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Werfer-Cup in Wiesbaden mit Top-Besetzung


Robert Harting (Foto: Iris Hensel)

Viele Meetings auf internationalem Niveau hat Hessen nicht zu bieten - der Werfer-Cup in Wiesbaden gehört aber seit 17 Jahren dazu. Auf der Segelwiese im Stadion an der Berliner Straße (heute Helmut-Schön-Sportpark) schleuderten einst Lars Riedel (71,50 Meter/1997) sowie Franka Dietzsch (69,51/1999) ihre Scheiben auf die noch immer gültigen Platzrekorde. Die stets rekordverdächtige Anlage musste vor einigen Jahren dem Bau der Brita-Arena weichen. Insofern sind die jüngsten Leistungen in dem neuen „Wurfkäfig“ nur bedingt vergleichbar, unabhängig von den handelnden Personen. Für einen Paukenschlag sorgte 2010 die spätere WM-Zweite Nadine Müller (Hallesche LF) mit 67,78 Meter, am 18. März 2012 verbesserte die 26-Jährige ihre Bestleistung beim Winterwurf-Europacup in Bar (Montenegro) auf 68,89 Meter und führt damit die aktuelle Weltjahresbestenliste an. Soweit wie Nadine Müller hat seit acht Jahren keine Frau mehr den Diskus geworfen. Dass diese Leistung lediglich Rang 11 bedeutet in der ewigen deutschen Bestenliste, die von Werferinnen dominiert wird, denen das DDR-Staatsdoping nicht fremd gewesen sein dürfte, ist bitter genug.

Der 17. Werfer-Cup am Samstag, 12. Mai, steht im Zeichen der Olympischen Spiele in London, der Europameisterschaft in Helsinki sowie der Junioren-WM in Barcelona. Und traditionell sind die Wettkämpfe in Wiesbaden nicht nur der Saisonauftakt für fast alle Teilnehmer, sondern auch ein wichtiger Qualifikationswettkampf für die drei genannten Top-Events. „Weltklasseleistungen sind in Wiesbaden beinahe eine Selbstverständlichkeit“, sagt Peter Schulte, Vorsitzender des Veranstalters Wiesbadener Leichtathletik-Verein (WLV).


Nadine Müller (Foto: Iris Hensel)

Hierfür sollen in erster Linie Doppel-Weltmeister Robert Harting (Berlin), Nadine Müller und die chinesische Delegation mit Weltmeisterin Yangfeng Li sowie der WM-Sechsten Jiang Tan sorgen. Im Kampf um die Qualifikation für Olympia und EM wollen auch Sabine Rumpf und Julia Bremser (beide LSG Goldener Grund) ein gewichtiges Wort sprechen. Ein erstes Training vor Ort hat der Cheftrainer der chinesischen Werferinnen, Karlheinz Steinmetz aus Dieburg, am Donnerstag um 15 Uhr angesetzt. Am Freitag um 14 Uhr ist ein Empfang bei Oberbürgermeister Helmut Müller im Rathaus angesetzt.

Nach seiner Patellasehnenoperation im Oktober 2011 greift der 27-jährige Harting in Wiesbaden wieder an, der Berliner ist mit Coach Werner Goldmann gerade aus einem Trainingslager in Albufeira (Portugal) zurückgekehrt. Mit Schmerzen im operierten Knie. „Nach einer anfänglichen Euphorie ist Nüchternheit eingetreten. Ich hatte des Öfteren Probleme und unerwartete Situationen, die nahe an der Kapitulation waren“, so Harting. Die Behandlung seines lädierten Knies sei vielversprechend, aber: „Schmerzmittel halten mich auf Kurs. Solange meine Leber keine exorbitanten Werte aufweist, geht es weiter.“ In der F.A.Z. wurde der extrovertierte Werfer für diese Aussage ad hoc mit einem Kommentar bedacht. „Harting ist Erfolg zu wünschen. Wertvoller als die ersehnte gold-glänzende Auszeichnung am Bande in London aber wäre auf Dauer ein gesundes Knie. Wer aber würde Harting auf die Schulter klopfen, wenn er auf seine Gesundheit achtete?“, schreibt Anno Hecker. Nadine Müller reist mit Trainer René Sack quasi direkt aus Zypern an, ebenso Martin Wierig, Markus Münch und Gordon Wolf mit Bundestrainer Jürgen Schult.

Der A-Wettkampf der Frauen beginnt um 15.30 Uhr, die besten Männer steigen um 16.30 Uhr in den Ring. Bereits um 11.30 Uhr (Frauen) und 12.30 Uhr (Männer) kämpft der U20-Nachwuchs um die WM-Norm für Barcelona. Mit Anna Rüh (Neubrandenburg), die sich auch Olympiachancen ausrechnet, und Shanice Craft (Mannheim) werden potentielle Medaillenkandidatinnen ihre Ambitionen unterstreichen. Seit Beginn des Meetings 1995 hat sich der WLV die Förderung des Nachwuchses zum Ziel gesetzt und vereint beim Werfer-Cup die Protagonisten der erfolgreichsten DLV-Disziplin mit hoffnungsvollem Nachwuchs.

Uwe Martin

 


09.05.2012