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Behrenbruch für London qualifiziert, Rath und Schäfer zur EM, Knobel setzt auf Ratingen


Claudia Rath (Foto: Hensel)

Der Qualifikationsmodus der deutschen Mehrkämpferinnen und Mehrkämpfer für die Olympischen Spiele 2012 war vor den Meetings in Ulm und Götzis (Österreich) extrem unübersichtlich - nach diesen beiden Wettkämpfen herrscht zumindest etwas Klarheit. Auch für vier Leichtathleten der LG Eintracht Frankfurt. Sicher ist: Zehnkämpfer Pascal Behrenbruch hat sich mit seinen 8.433 Punkten von Götzis direkt für Olympia empfohlen. An dieser Entscheidung führt kein Weg mehr vorbei. Begleitet wird der 27 Jahre alte gebürtige Offenbacher, der vom 2000er-Olympiasieger Erki Nool und von Andrei Nazarov trainiert wird und in Götzis nur sechs Punkte an seiner drei Jahre alten Bestleistung vorbeischrammte, von Rico Freimuth (Hallesche LF). Auch Freimuth blieb in Götzis mit 8.322 Punkten über dem Verbandslimit (8.300). Und dann? Dann kommt zunächst Jan Felix Knobel ins Spiel, der in Götzis nach dem ersten Hochsprungversuch über 1,82 Meter aufgab.

Der WM-Achte mit einem persönlichen Rekord von 8.288 Punkten begab sich am Pfingstsonntag zu einer Kernspintomographie seines schmerzenden linken Knies, und das Ergebnis macht ihm Mut. „Das Gelenk ist völlig in Ordnung“, sagt Knobel. Was ihn in Götzis geplagt habe sei lediglich eine Muskelreizung in der Kniekehle gewesen. „Das Knie war beim Einspringen noch völlig okay. Die Schmerzen im Wettkampf kamen wie aus heiterem Himmel, ich war verunsichert.“ Abgebrochen hat der Architekturstudent, „weil ich meine zweite Chance in Ratingen nicht wegwerfen wollte“. Im Bergischen Land kämpft Knobel jetzt am 14./15. Juni um den dritten und letzten freien Platz im deutschen Zehnkampf-Team für London. „Ich will zeigen, dass ich es kann“, sagt Knobel. Die Sicht der Dinge ist vergleichsweise klar für den Hessen, ernsthaft auseinandersetzen muss er sich womöglich nur mit Michael Schrader (Leverkusen). Auch Schrader, der bereits 8.522 Punkte erreicht hat (2009), gab in Götzis vorzeitig auf. Nach drei ungültigen Versuchen im Stabhochsprung.


Jan Felix Knobel (Foto: Hensel)

„Richtig tricky“ wird es für Siebenkämpferinnen Claudia Rath mit Blickrichtung London. So jedenfalls bewertet Mona Steigauf, Direktorin Leistungssport bei den Eintracht-Leichtathleten, die Situation nach den Qualifikationswettkämpfen von Ulm und Götzis. Claudia Rath sammelte bei dem Traditionsmeeting in Österreich ausgezeichnete 6.189 Punkte und blieb mit ihrem neuen Hausrekord deutlich über der Olympianorm (6.150). Als derzeit drittbeste Deutsche hinter Lilli Schwarzkopf (LG Rhein-Wied/6.461) und Jennifer Oeser (Leverkusen/6.345) wäre die Hessin für Olympia qualifiziert. Doch auch die Siebenkämpferinnen haben in Ratingen noch eine letzte London-Chance. Aber dies vor dem Hintergrund, dass bereits kurze Zeit später die Europameisterschaft im Terminkalender steht (27. Juni bis 1. Juli/Helsinki). Deshalb verlangt der Deutsche Leichtathletik-Verband von allen in Frage kommenden Athletinnen, sich entweder für einen Start in Ratingen oder in Helsinki zu entscheiden. „Ich werde bei der EM starten und darauf hoffen, dass in Ratingen keine andere Athletin meine Punktzahl überbietet“, sagt Claudia Rath.

Wie etwa Julia Mächtig vom SC Neubrandenburg, die in Götzis mit 6.110 Punkten zwar die EM-Norm (5.960) deutlich überbot, das Olympialimit aber verpasste. Julia Mächtig verzichtet auf die EM, versucht sich stattdessen in Ratingen, im persönlichen „worst case“ ist sie aber auch in London nicht dabei. Offen ist noch die Entscheidung von Maren Schwerdtner (Hannover), die in Götzis 6.154 Punkte erreichte. Die Frage „EM-Teilnahme oder Zocken für Olympia?“ hat Carolin Schäfer nach ihrer Steigerung in Ulm auf 6.072 Punkte bereits beantwortet. Die ehemalige U20-Welt- und Europameisterin hat sich laut Claudia Rath für Helsinki entschieden. Die Mehrkampf-Hochburg Frankfurt hat von vier Kandidaten bereits drei durchgebracht zu den internationalen Saisonhöhepunkten, und Knobel hat es zumindest selbst in den Beinen, ein weiteres Ausrufezeichen zu setzen.

Uwe Martin

 


29.05.2012