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Maryse Luzolo - eine Hochbegabte ist zurück


Maryse Luzolo (Foto: Benjamin Heller)

Das Comeback des Tages war im sechsten und letzten Versuch perfekt. Anlauf, Absprung, Landung im Sand - 6,47 Meter. Weiter ist in diesem deutschen Winter nur die Berlinerin Melanie Bauschke (6,68 Meter) gesprungen. Maryse Luzolo, Elftklässlerin der Carl-von-Weinberg-Schule, hatte eines der wenigen Glanzlichter bei den Süddeutschen Leichtathletik-Meisterschaften in Frankfurt gesetzt - und ihre Bestleistung nach einem knappen Jahr Wettkampfpause um 15 Zentimeter verbessert. Als Zweite der deutschen Jugendmeisterschaften war sie im Februar 2012 6,30 Meter gesprungen, ein paar Wochen zuvor bereits 6,32 Meter. Doch nach der Hallensaison sendete der hintere Oberschenkelmuskel des rechten Beines dreimal in Folge überaus schmerzhafte Signale aus. Olympiagriff wird diese Verletzung umgangssprachlich gerne genannt, weil häufig Sprinter betroffen sind. Bei Maryse Luzolo war der Ausgangspunkt wohl ein Muskelfaserriss, jedenfalls ist die komplette Sommersaison passé gewesen. Und dann dieser unerwartet weite Satz.

„Das muss ich erst einmal realisieren“, sagte die 17-jährige Weitspringerin von der LG Eintracht Frankfurt. Kommt keine ernsthafte Verletzung mehr dazwischen, könnte die Karriere von Maryse Luzolo wieder Schwung bekommen. Die Tochter kongolesischer Eltern begann ihre Karriere mit 5,46 Meter (2009), es folgten 5,93 Meter (2010), 6,23 Meter und Platz vier bei der U18-WM (2011), dann 6,32 Meter. Leistungen einer Hochbegabten. Eine Störung der Magen-Darm-Flora, sagt Maryse Luzolo, sei die Ursache für ihre muskulären Dissonanzen im Frühjahr und Sommer vergangenen Jahres gewesen. „Es war meine erste Sportverletzung, und sie hat mich richtig runtergezogen.“ Jetzt nehme sie regelmäßig Tabletten, um den Magen-Darm-Trakt im Gleichgewicht zu halten. Alles sei wieder okay. Alles? Fast alles. Noch drei Tage vor den Süddeutschen Titelkämpfen hatte sie das Training abgebrochen, dieses Mal verspürte sie ein Zwicken im hinteren Oberschenkelmuskel des linken Beines. „Ich wollte erst gar nicht starten.“

Maryse Luzolo kam dann doch ins Sportzentrum Kalbach, sie müsse die Zähne zusammenbeißen, sagte im Vorbeigehen ein Coach, den sie gar nicht kannte. Betreut vor Ort wurde sie letztlich von Markus Oerter, dem Kadertrainer des Hessischen Leichtathletik-Verbandes. Denn ihre Entdeckerin und Heimtrainerin Melanie Zecha musste krankheitsbedingt zuhause bleiben. „Sie hat mich dann gleich nach dem Wettkampf angerufen und ich habe geheult.“ Ja, und ein „bisschen feiern“ wollte die Frankfurterin aus dem Stadtteil Bonames auch noch. Jetzt? „Nein. Morgen in der Schule.

Maryse Luzolo ist eine Athletin für den sechsten Versuch. Solange sie nicht zum letzten Mal gesprungen ist, darf sich keine Konkurrentin sicher fühlen. Im Sommer 2011 hatte sie in Schweinfurt ihre allerletzte Chance genutzt und sich für die U18-WM qualifiziert, auch ihre vormalige Bestleistung von 6,32 Meter sprang sie im sechsten Versuch. Nervenstärke gehört neben ungewöhnlichen Sprint- und Sprungfähigkeiten zu ihren herausragenden sportlichen Kennzeichen. Aber elf Monate ohne Wettkämpfe waren ein harter Einschnitt in jungen Jahren. „Doch meine Trainerin hat immer gesagt, dass sie an mich glaubt. Das hat mich motiviert.“

Und so geht der Blick endlich wieder konkret nach vorne - zu den deutschen Jugendmeisterschaften am Wochenende 16./17. Februar in Halle an der Saale. „Ich gucke auf meine Weite und nicht nach den anderen“, sagt Maryse Luzolo. Also auch nicht auf ihre ein Jahr ältere Dauerkonkurrentin Malaika Mihambo aus Heidelberg. „Maleika war bisher immer besser als ich“, meint sie kurz und knapp. Wenn sich dies ändert in zwei Wochen, dann vielleicht im sechsten Versuch.

Uwe Martin

 


05.02.2013