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Gemeinsam stark


Homiyu Tesfaye und Nico Sonnenberg (Foto: Benjamin Heller)

Der Schrittmacher musste passen. Eine leichte Blockade im Fuß ließ Nico Sonnenberg bei der süddeutschen Meisterschaft der Leichtathleten in Kalbach auf einen Start über 1.500 Meter verzichten. Er wäre sowieso nur zwei Drittel der Strecke mitgelaufen, erklärte der Sportler der LG Eintracht Frankfurt. Aus kameradschaftlichen Gründen. Denn Homiyu Tesfaye, seit Frühjahr 2012 Trainingspartner Sonnenbergs in der Gruppe von Bundestrainer Wolfgang Heinig, sollte noch die Norm für die nationalen Titelkämpfe in Dortmund erfüllen. Sorgen waren unbegründet. Leicht, locker und ziemlich einsam so weit vor der Konkurrenz zog der 19-jährige Äthiopier 3:44,94 Minuten lang seine Runden und erreichte damit deutlich neben dem Titel auch das gesetzte Ziel. Einen Tag zuvor, über 3.000 Meter, hatte der auf seine Einbürgerung im Juni hoffende Tesfaye nach einem fairen Rennen, in dem sich die beiden Eintrachtler stetig in der Führungsarbeit abwechselten, in 8:13,62 Minuten das Nachsehen gehabt. Der 21-jährige Sonnenberg siegte in 8:10,69, lieferte die Erklärung aber gleich mit. Dem auf kürzeren Strecken eigentlich schnelleren Tesfaye, der 2012 neun nationale Titel gewann, mache eine Entzündung der Wadenmuskulatur zu schaffen.

Die beiden verstehen sich bestens. Sie liefern sich, auch mit anderen in der Trainingsgruppe, spannende Kämpfe, planen gemeinsame Starts, wobei Sonnenberg seine Hauptstrecke bei 5.000 Metern sieht. Der Student der Wirtschaftswissenschaften gerät ins Schwärmen. Nichts deutet mehr auf das Tief hin, in das er 2011 gefallen war. Erst mit 16 zur Leichtathletik gekommen, lief der aus Hirzenhain stammende Blondschopf eineinhalb Jahre später zum deutschen Jugendmeistertitel über 1.500 Meter. Dann bremsten ihn Verletzungen. „Ich wollte nicht mehr auf dem Ergometer die Wand anschauen“, erzählt er vom großen Frust. Nach dem Abitur an der Carl-von-Weinberg-Schule kehrte Sonnenberg deshalb zurück in seine Heimat, genoss ein Leben mit Partys, aber ohne Verpflichtungen. Auf Dauer jedoch missfiel ihm die Planlosigkeit.

Geläutert kehrte er nach Frankfurt zurück. Seine Einstellung hatte sich verändert, er achtet auf Ernährung oder Regeneration. Schnell war der frühere Fußballer zurück in der Spitze, wurde U-23-Meister über 5.000 Meter, schlüpfte Ende Januar in Glasgow erstmals bei den Aktiven ins DLV-Trikot. Mit Platz fünf beim Länderkampf in 8:13,98 Minuten war er nicht zufrieden. Doch jetzt, nachdem er gegen Hallen-Weltmeister Bernard Lagat gelaufen sei, könne er jede deutsche Meisterschaft entspannt angehen. In drei Wochen will Sonnenberg das zeigen und - natürlich gemeinsam mit Tesfaye - den anderen davonlaufen.

Quelle: Katja Sturm/Frankfurter Rundschau

 


06.02.2013