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Simon Schütz - Sprinter im Wartestand


Simon Schütz vor Costa Laurenz bei der U20-Hallen-DM 2012 (Foto: Iris Hensel)

Natürlich Fußball. So mit sechs hat es angefangen, wie bei den meisten Jungs. Zwei Jahre später merkte der kleine Simon, dass er schneller auf den Beinen ist als die anderen. Eine Zeitlang liefen Leichtathletik und Fußball parallel, dann kam das Schlüsselerlebnis. Als Usain Bolt bei den Olympischen Spielen 2008 den Sprint neu definierte, saß Schütz vor dem Fernseher, zwölf war er damals, und fragte sich: Wie kann man so schnell laufen? „Danach habe ich richtig angefangen.“ Mit 15 war der Teenager aus Bad Schwalbach schnellster hessischer und drittbester deutscher Schüler, lief die 100 Meter in 11,09 Sekunden. Sechs Monate später wurde er extrem überraschend deutscher U20-Hallenmeister über 200 Meter (21,64 Sekunden), im vergangenen Sommer verbesserte er sich auf 10,60 Sekunden (100 Meter) und 21,46 Sekunden (200 Meter). Zwei deutsche U18-Jugendtitel gab es obendrein, bei der U20-WM verpasste der Gymnasiast knapp das Halbfinale. Seitdem wird Schütz als hoffungsvollstes deutsches Sprinttalent gehandelt, was zu konkreten und losen Anfragen renommierter Klubs führte. Wattenscheid, Leverkusen, Köln - es waren die üblichen Verdächtigen. Doch sein Weg war schon früh klar: Vom SV Hohenstein im Untertaunus wechselte er am Jahresende 2012 in die hessische Landeshauptstadt zum Wiesbadener Leichtathletik-Verein.

Über die Weihnachtszeit bremste eine neurale Verletzung in der hinteren Oberschenkelmuskulatur seinen Vorwärtsdrang, doch das sportliche Ziel hatte Bestand: eine neue deutsche Hallenbestleistung für die B-Jugendklasse, diesen Rekord hält seit sechs Jahren Robert Hering (Jena) mit 21,51 Sekunden. „Ohne die Verletzung wäre das sehr realistisch gewesen“, sagt Schütz. Und sein Trainer Georg Schmidt ergänzt: „Es wäre Understatement zu behaupten, dass wir die Vorjahreszeit lediglich stabilisieren wollen. 21,40 Sekunden waren der Plan, und das wäre eben deutscher Rekord.“

Doch das Projekt ist ins Stocken geraten. Denn bei den hessischen Hallenmeisterschaften in Stadtallendorf machte der Oberschenkelmuskel im Finale über 60 Meter nach einem Drittel der Distanz wiederum dicht - eine Verhärtung. Und seitdem ist Schütz ein Sprinter im Wartestand. Ausbaufähige 6,89 Sekunden war er im Zwischenlauf gerannt, jetzt sind erst einmal die Physiotherapeuten gefragt. Schmidt, hessischer Landestrainer am Stützpunkt Wiesbaden, ist mit Prognosen sehr vorsichtig. „Wenn alles planmäßig läuft, beginnen wir in dieser Woche wieder mit normalem Training.“ Dann wären die Süddeutschen Meisterschaften in Frankfurt (2./3. Februar) ein Thema. Macht die Genesung nicht die erhofften Fortschritte, wird es für Schütz wohl keine Hallensaison geben. Schmidt, 27, will kein Risiko eingehen. „Das ist auch eine deutsche Meisterschaft nicht wert.“ Er meint die nationalen Jugendtitelkämpfe Mitte Februar in Halle/Saale.

Ein Winter ohne Wettkämpfe? Begeistert ist Schütz nicht von diesem Gedanken. „Ich fühle mich immer noch schnell.“ Seit dem 22. Juli vergangenen Jahres hat er keinen Wettkampf bestritten respektive zu Ende gebracht. Eine lange Zeit, es kribbelt. Doch Schütz ist vernünftig und spricht von der Halle als „Übergangssaison“. Schließlich stehen Mitte Juli die U18-Weltmeisterschaften an. „Es ist massiv, was in letzter Zeit auf Simon einbricht“, sagt Trainer Schmidt. „Wir sehen es auch als unsere Aufgabe an, ihn unten zu halten.“

Uwe Martin

 


29.01.2013