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Dringend gesucht: Kampfrichter und Helfer!


HLV-Kampfrichter Florian Rau im Einsatz (Foto: Wagner)

Demnächst geht es Schlag auf Schlag: Hessische Meisterschaften der Aktiven und U18 (12./13. Januar/Stadtallendorf), HM der U20-/U16-Jugend (19./20. Januar/Frankfurt-Kalbach), HM-Winterwurf Aktive, U20, U18 (19./20. Januar/Hahnstraße Frankfurt), Mehrkampf-DM (26./27. Januar/Kalbach), Deutsche Hochschulmeisterschaften (30. Januar/Kalbach), Süddeutsche Meisterschaften Aktive und U18 (2./3. Februar/Kalbach). Sechs Titelkämpfe in drei Wochen, für die HLV-Kampfrichterwart Rolf-Achim Dörr aus Marburg viele Dutzend Kampfrichter und Helfer benötigt. Dörr, gelernter Bankkaufmann, später Personalleiter in einem mittelständischen Betrieb, mittlerweile Rentner und 72 Jahre alt, hat es mit seinem Ehrenamt nicht immer einfach: „Wir haben beinahe hessenweit Nachwuchsprobleme. Es ist wie überall in der Gesellschaft: Immer weniger Menschen wollen helfen.“ Die Situation ist nicht dramatisch, aber es könnte besser laufen. „Unsere Kreise sind am Limit. Wir haben Probleme, jungen Nachwuchs zu bekommen“, sagt Dörr. Etwa für die Meisterschaften in Stadtallendorf. Benötigt werden 40 und 45 Helfer und Kampfrichter, zuständig ist der Kreis Marburg-Biedenkopf. Um das Kontingent aufzufüllen, hat Dörr noch fünf Personen aus dem benachbarten Kreis Schwalm-Eder angefragt.

Wer sich ehrenamtlich für die Betreuung von Wettkämpfen zur Verfügung stellt, wird nicht reich, was kein Geheimnis ist, aber mit einer Aufwandsentschädigung honoriert. Kampfrichter erhalten neun Euro pro Tag (plus Fahrtkosten), Helfer fünf Euro. Entlohnt werden Kampfrichter und Helfer von den eingegangenen Meldegebühren. „Es ist kein Beruf! Es ist nur ein Hobby!“, heißt in einem Aufruf, den der Kreis Gießen kürzlich formuliert hat. „Dringend gesucht“ werden: Kampfrichter, Starter, Geräteprüfer, Obleute und Schiedsrichter, Kampfrichter für das Wettkampfbüro. All jene also, ohne die keine Wettkämpfe, keine Meisterschaften möglich sind. Dörr bestätigt den Trend mit den Worten: „Über Neuzugänge würden wir uns sehr freuen.“

Um Kampfrichter zu werden, müssen Interessenten einen Lehrgang mit insgesamt 16 Theorie- und Praxisstunden absolvieren, dann ist der Sprung zum Jung-Kampfrichter geschafft. Die Neulinge mit Grundlagenkenntnissen werden dann zunächst erfahrenen Kampfrichtern zur Seite gestellt. Angeboten wird der entsprechende Lehrgang einmal jährlich von den HLV-Lehrbeauftragten, das gesamte Lehrteam umfasst acht Personen. Doch was machen Helfer und Kampfrichter eigentlich? Der sogenannte Kampfrichter-Obmann (oder -Obfrau) zeigt beispielsweise in den technischen Disziplinen mit weißen und roten Fahnen gültige und ungültige Versuche an, Helfer rechen den Sand in der Weitsprunggrube, legen die Hoch- und Stabhochsprunglatte auf, rollen das Gerät beim Kugelstoßen zurück.


Rechts im Bild ist HLV-Kampfrichterwart Rolf-Achim Dörr zu sehen (Foto: Wagner)

Neu angeboten im Jahr 2013 wird vom HLV der Lehrgang Verbandsaufsicht, quasi der Ritterschlag im Kampfrichterwesen. In Vertretung des DLV ist die Verbandsaufsicht für die Einhaltung aller Regeln, Satzungen und Ordnungen zuständig. „Die Verbandsaufsicht ist als erstes in der Halle und geht ganz zum Schluss“, sagt Dörr. Was auch passiert, aber natürlich nicht Sinn der Sache ist: Kommen und gleich wieder gehen. Dörr selbst ist bei allen hessischen Titelkämpfen, bei Regionalmeisterschaften und auch bei kleineren Veranstaltungen als Einsatzleiter vor Ort. „Wer A sagt, muss auch B sagen“, meint er lakonisch über seine Arbeitsbelastung. Den Posten als HLV-Kampfrichterwart übt er seit 1998 aus, zuvor war er Kreis-Kampfrichterwart.

Ja, irgendwann möchte Dörr seinen Posten schon zur Verfügung stellen. „Ich hoffe, bis dahin einen geeigneten Nachfolger zu finden.“ Und was macht er, wenn sich für eine (oder mehrere) Veranstaltungen partout nicht genügend Kampfrichter finden? Dann gibt es immer noch die sogenannte „schnelle Einsatztruppe“. Acht bis zehn Personen, die immer dann einspringen, „wenn es brennt“. Die Kostenminimierung mittels Rückgriff auf die Heimat- und Nachbarkreise der jeweiligen Veranstaltungen greift dann aber nicht mehr. „Dann müssen ein paar mehr Kilometer gefahren und bezahlt werden.“

Uwe Martin

 


30.12.2012