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Halbmarathon-DM in Griesheim: Simret Restle-Apel überrascht mit dem Titelgewinn


Simret Restle-Apel (Foto: Thomas Zöller)

Es gab viele besser gelaunte Menschen im Zielbereich als Musa Roba-Kinkal. Etwa den Wahl-Frankfurter Sören Kah, der das Trikot des etwas ominös klingenden Klubs LG Lahn-Aar-Esterau in Rheinland-Pfalz trägt und in persönlicher Bestzeit (1:05:28 Stunden) bei den deutschen Halbmarathon-Meisterschaften in Griesheim auf Rang zwei lief. Oder Katharina Heinig von der LG Eintracht Frankfurt, der 22-Jährigen gelang nach fast einem Jahr Verletzungspause mit Rang drei (1:15:49) ein furioses Comeback. Und natürlich Simret Restle-Apel Grün-Weiß Kassel). Die neue deutsche Meisterin lief ein perfektes Rennen und gewann souverän. Mit 1:12:57 Stunden hatte sie fast eine Minute Vorsprung vor der enttäuschten Favoritin Susanne Hahn (Saarbrücken/1:13:45). Als Favorit war auch Roba-Kinkal ins Rennen gegangen, doch für den Vorjahreszweiten vom Sportclub Gelnhausen waren die 21,1 Kilometer alles andere als ein Spaß. Alleine gelassen fühlte er sich bei der Tempoarbeit, „ich hatte das Gefühl, dass keiner eine schnelle Zeit laufen wollte“.

Roba-Kinkal war richtig sauer. Bei seinem Halbmarathon-Debüt zwölf Monate zuvor an gleicher Stätte hatte ihm André Pollmächer (Düsseldorf) den Titel weggeschnappt, 1:04:30 Stunden war er seinerzeit unterwegs gewesen. Am Sonntag enteilte ihm bei Kilometer 15 der spätere Meister Stefan Koch (TuSEM Essen/1:05:22). Und dass auch der spätberufene Hochleistungsläufer Kah schneller gewesen ist, muss eine besondere Schmach gewesen sein für Roba-Kinkal, der als Dritter 1:06:05 Stunden benötigte. In dem taktischen Rennen musste er in der Schlussphase, gequält von Seitenstichen, beide Konkurrenten ziehen lassen. „Laufen macht nur Spaß, wenn man auf Zeit läuft“, sagte der 22-Jährige. In letzter Konsequenz fühlte er sich „unfair behandelt“. Wobei er einräumte, dass natürlich jeder seinen Wettkampf nach Gutdünken gestalten könne.

Nur für wenige Spitzenathleten, wie den mittlerweile viermaligen deutschen Halbmarathonmeister Koch, waren die Titelkämpfe in Griesheim ein akribisch geplanter Saisonhöhepunkt. Für andere beginnt die olympische Saison nun erst richtig. Etwa für Katharina Heinig, die am 6. Mai beim Hannover-Marathon mit großen Ambitionen an den Start gehen wird. „Mein Ziel ist eine Zeit unter 2:35 Stunden“, sagte die Tochter der 1988er-Olympiadritten Katrin Dörre-Heinig. Vor einem Jahr hatte sich Katharina Heinig in Hannover auf 2:42:10 Stunden verbessert - und die letzten Kilometer mit einem Ermüdungsbruch im Wadenbein absolviert. Kah ist bereits am 29. April beim Hamburg-Marathon dabei. Bei einer angestrebten Zielzeit von 2:15 Stunden reicht es wie bei Katharina Heinig nicht für Olympia in London, aber für den endgültigen Sprung in die nationale Spitze.


Die Männerspitze unterwegs in Griesheim (Foto: Zöller)

Simret Restle-Apel konzentriert sich im Sommer auf die Bahnsaison. Über 10.000 Meter möchte sich die gebürtige Eritreerin für die Europameisterschaften qualifizieren, hierfür müsste sie sich um 15 Sekunden auf eine Zeit unter 32:50 Minuten verbessern. Perspektivisch führt aber auch der Weg der knapp 28-Jährigen zum Marathon. Vielleicht schon im (Spät-)Herbst. Abhängig davon, ob sie an den Olympischen Spiele teilnimmt. Ihre Premiere wird aber bei einem „kleinen Marathon“ stattfinden, wie Trainer Winfried Aufenanger sagte. Ohne medialen Rummel vorher und nachher. „Und eine Zeit um 2:40 Stunden würde ausreichen.“

Den zweiten Titel gewann Simret Restle-Apel mit der Mannschaft von Grün-Weiß Kassel. Silke Optekamp (1:17:55) und Stefanie Wiesmar (1:22:16) komplettierten das Erfolgstrio aus Nordhessen. Auf den zweiten Platz lief die LG Eintracht Frankfurt mit Katharina Heinig, Katrin Dörre-Heinig (1:20:41) und Natascha Schmitt (1:21:06). Und noch ein Titel ging nach Hessen: Homiyu Tesfaye (LG Eintracht Frankfurt/1:07:17) war schnellster U23-Junior - damit gewann der gebürtige Äthiopier seine vierte deutsche Meisterschaft nach den Hallentiteln über 1.500 und 3.000 Meter (Jugend) sowie 1.500 Meter (Aktive). Flott unterwegs im Juniorenrennen war auch Jannik Ernst (TV Waldstraße Wiesbaden) als Vierter in 1:10:16 Stunden.

Uwe Martin

 


15.04.2012