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Eintracht Frankfurt muss Finanzloch stopfen


Zehnkämpfer Jan Felix Knobel (Foto: Iris Hensel)

Knapp zwei Wochen nach dem Abschluss der Olympischen Spiele in London, für die sieben Leichtathleten der Frankfurter Eintracht nominiert waren, ist die Finanzlage bei dem Großklub weiterhin angespannt. „Es wird ein mühevoller Kampf, wenn wir alle Topathleten halten wollen“, sagt Abteilungsleiter Wolfram Tröger. Der Hintergrund: Zum 1. Juli hat ein neues Geschäftsjahr begonnen, und seit diesem Tag müssen die Leichtathleten mit reduzierten Zuwendungen von der Fußball AG wirtschaften. Zuvor standen Tröger, seinem Stellvertreter Ralph Diller sowie Sportdirektorin Mona Steigauf jährlich etwa 250.000 Euro zur Verfügung, jetzt ist es weniger. Wie viel genau, mag der Abteilungsleiter nicht beziffern. Unschwer verklausuliert wird die Größenordnung deutlich, wenn Tröger sagt: „Um das Minus zu kompensieren, benötigen wir einen Premiumsponsor, der etwa 50.000 Euro in die Hand nimmt.“ Die Möglichkeit, mit einem Trikotpartner zusätzliche Einnahmen zu akquirieren, hat der Hauptverein vor einem Jahr geschaffen. „Wir sind mit einigen potentiellen Sponsoren im Gespräch. Aber ich befürchte, dass sich die genannte Dimension derzeit nicht realisieren lässt.“

Tröger hofft auf zwei, drei Partner, die entsprechend gestückelte Teilbeträge einbringen. Fest steht bereits, dass die Vollzeitstelle von Mona Steigauf in der bisherigen Form keinen Bestand hat, hier wird eine Teilzeitlösung angestrebt. Die Leichtathletik-Förderung bei der Frankfurter Eintracht geht an etwa 20 Sportler, an der Spitze steht die Hammerwurf-Weltrekordhalterin und Olympiadritte Betty Heidler. Aber auch Zehnkampf-Europameister Pascal Behrenbruch, die Hammerwurf-Olympiafünfte Kathrin Klaas und Olympiaachte über 3.000 Meter Hindernis, Gesa Krause, tragen das Eintracht-Trikot. Weitere Topathleten sind die Siebenkämpferinnen Carolin Schäfer und Claudia Rath, die deutsche Hochsprung-Rekordhalterin Ariane Friedrich, Zehnkämpfer Jan Felix Knobel und Langstreckenläufer Nico Sonnenberg.

Sein zweites Ziel, die Basisstruktur der Leichtathletik-Abteilung mit mehr Nachwuchstrainern zu stärken, wird Tröger kurzfristig nicht erreichen. „Hierfür ist schlichtweg kein Geld vorhanden.“ Obwohl die Stadt, der deutsche und der hessische Verband dem Stützpunkt Frankfurt wohlgesonnen seien. Offen ist beispielsweise die Frage, wie hoch und von wem Behrenbruch-Trainer Andrei Nazarov künftig bezahlt wird. Tröger: „Ich wäre heilfroh, wenn ich es leisten könnte. Von dieser Art Baustellen haben wir derzeit etwa zehn Stück.“ In die Kritik von Knobel, der unlängst die Zurückhaltung der Frankfurter Unternehmen beim Sponsoring der olympischen Kernsportart bemängelt hatte, „steige ich mit ein“ (Tröger). „Aber solange ich den Hut aufhabe, geht kein Topathlet weg, weil wir zu wenig Geld haben.“ An Neuverpflichtungen sei aber nicht zu denken.

Uwe Martin

 


23.08.2012