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DM in Wattenscheid: Klopsch startet über 400 m


Christiane Klopsch bei der DM in Kassel 2011 (Foto: B.Heller)

Christiane Klopsch kommt direkt zum Punkt. „Ich habe ein bisschen umgeplant.“ Ein bisschen ist gut. Im Klartext sieht die Änderung im Wettkampfplan der 21 Jahre alten Germanistik- und Kunstgeschichtestudentin so aus: Sie wird an diesem Wochenende bei den deutschen Leichtathletik-Meisterschaften in Bochum-Wattenscheid nicht über 400 Meter Hürden starten, also ihren Titel nicht verteidigen können. Stattdessen geht sie im Lohrheidestadion über 400 Meter in den Block, über eine Strecke, „bei der nichts im Weg herum steht“, wie die Athletin von der LG Friedberg-Fauerbach sagt. Denn mit den Hürden hat die Sechste der vorjährigen U23-Europameisterschaft in diesem Sommer so ihre Probleme. Nicht dass es über die Maßen schlecht gelaufen wäre in den Monaten Mai und Juni, mit 57,41 Sekunden liegt Christiane Klopsch auf dem dritten Platz der aktuellen deutschen Bestenliste. Doch an der Norm für die EM in Helsinki (27. Juni bis 1. Juli/56,30 Sekunden) ist sie in vier Saisonrennen gescheitert. Und auch ihre Bestzeit aus dem Vorjahr, 56,97 Sekunden als deutsche Meisterin in Kassel, hat sie noch nicht erreicht.

Am vergangenen Montag verständigte sie sich deshalb mit ihrer Trainerin Sieglinde Weber auf den Kurswechsel. Christiane Klopsch sucht ihre EM-Chance nun in der deutschen 4x400-Meter-Staffel. Über den Vorlauf am Samstag (16 Uhr) und das Finale am Sonntag (17 Uhr). Anschließend werden die fünf Staffelteilnehmerinnen nominiert.

Direkt nach dem aufgegebenen Rennen in Rhede („Darüber möchte ich nicht reden“) vor einer Woche sei ihr klar gewesen, dass sie für die deutschen Titelkämpfe umdisponieren muss. „Ich weiß, dass ich die Norm über die Hürden drauf habe. Aber ich habe das perfekte Rennen leider nicht erwischt.“ So wie im Vorjahr in Kassel. „Über 400 Meter Hürden spielt sich sehr viel im Kopf ab. Vielleicht war ich wegen der Norm auch zu verkopft.“ Und so hat die Hessin rechtzeitig die Reißleine gezogen und die Hürden für eine Zeitlang quasi beiseitegeschoben.

Auch über 400 Meter ist sie derzeit drittschnellste Deutsche, die 53,42 Sekunden vom Meeting in Regensburg Anfang Juni waren zudem persönliche Bestzeit. Davor scheinen Esther Cremer (TV Wattenscheid/51,76) und Janin Lindenberg (SC Magdeburg/52,29) außer Reichweite - hinter Christiane Klopsch aber geht es eng zu. Mit Fabienne Kohlmann (53,51), Wiebke Ullmann (53,69), Maral Feizbakhsh (53,86), Julia Förster (53,91) und, und, und. Im Grunde stehen bei normalem Verlauf sieben Athletinnen für zwei Staffelplätze in Konkurrenz. Und eine Ersatzläuferin wird es auch noch geben.

„Da ist ein dichtes Feld mit starken Mädels hinter mir“, sagt Christiane Klopsch. „Es ist ein Risiko.“ Aber eines mit einer höheren Wahrscheinlichkeit als sich über 400 Meter Hürden um mehr als Sekunde zu steigern. „Wenn’s knallt und ich den perfekten Lauf erwische, ist eine Bestzeit drin“, sagt sie. Der Glaube daran, dass dies bei den deutschen Titelkämpfen passieren würde, ist ihr seit dem Rennen in Rhede abhanden gekommen. „Jetzt möchte ich eine feste Kandidatin für die Staffel werden“, sagt Christiane Klopsch. Und zur Europameisterschaft und vielleicht sogar zu den Olympischen Spielen nach London fliegen. Eine Rückkehr zur kräftezehrenden 400-Meter-Hürden-Strecke wird es aber geben, womöglich schon bei den deutschen Juniorenmeisterschaften Ende Juli. Je nachdem, wie die Sache mit Olympia ausgeht. „Dann könnte ich ganz befreit auflaufen.“

Nach dem Verzicht von Christiane Klopsch ist Hammerwerferin Betty Heidler (LG Eintracht Frankfurt) die einzige hessische Titelverteidigerin bei der DM In Bochum-Wattenscheid. Dass die Weltrekordhalterin im Lohrheidestadion ihre achte Meisterschaft in Folge feiern wird, daran bestehen keine Zweifel. Hochspringerin Ariane Friedrich hat da ganz andere Nöte. Der WM- und EM-Dritten fehlt noch die Qualifikationshöhe für die Olympischen Spiele (1,95 Meter). Daran, und wohl nur daran, wird sich die Wahl-Frankfurterin selbst messen.

Uwe Martin

 


15.06.2012