Sponsoren HLV Logo

Ksenia Achkinadse hofft auf den großen Sprung


Ksenia Achkinadse und Heide Ecker-Rosendahl (Foto: Iris Hensel)

Vielleicht muss man sich erst einmal über die Schreibweise ihres Namens klar werden. Da geht es nämlich ein wenig drunter und drüber. Xenia Atschkinadze oder Ksenia Achkinadze? Auf der Homepage ihres Vereins, dem Sportclub Gelnhausen, wird sogar die Mischform angeboten: Ksenia Atschkinadze. Und deshalb beginnt die Geschichte in einem Ort namens Dzhiginka in Russland am Schwarzen Meer. „Den kennt wahrscheinlich niemand in Deutschland“, sagt die 23-jährige Weitspringerin. Eher schon das nahe gelegenen Kur- und Badezentrum Anapa, hier tummeln sich jährlich etwa drei Millionen Feriengäste. Aus Dzhiginka wanderte die Familie vor zwölf Jahren nach Nordhessen aus, vor sechs Jahren kam die heutige Polizeikommissaranwärterin in die Frankfurter Trainingsgruppe von Jürgen Sammert, besuchte die Carl-von-Weinberg-Schule und wurde eingebürgert. Seitdem schreibt sie sich Ksenia Achkinadze.

In ihrer Jugendkarriere gab es einige verletzungsbedingte Tiefpunkte, aber auch etliche Anhaltspunkte, dass sie einmal große Sprünge machen kann. Ksenia Achkinadze war Vierte der U20-WM (2008) und qualifizierte sich für die U23-EM (2011). So richtig in den Blickpunkt geriet sie aber erst im Februar 2012 nach ihrem Sieg bei den deutschen Hallenmeisterschaften in Karlsruhe. 6,56 Meter - das war ein erstes Signal in Richtung Europameisterschaft und Olympische Spiele. Die Zeit sei reif gewesen für eine neue Dimension, sagte sie vor etwas mehr als drei Monaten. Und jetzt? Am Pfingstmontag sprang Ksenia Achkinadze in Wesel 6,72 Meter weit, unglücklicherweise blies der Rückenwind mit 3,1 Metern pro Sekunde zu stark. Regulär stehen bislang 6,52 Meter in der Sommerstatistik. „Ich bin ganz schön unter Druck“, sagt sie. Denn um das Limit für die EM (6,65) oder sogar die Norm für Olympia (6,75) zu erreichen, verbleiben nur noch zwei Möglichkeiten: der DLV-Testwettkampf am nächsten Samstag in Mannheim und die deutschen Meisterschaften in Wattenscheid (16./17. Juni). Anschließend wird das deutsche Team für die beiden Saisonhöhepunkte nominiert. „Mein Ziel ist es, 6,65 Meter zu springen und bei der Europameisterschaft dabei zu sein“, sagt sie.

Ksenia Achkinadze hat sich auf hohem Niveau stabilisiert, sie ist verletzungsfrei und hofft auf „einen Ausreißer nach oben“. Am besten schon in Mannheim, die Anlage im Badischen gilt in der Szene als leistungsfördernd. Ganz im Gegensatz zum Stadion in Wattenscheid. Weitspringer sind da sensible Seelen. Wind von vorne, Wind von hinten, Windstille - die äußeren Bedingungen spielen fast immer eine Rolle. In Wesel sprang Sosthene Moguenara (TV Wattenscheid) bei Windstille deutsche Jahresbestleistung mit 6,88 Meter, der weiteste Satz von Ksenia Achkinadze wurde vom Winde verweht. Erlaubt ist eine Anschubhilfe von maximal sind zwei Metern pro Sekunde. „Mannheim könnte mein Glückwettkampf werden“, sagt Ksenia Achkinadze. Wie vor vier Jahren, als sie sich dort auf den letzten Drücker für die U20-WM qualifizierte. Mit einem Sieg und einer Bestleistung (6,23). „Natürlich denkt man ständig daran, was am Samstag passieren könnte“, sagt sie.

Und dann gibt es noch eine andere hessische Weitspringerin, die sich für den weiteren Sommer internationale Perspektiven erhofft. Beatrice Marschek aus Gießen, mit 6,73 Meter seit drei Jahren Landesrekordhalterin. „Die Beine müssen entscheiden, nicht der Kopf“, sagt ihr Trainer Markus Czech. Am erweiterten vergangenen Wochenende, als Ksenia Achkinadze in der Innsbrucker Altstadt bei der Internationalen Golden Roof Challenge 6,47 und 48 Stunden später in Bad Langensalza 6,36 Meter erreichte, wurde Beatrice Marschek in Friedberg Hessenmeisterin mit 6,34 Meter. Nach drei Wochen Wettkampfpause wegen einer Fersenprellung und einer Zerrung der Plantarfaszie. „Bea hat bessere Zubringerwerte als jemals zuvor“, sagt Czech. Über einen Start in Mannheim wird er aber erst nach Rücksprache mit Bundestrainer Ulrich Knapp entscheiden. Derweil hofft Ksenia Achkinadze, dass „ich zeigen kann, was ich drauf habe“. Genauer auf mindestens 6,65 Meter und den Sprung in die erweiterte Weltspitze.

Uwe Martin

 


05.06.2012