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Anja Wolf-Blanke: „Wir alle sind der DLV“


Anja Wolf-Blanke (Foto: HLV)

Anja Wolf-Blanke ist von den Präsidenten der Landesverbände zur Sprecherin der Landesverbände gewählt worden. Sie folgt auf Ralf Hafermann, der vor kurzem von seinem Amt zurückgetreten ist. Damit arbeitet Wolf-Blanke jetzt im Geschäftsführenden Präsidium des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) mit. Mehr zu ihrer Vision und ihren Plänen erfahren Sie im Interview mit der Präsidentin des Hessischen Leichtathletik-Verbandes (HLV).



Anja Wolf-Blanke, zunächst einmal Gratulation zur Wahl als Sprecherin der Vorsitzenden der Landesverbände. Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten bevorstehenden Aufgaben für dieses Amt?

Anja Wolf-Blanke: Besten Dank für die Glückwünsche. Das Wichtigste ist eine verstärkte Kommunikation untereinander. Dabei gilt es die nachvollziehbaren Partikularinteressen der einzelnen Landesverbände für die gemeinsame Sache der deutschen Leichtathletik zu bündeln und, wann immer möglich, mit einer Stimme zu sprechen.

Was hat die oberste Priorität bei den einzelnen Aufgabenfeldern?

Wolf-Blanke: Der Wunsch nach einer bundesweit einheitlichen Datentechnik steht sehr weit oben. Damit ist nicht nur die Verarbeitung der Wettkampfdaten gemeint, sondern ein allumfassendes Konzept, das dem DLV, aber auch den Landesverbänden, Bezirken, Kreisen und Vereinen die Arbeit in allen Bereichen erleichtert. Der Wille hierzu ist bei allen Landesverbänden vorhanden. Diskussionsbedarf besteht jedoch noch bei der Finanzierung. Neben den Entwicklungskosten müssen Schulungskosten, aber auch Einsparpotentiale in den Geschäftsstellen ausführlich beleuchtet werden. Finanzielle Ressourcen sind bei allen Beteiligten knapp und deshalb Kompromisslösungen gefragt. Letztlich darf das Projekt nach den Erfahrungen der letzten Jahre nicht erneut scheitern. Es würde die deutsche Leichtathletik auf den Stand der „Handarbeit“ zurückwerfen.

Wie sieht Ihre persönliche Zielsetzung aus?

Wolf-Blanke: Wir alle sind der DLV. Dies dürfen wir nicht aus den Augen verlieren, auch wenn die Landesverbände mit unterschiedlichen Voraussetzungen und individuellen Prioritäten antreten. Mecklenburg-Vorpommern hat andere Probleme als das Saarland. Es gibt Flächenländer und Stadtstaaten, Geschäftsstellen mit vielen hauptamtlichen Mitarbeitern und andere mit nur einer Teilzeitkraft. Einige Landesverbände setzen ihren Arbeitsschwerpunkt im Breitensport. Andere investieren hauptsächlich in den Leistungssport. Es müssen Kompromisse gefunden werden, mit denen alle leben können und die zudem der deutschen Leichtathletik insgesamt Nutzen bringen. Diese Kompromisse zu finden und zu ihrer Umsetzung beizutragen, sehe ich als meine Hauptaufgabe.

Bevor Sie die Funktionärskarriere eingeschlagen haben, waren Sie eine erfolgreiche Hochspringerin. Derzeit bangen viele um den Olympiastart von Ariane Friedrich, die nach ihrem Achillessehnenriss in diesem Jahr ihr Comeback gestartet hat. Glauben Sie, dass Sie sich das Olympiaticket im letzten Moment noch sichert?

Wolf-Blanke: Einer Athletin wie Ariane Friedrich, die eine derart schwere und langwierige Verletzung zu verkraften hat, wünscht man eine möglichst schnelle Rückkehr zu alter Stärke. Allerdings ist Geduld gefragt - eine bei Hochleistungssportlern nicht gerade ausgeprägte Charaktereigenschaft. Vielleicht braucht Ariane etwas mehr Geduld als sie und wir alle erhofft haben. Selbstverständlich drücke ich ihr die Daumen, dass sie ihren Traum von Olympia erfüllen kann.

Ist es von Vorteil, wenn man im Funktionärswesen arbeitet, dass man selbst einmal Sportler/in gewesen ist und somit vielleicht ein größeres Herz für die Probleme der Athleten/innen hat?

Wolf-Blanke: Das müssen primär diejenigen beurteilen, für die man sich ehrenamtlich engagiert. Sicherlich fühlt man sich an eigene Erfahrungen im Leistungssport erinnert und glaubt, die Sorgen und Nöte der Athleten nachvollziehen zu können. Dies sind heute allerdings oft andere als zu meiner Aktivenzeit, in der finanzielle Aspekte und die geförderte duale Karriere kaum eine Rolle spielten.

Wie wichtig sind aus Ihrer Sicht die Neuen Medien, wenn es um die optimale Kommunikation in einem Verband geht?

Wolf-Blanke: Die Nutzung Neuer Medien ist nicht mehr wegzudenken und elementarer Bestandteil unserer heutigen Kommunikation. Kurze Wege, schnelle Entscheidungen prägen das Bild. Dennoch ziehe ich es bei der Erörterung wichtiger Fragen vor, dem Gegenüber in die Augen zu schauen. Ein Blick sagt manchmal mehr als viele Worte.

Wenn Sie einmal nicht in Sachen Leichtathletik unterwegs sind, was interessiert Sie dann am meisten?

Wolf-Blanke: Zeit zu lesen nehme ich mir oft und sei es in der Bahn auf der Fahrt zum nächsten Termin. Sofern deutlich mehr freie Zeit am Stück zur Verfügung steht, gehe ich mit großer Leidenschaft Bildhauerarbeiten nach.

Interview: Peter Schmitt/DLV

 


23.06.2012