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Spannende DM-Entscheidungen in Rodenbach


Jan-Hendrik Hans überraschte als DM-Vierter (Foto: Arndt)

Die vom SSC Hanau-Rodenbach mustergültig organisierten 25. Deutschen Meisterschaften im 100-Kilometer-Straßenlauf waren an Dramatik kaum zu überbieten. Zwar setzten sich mit Michael Sommer (EK Schwaikheim/7:12:34 Stunden) und Tanja Hooß (LTF Marpingen/8:12:16) die Favoriten im Feld der 140 Starter durch. Doch der Erfolgsweg gestaltete sich für beide Ultralangstrecken-Asse nach dem Startschuss von Matthias Reick (DLV-Vizepräsident) sowie Karl Eyerkaufer (Landrat a.D.) spannend wie selten zuvor. Auf Hessenebene überraschte der 25-jährige Jan-Hendrik Hans (LG Wettenberg) - zugleich DM-Vierter - mit seinem Debütsieg in 7:38:13 Stunden vor Altmeister Uli Amborn (LG Offenbach/8:08:14). Bei den Frauen gewann die 24-malige WM- und EM-Starterin Simone Stöppler (SSC Hanau-Rodenbach) in 8:43:01 Stunden vor Gabriele Kenkenberg (Olympia Wiesbaden/8:48:46), die zudem mit ihren Teamkolleginnen Edith Lechner (9:42:08) und Elke Gärtner (10:26:41) deutsche Mannschaftsmeisterin wurde.

Sommer holte seinen neunten nationalen Titel bei optimalen Bedingungen mit einem letztlich komfortablen Vorsprung von knapp elf Minuten vor seinem Dauerkonkurrenten Jörg Hooß (LTF Marpingen/7:23:26), hätte aber beinahe nicht starten können. Eine Virusinfektion im Hals ließ den 48-jährigen Teamleiter für Software-Entwicklung zwei Tage vor dem Rennen nicht nur das gebuchte Hotelzimmer stornieren, sondern auch eine Krankmeldung beim Vorgesetzten einreichen. „Außerdem hatte ich Organisator Harry Arndt schon meinen Start abgesagt. In der Nacht auf Freitag regenerierte ich dann überraschend derart fantastisch, dass ich beim Spaziergang tagsüber merkte, dass es doch möglich wäre zu laufen.“ Nach seinem Coup fügte Sommer schmunzelnd hinzu: „Ich bin ja mal gespannt, was mein Chef dazu sagt, dass ein Krankgeschriebener deutscher Meister wird.“

Leicht fiel es dem mit 25 EM- und WM-Teilnahmen erfahrensten Läufer im Feld nicht, in Rodenbach die längste DLV-Titeldisziplin zu absolvieren. Zumal gleich drei Konkurrenten, darunter auch Hessenmeister Hans, bis Kilometer 70 auf Augenhöhe liefen. Schließlich gaben der vorsichtige Rennbeginn und das Gespür für den eigenen Körper des mit lediglich 60 bis 80 Wochenkilometern vorbereiteten Abonnementmeisters wiederum den Ausschlag.


Michael Sommer (Foto: Arndt)

Fast dreimal so hoch zieht Vizemeister Jörg Hooß den Trainingsaufwand, doch trotz seiner Wochenumfänge von bis zu 210 Kilometern lief es beim anfangs in Führung liegenden Saarländer nicht rund. „Bereits nach 20 Kilometern habe ich gemerkt, dass die Muskulatur nicht optimal funktioniert“, meinte er und zeigte sich trotz stabiler Endphase enttäuscht. „Die DLV-Norm für EM und WM von 7:14 Stunden war mein Ziel. Jetzt muss ich mich neu orientieren.“ Bronze sicherte sich Benedikt Straetling (Adler-Langlauf Bottrop) in 7:31:50 Stunden.


Tanja Hooß gegen Branka Hajek - dieses Kopf-an-Kopf-Rennen geht als spannendstes Duell in die 25-jährige DM-Geschichte ein. Während der gesamten 100 Kilometer lagen bei mehrfach wechselnder Führung nie mehr als 150 Meter zwischen den beiden Spitzenläuferinnen. Schließlich setzte sich die 45-jährige Marpingerin aufgrund ihrer Erfahrung gegen die 17 Jahre jüngere Hajek nach 8:12:16 Stunden durch und gewann ihren siebten nationalen Titel. „Ich habe zwischenzeitlich nicht mehr an den Sieg geglaubt, weil Branka unheimlich stark war und jeden Rückstand wieder zugelaufen hat“, sagte Hooß, die sich erst auf den Schlusskilometern 13 Sekunden Vorsprung erkämpft hatte.

Branka Hajek zeigte sich mit der Silbermedaille zufrieden. „Der Test vor zwei Wochen beim Ulm-Marathon in 3:16 Stunden war alles andere als gut, so dass mein Ziel vor allem aufs Ankommen ausgelegt war“, so Hajek, die im Vorjahr mit 10:22 Stunden ein beachtliches Ironman-Debüt in der Triathlon-Szene gefeiert hatte.

Auf dem dritten Platz feierte Marion Braun (SV Germania Eicherscheid) nicht nur Bronze vor Hessenmeisterin Simone Stöppler (SSC Hanau-Rodenbach/8:43:01), sondern auch einen Altersklassen-Weltrekord. Die 55-jährige Dauerläuferin steigerte die 20 Jahre alte Marke der US-Amerikanerin Sandra Kiddy von 8:42:36 Stunden auf 8:39:51 Stunden und bedankte sich bei Organisator Harry Arndt und Moderator Bernd Heringhaus. „Ursprünglich wollte ich nur den deutschen Rekord von 8:54 Stunden verbessern. Aber dann bin ich am Start und in jeder der zehn Runden erneut auf Weltrekordkurs angesagt worden. Da wusste ich: Jetzt darfst du nicht lahmen!“ Die zweite Straßen-Weltrekordmarke der Senioren setzte erwartungsgemäß Bernd Juckel von der SG Neukirchen-Hülchrath. Der 62-jährige Personalmanager behauptete sich als DM-Neunter gegen die jüngere Konkurrenz und verbesserte die 8:02:38 Stunden von Peter Wimmer (1999) auf 7:53:42 Stunden.


Ulrich Amborn postete seine Urkunde bei Facebook (Foto: Amborn)

Eine überragende Leistungsfähigkeit im reiferen Laufalter bewies zudem der Niederländer Jan-Albert Lantink (MTP Hengelo). Der 54-jährige Gesamtsieger des offenen Internationalen Wettbewerbs steigerte seine Bestleistung auf 6:56:58 Stunden, blieb damit erstmals unter sieben Stunden und beendete in Rodenbach seine 100-Kilometer-Karriere. „Ich habe immer gesagt, dass ich mit den 100 Kilometern Schluss mache, sobald ich die sieben Stunden unterbiete.“

Aufhören, wenn es am besten läuft - dieses Motto gilt auch für den Organisationsleiter Arndt und sein Team vom SSC Hanau-Rodenbach, das für die stimmungsvollen Titelkämpfe Lob von allen Seiten erhielt. Mit der beeindruckend verwirklichten Zielsetzung angetreten, die Teilnehmerzahlen der Meisterschaften deutlich zu steigern und einen neuen Impuls für die Laufbewegung jenseits der klassischen 42,195 Kilometer zu setzen, verabschiedete sich der 75-jährige Rodenbacher von der Ultramarathonszene, die er vor 25 Jahren mit der Organisation der ersten Deutschen Titelkämpfe in seinem Heimatort auf DLV-Ebene meisterschaftswürdig gemacht hatte. HLV-Präsidentin Anja Wolf-Blanke sprach von der „Belobigung durch den DLV für Harry Arndt und den SSC Hanau-Rodenbach - wohin anders soll man die 25. Meisterschaft vergeben, wenn nicht an den Geburtsort?“

Sascha Arndt

 


07.10.2012