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Weltklasseweiten für 16.000 Euro


Robert Harting (Foto: Christiane Mader)

Meeting-Direktor Peter Schulte machte einen erschöpften Eindruck. Eine Stunde war vorüber seit dem letzten Wurf, doch Ruhe fand der 65-Jährige nicht. Es blieb kaum Zeit, sich zu freuen. Über die Jahresweltbestleistung (68,52 Meter) des Berliner Doppelweltmeisters Robert Harting, die hochklassigen 67,84 Meter von Weltmeisterin Yangfeng Li (China) und die 64,45 Meter ihrer Landsfrau Jiang Tan. Nicht zu vergessen die Olympianormen des Magdeburgers Martin Wierig g(66,01) und von Julia Fischer (Berlin/64,22). Dass sich die 18-jährige Anna Rüh (Neubrandenburg) auf 61,52 Meter verbesserte, geriet angesichts der Weltklasseresultate beinahe in Vergessenheit. Der Werfer-Cup in Wiesbaden hat Tradition, bereits zum 17. Mal versammelten sich dort (inter)nationale Diskus-Stars. Früher auf der legendären Nebenplatz-Segelwiese im Stadion an der Berliner Straße, das heute Helmut-Schön-Sportpark heißt. Der aktuelle Werferplatz befindet sich unterhalb einer Tankstelle. Das Ambiente früherer Jahre ist weg - geblieben ist jede Menge Arbeit für Schulte und sein Team von 40 bis 50 ehrenamtlichen Helfern.

Doch wie finanziert sich eigentlich ein leichtathletisches Nischen-Meeting in Zeiten, da die Sponsoren- und Werbegelder vornehmlich in andere Sportarten fließen? Ein Budget von 15.000 bis 16.000 Euro hat Schulte zur Verfügung, ein Großteil davon wird für Antrittsgelder und Prämienzahlungen ausgegeben. Gedeckelt mit städtischer Förderung (10.000 Euro) und vier Sponsoren waren im Vorfeld jedoch nur 13.000 Euro. „Ohne die Stadt würde es gar nicht gehen“, sagt Schulte. Die Politik weiß um die mediale Außenwirkung des Meetings. Unter den 400 Zuschauern war auch Oberbürgermeister Helmut Müller. Doch einfach mal so zum Harting-Viewing kommt kaum jemand.

Nach zunächst gescheiterten Verhandlungen mit dessen Managerin Vera Michallek schlug der Berliner zum Freundschaftspreis von 3.000 Euro ein. Weil er weiß, dass er in Wiesbaden weit werfen kann; weil er weiß, dass er rundumversorgt wird. 3.400 Euro (inklusive Leistungsprämie) hat Schulte letztlich für Harting bezahlt. Weltmeisterin Yangfeng Li und die WM-Sechste Jiang Tan bekamen kein Antrittsgeld, nur Prämien. Nicht einmal die Übernachtungkosten konnte Schulte für die chinesische Delegation übernehmen. Immerhin machte das langjährige Partnerhotel einen Spezialpreis.


Anna Rüh (Foto: Christiane Mader)

Der Werfer-Cup in Wiesbaden ist eines von drei herausragenden Meetings in Hessen. Neben der Hammerwurfveranstaltung in Fränkisch-Crumbach (27./28. Mai), das unter Pit Falter ähnlich familiär organisiert wird. Nach sechs Jahren Pause findet am 25. Mai zudem das Sinner Hochsprung-Meeting wieder statt. Der Deutsche Leichtathletik-Verband hatte Macher Uli Geis nachhaltig bekniet - dem Verband fehlten schlichtweg Start- und damit Normerfüllungsmöglichkeiten für seine Athleten. „Wir sind Sportler, keine Veranstalter“, sagt Schulte.

Er selbst stand schon vor 40 Jahren als Trainer auf dem Platz, Ehefrau Ute war früher Sprinterin, sein Sohn Jörg Ende der 90er Jahre ein hoffnungsvolles Diskustalent (59,13 Meter). So sind Kontakte, Verbindung und Freundschaften in der Szene entstanden, die tragen und helfen. „In Wiesbaden stehst Du einen Meter vor Robert Harting. Wir haben Atmosphäre“, sagt Schulte. Und Tradition und einen guten Ruf und bei der 17. Auflage zwei voll besetzte Tribünen. Es hat wieder funktioniert. Trotz der 60 unbeantworteten oder negativ beschiedenen Schreiben an Sponsoren im Vorfeld. Einnahmesteigerungen erhofft sich Wiesbadener Leichtathletik-Verein als Veranstalter stets aus dem Verkauf von Speis und Trank. Eine Rechnung, die nicht immer aufging. Und dann legte Schulte auch schon mal ein paar hundert Euro aus der Privatschatulle drauf. „Wir haben noch nie Vereinsgeld in den Diskus-Cup gesteckt“, sagt er. In diesem Jahr hat der Sportstadtrat nachträglich weitere 1.000 Euro Unterstützung zugesagt. Wenn das mal kein zukunftsweisendes Zeichen ist.

 


13.05.2012