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Hallen-DM: Fünf Trümpfe in Karlsruhe


Christiane Klopsch (Foto: Iris Hensel)

Ariane Friedrich hat im gefragtesten Social-Media-Netzwerk mal wieder einen lustigen Beitrag und ein buntes Foto gepostet. Recht ausführlich beschreibt die Achtundzwanzigjährige, wie „irgendwo in Darmstadt“ um 10.40 Uhr der Postbote geklingelt und zwei Päckchen von ihrem Sportartikelsponsor angeliefert hat. Woraufhin sich die deutsche Hochsprung-Rekordhalterin „mehr als ein Loch in den Bauch gefreut“ hat. Die Stimmung ist also bestens vor den nationalen Hallenmeisterschaften, die an diesem Wochenende in Karlsruhe stattfinden. „Ich hoffe, dass sie so springen kann, wie wir es uns wünschen und erhoffen“, sagt ihr Trainer Günter Eisinger. Es ist der vierte und letzte Hallenwettkampf von Ariane Friedrich in ihrem Comeback-Winter, es bleibt bei dem vor einigen Wochen avisierten Terminplan. Weitere Höhenflüge folgen dann erst wieder im Sommer. Unabhängig davon, ob sie die Normhöhe für die Hallen-WM in Istanbul (1,93 Meter) noch überquert.

Wobei sich eine andere Meisterschaftssituation darstellt als vor ihrem Achillessehnenriss im Dezember 2010: Ariane Friedrich, die bislang zehn deutsche Meistertitel gewonnen hat (fünf in der Halle, fünfmal Freiluft) führt nämlich nicht die deutsche Bestenliste an. Sondern Nadja Kampschulte vom TV Wattenscheid, 19 Jahre jung, mit 1,91 Meter. Im Kampf um den Sieg hat Eisinger auch Titelverteidigerin Marie-Laurence Jungfleisch (LAZ Salamander Kornwestheim/Ludwigsburg/1,88 Meter) im Sinn: „Es ist derzeit bestimmt nicht so, dass Ariane konkurrenzlos glücklich ist. Karlsruhe wird kein Selbstläufer.“ 1,84 Meter, 1,85 Meter, 1,90 Meter - Ariane Friedrich hat sich langsam herangetastet an Leistungen, die ihrem Erwartungshorizont entsprechen. Und wenn Eisinger von „einer richtig schönen Höhe“ spricht, meint er damit 1,93 bis 1,95 Meter. „Für mich zählt jeder Zentimeter. Sie muss wieder das Gefühl für hohe Sprünge bekommen.“ Sollte seine Athletin die Meisterschaft nicht gewinnen, na ja, „mit 1,93 Meter Zweite zu werden wäre für mich auch okay“. Dass Ariane Friedrich bei einer deutschen Meisterschaft nicht ganz oben auf dem Podest stand, ist ohnehin eine halbe Ewigkeit her. Im Sommer 2006 wurde sie in Ulm Dritte mit 1,84 Meter. An Karlsruhe, genauer die Europahalle, hat sie wesentlich bessere Erinnerungen. Hier sprang sie vor drei Jahren deutschen Hallenrekord (2,05 Meter), hier floppte sie am vorvergangenen Sonntag über 1,90 Meter.

Die Hochspringerin von der LG Eintracht Frankfurt ist eine Titelhoffnung des Hessischen Leichtathletik-Verbandes (HLV), die anderen heißen Gesa Krause und Christiane Klopsch. Die Frankfurterin Gesa Krause führt die Hallenbestenliste über 3.000 Meter an (9:01,16 Minuten), und hinter der WM-Neunten über 3.000 Meter Hindernis sowie Corinna Harrer (LG Regensburg/9:02,64) klafft eine recht große Lücke. Mit großen Chancen reist auch die deutsche 400-Meter-Hürdenmeisterin Christiane Klopsch (LG Ovag Friedberg-Fauerbach) nach Karlsruhe und versucht sich dort über die Flachdistanz von zwei Hallenrunden an einem neuen Meisterstück. Die Hallenbeste Esther Cremer vom TV Wattenscheid ist bislang 53,73 Sekunden gelaufen, die Langhürdenspezialistin aus Hessen 54,15 Sekunden. „Wir haben 3 plus ein kleines x Kandidaten für Plätze eins bis drei“, sagt der Leitende HLV-Landestrainer, Manfred Kehm. Das kleine x steht für Julia Hütter von der LG Eintracht Frankfurt im Stabhochsprung, die sich weiterhin Hoffnung macht, die Hallen-WM-Norm von 4,52 Meter noch zu überfliegen. Wobei die Normerfüllung alleine womöglich nicht reichen dürfte, um sich für Saisonhöhepunkt mit Überdachung zu qualifizieren. Die Konkurrenzsituation im deutschen Frauen-Stabhochsprung ist bekanntlich extrem hoch.

Offen ist, ob der zweimalige deutsche Jugend-Hallenmeister Homiyu Tesfaye (LG Eintracht Frankfurt) in Karlsruhe an den Start gehen wird. Im nationalen Nachwuchsbereich lieferte der Deutsch-Äthiopier vor wenigen Tagen über 1.500 und 3.000 Meter zwei Belege seiner Extraklasse - und auch im Männerbereich ist er mit seiner Hallenbestzeit von 3:46,42 Minuten ganz weit vorne zu finden. Auf Rang zwei hinter dem 13 Jahre älteren Carsten Schlangen (LG Nord Berlin/3:40,41). „Seine stabile Physis erlaubt eine Teilnahme ganz sicher. Und für weitere Wettkampfhärte, zum taktischen Lernen und grundsätzlich zum Erfahrung sammeln wäre es auch nicht verkehrt“, sagt Kehm. Friedrich, Krause, Klopsch, Hütter, Tesfaye - im besten Fall stechen fünf hessische Trümpfe in Karlsruhe. Qualifiziert haben sich für die Hallen-DM insgesamt 15 Athleten aus acht hessischen Vereinen.

Uwe Martin

 


23.02.2012