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Hessische Teilnehmer überzeugen bei der EM


Carolin Schäfer und Claudia Rath (Foto: Iris Hensel)

Gold für Pascal Behrenbruch im Zehnkampf mit 8.558 Punkten, Platz vier für Gesa Krause über 3.000 Meter Hindernis (9:38,20 Minuten) und Kathrin Klaas im Hammerwurf (70,44 Meter), Rang fünf für Christiane Klopsch mit der deutschen 4x400-Meter-Staffel, Platz sieben für Claudia Rath im Siebenkampf (6.210 Punkte), Platz elf für Carolin Schäfer (6.003 Punkte) - die Erfolge der Hessen bei der Leichtathletik-EM in Helsinki konnten sich sehen lassen. Lediglich Hammerwurf-Weltrekordhalterin Betty Heidler patzte gewaltig in der Qualifikation und schied mit indiskutablen 65,09 Metern aus. „Unterirdisch“, wie Trainer Michael Deyhle feststellte. Eine andere Vorzeigefrau der nationalen Leichtathletik hatte in Helsinki großes Pech: Hochsprung-Rekordhalterin Ariane Friedrich, die wegen eines Magen-Darm-Infekts nicht an den Start gehen konnte und nach ihrem darauf folgenden Verzicht auf den Wettkampf in Eberstadt (1. Juli) mehr denn je um ihre Olympiateilnahme bangen muss. Denn noch immer fehlen der 28-Jährigen drei Zentimeter zur Olympianorm (1,95 Meter). Entscheiden müssen jetzt der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) und der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB), ob sie Friedrich dennoch nach London durchwinken.

Es ist davon auszugehen, dass die DLV-Spitze auf ihrer Sitzung am Montag (2. Juli) beim DOSB einen Antrag für eine Ausnahmeregelung auf den Weg bringen wird, der DOSB dürfte der zweiten Olympiateilnahme der WM-Dritten ebenfalls wohlwollend gegenüberstehen. Was nicht heißt, dass Friedrich bei der DOSB-Sitzung am 4. Juli auch tatsächlich nominiert wird. An diesem Tag werden alle deutschen Leichtathletinnen und Leichtathleten benannt, die bei Olympia dabei sein werden.


Gesa Krause (Foto: Iris Hensel)

Nach ihrem souveränen Auftritt im Vorlauf (9:35,86) war Krause im Finale die einzige, die nach etwa zwei Kilometern kurzzeitig versuchte, der davon eilenden Türkin Gülcan Mingir sowie der Ukrainerin Svitlana Shmidt zu folgen. „Mir haben hinten heraus ein paar Körner gefehlt. Es gab viel Geschubse und viele Positionskämpfe“, sagte die 19-Jährige später. Die U20-Europameisterin von der LG Eintracht Frankfurt wurde auf der Zielgeraden noch von Antje Möldner-Schmidt (LC Cottbus) überspurtet, die sich mit 9:36,37 Minuten die Bronzemedaille schnappte. Gold ging wie erwartet an Mingir (9:32,96).

Als „Meilenstein“ bezeichnete Siebenkämpferin Rath die Steigerung ihrer Bestleistung auf mehr als 6.200 Punkte. Am zweiten Tag brachten ihr starke 6,42 Meter im Weitsprung, 39,99 Meter im Speerwurf und 2:11,09 Minuten über 800 Meter letztlich das persönliche Rekordergebnis, 21 Punkte mehr als vor einigen Wochen in Götzis. Zufrieden war auch ihre Klubkollegin von der LG Eintracht Frankfurt - Schäfer überbot zum zweiten Mal in ihrer Karriere die 6.000-Punkte-Marke. „Das war mein Einstieg bei den Erwachsenen, das ist schon mal etwas anderes als in der Jugend“, sagte die ehemalige U20- Welt- und Europameisterin.

Seinen ersten Auftritt auf großer internationaler Bühne hatte in Helsinki auch 400-Meter-Läufer Niklas Zender. Der Medizinstudent kam im Vorlauf (offiziell Halbfinale genannt) an Position drei über 4x400 Meter zum Einsatz. Die Besetzung Jonas Plass, Kamghe Gaba, Zender und Thomas Schneider zog mit 3:05,71 Minuten ins Finale ein. Dort musste der junge Hesse dann dem deutschen Meister Eric Krüger weichen. Dass deutsche Quartett sicherte sich im Endlauf etwas überraschend die Bronzemedaille in 3:01,77 Minuten und empfahl sich nachhaltig für die Olympischen Spiele. Wie auch die deutsche Frauenstafel über 4x400 Meter mit Christiane Klopsch von der LG Ovag Friedberg-Fauerbach. Die EM-Debütantin lief nach Esther Cremer und Janin Lindenberg an Position drei und schickte Fabienne Kohlmann auf die letzte Stadionrunde. Auch die 3:27,81 Minuten der Frauen-Langstaffel sind ein klares Signal für die Spiele in London. „Die Mädels haben mir gesagt, ich soll mutig sein. Das habe ich gemacht, als ich das Holz bekommen habe“, meinte Klopsch.


Kathrin Klaas (Foto: Iris Hensel)

Von ihrem schweren Sturz Anfang Juni beim Meeting in Eugene (USA), wo Klaas während der Drehung ausgehebelt worden war und nach dem Aufprall auf den Ring am Kopf mit fünf Stichen genäht werden musste, zeigte sich die Frankfurterin in Helsinki gut erholt. „Ich bin froh, dass ich überhaupt wieder werfen kann. Aber die Weite und Rang vier sind sicher nicht das, was ich mir vorgestellt habe.“ Die in Breitscheid geborene Hammerwerferin hat somit im Laufe ihrer Karriere noch immer keine internationale Medaille gewonnen. 2006 war sie EM-Sechste, bei der WM 2009 verpasste sie Bronze um lediglich 56 Zentimeter, zwei Jahre später wurde Klaas WM-Siebte. Nun wieder ein vierter Platz, aber zumindest die Gewissheit, dass sie wieder konkurrenzfähig ist. Wie Heidler den Helsinki-Tiefschlag mit Blickrichtung London verarbeitet, ist eine andere, durchaus spannende Frage.

Uwe Martin

 


02.07.2012