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Der WLV bringt Wiesbaden in Bewegung


Der WLV ist im Aufwind

In der Landeshauptstadt bewegt sich etwas. Die Drittliga-Fußballprofis des SV Wehen Wiesbaden sind irgendwie kein dankbares Thema, eher schon die Bundesliga-Volleyballdamen des VC Wiesbaden, ebenso die Wiesbaden Phantoms (American Football). Doch beinahe unbemerkt blüht ein Klub auf, der prosperiert, professionell organisiert ist und strukturell auf sicheren Beinen steht: der Wiesbadener Leichtathletik-Verein (WLV). Die Wahrnehmung ist vergleichsweise bescheiden, weil der WLV bislang nur im Jugendbereich nationale Topathleten am Start hat und nur einmal im Jahr mit dem Werfer-Cup öffentlichkeitwirksam in Erscheinung tritt. Doch die Entwicklung geht rasant nach oben.

Innerhalb von fünf Jahren hat der WLV einen Zuwachs von 55 Prozent auf aktuell 564 Mitglieder zu verzeichnen. Nachwuchssorgen kennt der Vorsitzende Peter Schulte nicht. Ganz im Gegenteil. „In unseren Trainingsstunden sind bis zu 200 Kinder in der Halle.“ Im Gespräch gewesen ist sogar schon ein Aufnahmestopp. Dabei sind die Rahmenbedingungen für die Wiesbadener Leichtathleten eher suboptimal. Die antiquierte Sporthalle an der Wettiner Straße bietet einen Kraftraum und 60-Meter-Sprintbahnen, überall kann mit Spikes trainiert werden. Doch die Halle ist längst zu klein. Der angrenzende Helmut-Schön-Sportpark, der bis vor vier Jahren Stadion an der Berliner Straße hieß, bietet zwar eine neue Haupttribüne, zugleich aber einen 400 Meter-Rundlauf mit sechs Bahnen, die einem Flickenteppich nahe kommen. Die Einweihung war 1979. „Natürlich hätten wir gerne eine Sanierung“, sagt Schulte. Und nach Möglichkeit zwei Rundbahnen mehr, um höherklassige Titelkämpfe organisieren zu können. Für den 19. März ist eine Ortsbegehung mit dem Oberbürgermeister und dem Sportamtsleiter terminiert, dann wird das Areal in Augenschein genommen.


Lars Riedel, Ilke Wyludda, Jürgen Schult und Franka Dietzsch nehmen Peter Schulte im Jahr 1999 auf den Arm (Foto: privat)

Was der Wiesbadener LV seit Jahren aufbaut, könnte als Vorleistung für eine bessere Infrastruktur betrachtet werden. Im Wettkampftraining befinden sich zirka 40 Athleten von der Schülerklasse bis zu den Aktiven, an der Spitze steht mit Simon Schütz einer der schnellsten deutschen Nachwuchssprinter. Helena Gräfe zu Baringdorf wurde Zweite der Jugend-DM über 200 Meter, weitere Talente sind Marc Reuther (U18/800 Meter in 1:56,80 Minuten) sowie der 16 Jahre alte Jon Grandpierre, dessen Mittel- und Langstreckenkarriere im Vorjahr zwischenzeitlich von einer Borreliose-Infektion ausgebremst worden ist. Betreut werden die WLV-Leichtathleten von insgesamt 20 Trainern und Übungsleitern.

Im Leistungsbereich unter anderen von Georg Schmidt, der über eine halbe Stelle des Hessischen Leichtathletik-Verbandes (HLV) als Landestrainer für den Stützpunkt Wiesbaden finanziert ist; an den Kosten der Lehrer-Trainer-Stelle von Diedrich Meyn (Gutenbergschule) ist der Klub mit 50 Prozent beteiligt. Unumstritten war dieses Finanzierungsmodell bei seiner Einführung im Jahr 2010 nicht, doch der HLV hatte aufgrund seiner rückläufigen Einnahmesituation keine andere Wahl. „Wir profitieren davon“, sagt Schulte heute. Und HLV-Geschäftsführer Thomas Seybold spricht sich lobend über die Kooperation WLV/Gutenbergschule aus. Schließlich fanden über Meyn etliche Talente ihren Weg in den Verein. Zudem profitiert der WLV in Form von mehr Mitgliedsbeiträgen. Weitere Trainer im Leistungsbereich sind David Corell und der frühere Acht-Meter-Weitspringer Peter Rouhi.

Schulte und seinem Stellvertreter Markus Ott ist es gelungen, viele ehemalige Wiesbadener Leichtathleten für eine Mitarbeit zu gewinnen. Der frühere Dreispringer Nico Bayer ist Kassenwart, das Ehepaar Sibylle und Zlatko Zigric schon vor 30, 35 Jahren beim SV Wiesbaden aktiv, Schülerwartin Gudrun Rouhi arbeitet hauptberuflich in der Geschäftsstelle des hessischen Verbandes, Schmidt ist Jugendwart des Klubs, Meyn als Sportwart gewählt. So wurden Synergien geschaffen, die helfen und Kompetenz schaffen. Zumal Ott auch HLV-Vizepräsident ist.

Seit der Gründung im Jahr 1994 - hervorgegangen ist der WLV aus der Quasi-Insolvenzmasse des seinerzeit fast ruinierten Sportvereins Wiesbaden - hat der Verein etliche Höhen und Tiefen erlebt. „Damals wollte ich den Leistungssport der Leichtathleten in Wiesbaden retten“, sagt der 66 Jahre alte Rentner Schulte. Dass es zuletzt eindeutig mehr Höhen als Tiefen gab, ist auch seiner Beharrlich- und Hartnäckigkeit zu verdanken. Was seit 1994 (fast) immer Bestand hatte, ist der Werfer-Cup mit globaler Ausstrahlung. Derzeit verhandelt Schulte mit Diskus-Olympiasieger Robert Harting - der Berliner hat die Stadt Wiesbaden schon häufig weltweit ins Gespräch gebracht. Auch 2012 mit seinem Sieg (68,52 Meter), was dazu beigetragen hat, dass der Werfer-Cup in der internationalen Rangliste der Spezial-Meetings den 14. Platz einnimmt. Nächster Termin ist der 19. Mai, und bis dahin hat Schulte noch jede Menge Arbeit vor sich. Mal wieder. Er kennt dies schon, es wird die 18. Auflage sein.

Uwe Martin

 


27.02.2013