzt ist die medizinische Betreuung entscheidend - hier ist die Konsultation von Spezialisten immer dem Besuch des Hausarztes vorzuziehen. Dass am Abend vor dem Wettkampf keine Party angeraten ist, ebenso wenig wie ausgiebige Schwimmbad-Besuche in der Woche vor einem wichtigen Wettkampf, sollte bei etwas älteren Athleten zum Allgemeinwissen gehören. Auch hierauf wurde nochmals explizit hingewiesen.

Im zweiten Teil der „sehr lohnenden Maßnahme“ (Kehm) informierte Philipp Schlesinger (Landestrainer Sprung/Mehrkampf) in Theorie und Praxis über Krafttraining im Nachwuchsbereich. Ein Themenkomplex, der nach wie vor viel Aufklärungsarbeit erfordert und deshalb ausführlich behandelt wurde. Ein paar Stichworte aus dem theoretischen Teil: Kraft - wofür trainiere ich das überhaupt und warum sollte ich das trainieren? Grundlagen des Maximalkrafttrainings mit Begriffsbestimmung und Dimensionen des Kraftverhaltens (Maximalkraft, Schnellkraft), Maximalkraft und Bewegungsschnelligkeit, Vorbereitung auf hochdynamische Belastungen, Inhalt und Methodik des Krafttrainings (Kniebeuge, Reißen, Umsetzen und Stoßen).

Uwe Martin

 


14.02.2012