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1. Symposium für Sportmedizin in Bad Vilbel


HLV-Physiotherapeut Norbert Müller (Foto: Heel)

Es läuft nicht immer alles bestens in der Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen Haus- und Verbandsärzten, wenn es um die Betreuung von Spitzenathleten gehrt. Die Reibungsverluste sind mitunter groß. Und so hatte der Hessische Leichtathletik-Verband (HLV) die Idee, mit dem 1. Symposium für Sportmedizin in Bad Vilbel so viel behandelnde Ärzte und Physiotherapeuten wie möglich einander näher zu bringen. Das Feedback war mit 62 Anmeldungen überraschend gut, und renommierte Mediziner wie Heinz Lohrer, Ärztlicher Direktor des Sportmedizinischen Instituts Frankfurt, Vlastimil Voracek, Davis-Cup- und Fed-Cup-Arzt des tschechischen Teams, sowie der Leitende HLV-Verbandsarzt Andrew Lichtenthal brachten die Zuhörer fachlich auf den neuesten Stand. Wie eine internationale Top-Athletin in medizinischen Extremsituationen behandelt wird, erläuterte die Olympiafünfte im Hammerwerfen, Kathrin Klaas.

Das Malheur passierte am 1. Juni beim Diamond-League-Wettkampf in Eugene (Vereinigte Staaten). Kathrin Klaas verlor bei der vierten Drehung die Balance, der Hammer rotierte weiter, sie stand auf einem Bein, wurde ausgehebelt und stürzte. Vor Ort wurde die Wunde am Hinterkopf mit fünf Stichen genäht, am nächsten Tag flog die Polizeikommissarin nach Deutschland zurück. Die Schwindelgefühle kamen eine Woche später. „Ich konnte nicht mehr geradeaus laufen“, sagt sie. Eine medizinische Odyssee begann. Mit neurologischen Untersuchungen und einem Check beim Hals-Nasen-Ohren-Arzt, mit einem MRT und schließlich der Loslösung von dem Gedanken an ein klassisches Schleudertrauma. Obwohl eine Blockade im Halswirbelbereich festgestellt worden war.


Dr. Andrew Lichtenthal (Foto: Heel)

Immer wieder hat sie versucht zu trainieren und wurde anschließend therapiert, bangte zwischenzeitlich um die Fortsetzung ihrer Karriere, trainierte vorsichtig weiter und wurde weiter therapiert. Die Teilnahme an der Europameisterschaft geriet in weite Ferne, die Olympischen Spiele standen zur Disposition. „Wir haben geprüft, was anschlägt und was nicht“, sagte Lichtenthal. Als Ursache diagnostiziert wurde letztlich ein Faserriss in einem Halsmuskel hinter dem Ohr: Die eigentlich ausgeheilte Verletzung aus dem Dezember 2011 war wieder aufgebrochen. Fast täglich hatte Kathrin Klaas im Juni und Juli Kontakt zu Lichtenthal und dem Leitenden HLV-Physiotherapeuten Norbert Müller - schließlich konnte sie bei der EM und bei Olympia in den Ring steigen. Und warf in London mit 76,05 Meter persönlichen Rekord. Das Video von ihrem Unglückswurf in Eugene ist bei Youtube mittlerweile mehr als 2.700 Mal geklickt worden.

Abgerundet wurde das Symposium am Nachmittag mit zwei Workshops zu den Themen „Infiltrationsmethoden und -techniken“ sowie „Akute Sportverletzungen und Kinesiologie“. Auf großes Interesse stießen auch die abschließenden Referate „Anti-Doping" (Dr. Erich Pfeiffer) und „Das medizinische Team des HLV“ (Lichtenthal). Der HLV bedankt sich auch auf diesem Weg nochmals bei seinem Sponsor Biologische Heilmittel Heel GmbH (Baden-Baden) für die Unterstützung seines medizinischen Teams und des Symposiums in Bad Vilbel.

Uwe Martin

 


20.11.2012