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Heidler/Klaas: Starkes Duo im Ring von London


Betty Heidler (Foto: Iris Hensel)

Weltmeisterin (2007), Europameisterin (2010), Weltrekordhalterin seit dem vergangenen Frühjahr mit 79,42 Meter - keine Frage, was da noch fehlt. Seit Wochen, beinahe Monaten wiederholt Betty Heidler gebetsmühlenartig, wie sie sich den August 2012 vorstellt. „Ich will eine Medaille gewinnen.“ Bei den Olympischen Spielen in London, ihren dritten nach 2004 (vierter Platz) und 2009 (Rang neun). Auf diese fünf Worte hat sie sich innerlich verständigt; vielleicht auch, um den Erfolgsdruck abzubauen. Denn natürlich erwartet die 28 Jahre alte Jura-Studentin im Hammerwurfring von London etwas Besonderes von sich, die deutschen Fans sowieso. Wie bei den Europameisterschaften Ende Juni in Helsinki, wo sie nach zwei ungültigen Versuchen und einem indiskutablen dritten Wurf (65,09) in der Qualifikation ausschied. Gleiches war ihr schon sieben Jahre zuvor bei der Weltmeisterschaft an gleicher Stätte passiert. Eine EM quasi aus dem Training heraus, so lautete der Plan, schließlich war es bis zum Saisonhöhepunkt noch eine Zeitlang hin. Aber eine solche Vorstellung als Titelverteidigerin?

Heim- und Bundestrainer Michael Deyhle war ziemlich fassungslos, Betty Heidler erläuterte später den technischen Fehler beim Andrehen: Ihre Beine waren in Helsinki zu langsam für die Rotation des Oberkörpers. Rückschläge wegstecken, gestärkt zurückkommen - dieses Prinzip hat bei der Athletin von der LG Eintracht Frankfurt bislang immer gegriffen. Und darauf ruht ihre Hoffnung, neben der immensen Wettkampferfahrung bei internationalen Großereignissen. Die haben allerdings auch ihre mutmaßlich härtesten Konkurrentinnen: Olympiasiegerin Aksana Miankova aus Weißrussland (78,69) und Weltmeisterin Tatjana Lysenko (Russland/78,51). In der aktuellen Weltjahresbestenliste folgt die gebürtige Berlinerin auf Rang drei mit 78,07 Meter.

In der „Frankfurter Rundschau“ hat sie kürzlich beschrieben, was ihren Status wohl am besten umreißt: „Wenn ich gewinne, gilt das inzwischen als normal. Wenn nicht, fragt jeder, was mit mir los sei.“ Und weil hier und da schon über einen Rückzug ins Berufs- und Privatleben gemunkelt wurde, hat Betty Heidler über die ihre Homepage ein klares Dementi verkündet. „Ich werde meine sportliche Karriere nicht nach den Olympischen Spielen in London beenden!“ Den letzten Olympiatest am Donnerstagabend in Schönebeck schloss die Frankfurterin mit 75,79 Meter ab.


Kathrin Klaas (Foto: Iris Hensel)

Ausgerechnet die Olympiasaison ist die schwierigste in der Karriere von Kathrin Klaas. Ein Wettkampf im südafrikanischen Pretoria, den sie im Rahmen ihres Trainingslagers im Mai absolvierte, brachte mit 75,13 Metern einen guten Saisoneinstieg. Beim vierten Wettkampf in Eugene (USA) am 1. Juni passierte aber dann das Missgeschick. Die Hammerkurve war zu steil, in der Folge kam das rechte Bein immer näher an die Drehachse und blieb schließlich am linken Bein hängen. Kathrin Klaas wurde ausgehebelt und fiel auf den linken Ellbogen, Schulter und Kopf. Wunden am Kopf und Ellbogen wurden noch im Stadion genäht bzw. geklammert.

Da sie nach der Rückkehr keine Probleme hatte, stieg sie drei Tage später wieder in das Training ein. Eine Woche nach dem Wettkampf, als die Fäden gezogen wurden, stellten sich im Training allerdings Schwindelgefühle ein. „Danach konnte ich nicht mehr geradeaus aus dem Ring gehen“, erzählt die 28-Jährige. Ein Start bei den Deutschen Meisterschaften war un möglich. Unzählige Arzt- und Physiotherapeutenbesuche folgten. „Die endgültige Ursache ist aber noch nicht gefunden“, sagt Kathrin Klaas. Die Probleme hängen wohl mit einem Muskelfaserriss im Nackenbereich zusammen, den sie sich im Dezember zugezogen hatte.

Auf einen Start bei der EM in Helsinki wollte Kathrin Klaas aber nicht verzichten. „Ich wollte mir die Option nicht nehmen lassen, endlich einmal in einem Stadion zu werfen und nicht gleich mit den Olympischen Spielen einsteigen zu müssen.“ Ohne spezielle Vorbereitung und mit einigen Wochen Wurf- und Trainingsausfall zog sie mit 68,95 Metern in das Finale ein und wurde mit 70,44 Metern Vierte. „Es war noch nie so einfach, eine Medaille zu gewinnen“, sagt sie, und die Enttäuschung schwingt mit. „Aber ich bin froh, überhaupt dort gewesen zu sein.“ Und der Wettkampf hatte auch noch etwas Positives: „Ich habe an mir vor allem eine noch nicht gekannte Gelassenheit entdeckt. Ich war in der Lage, die Würfe technisch zu analysieren, Veränderungen vorzunehmen und die Ansteuerung im Wurf anzupassen.“


Trainer Michael Deyhle (Foto: Iris Hensel)

Diese Gelassenheit will sie nun nach der letzten Vorbereitung auf dem Herzogenhorn, dem Wettkampf in Schönebeck (70,90) und einem kurzen Aufenthalt in Kienbaum mit nach London nehmen. Auch wenn die Schwindelgefühle noch immer nicht beseitigt sind, zumindest aber weniger stark auftreten, wenn die Würfe technisch sauber sind. „Mit den Tiefs der Saison muss ich mich abfinden, und ich kann schlichtweg versuchen, das Beste daraus zu machen.“ Das Beste soll in diesem Fall eine Platzierung unter den besten Acht sein. „Danach sehen wir, für was die Tagesform reicht.“

Der Zeitplan von Betty Heidler und Kathrin Klaas in London:

8. August: 10 und 11.25 Uhr: Qualifikation Gruppe A und B

10. August: 19.35 Uhr Finale

Uwe Martin/Pressemitteilung Eintracht Frankfurt, Anja Herrlitz

 


26.07.2012