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Auf Spurensuche nach … Julia Hütter


Julia Hütter (Foto: Iris Hensel)

Was macht eigentlich Julia Hütter? Das fragte sich Anfang Februar auch Mona Steigauf, Direktorin Leichtathletik der Frankfurter Eintracht. Die Hallensaison war gerade richtig in Schwung gekommen, allerdings ohne die 29 Jahre alte Stabhochspringerin. Der Vertrag mit der deutschen Hallenmeisterin der Jahre 2007 und 2008 war mehr oder weniger stillschweigend verlängert worden, doch präsent war die Polizeikommissarin nicht. Gab es vielleicht sogar ein verheimlichtes Karriereende? Nein, teilte Julia Hütter mit, sie sei aufgrund einer Verletzung lediglich verspätet ins Wintertraining eingestiegen, Wettkämpfe werde sie deshalb erst wieder im Sommer absolvieren. In ihrer letzten Saison vor dem Karriereende. Im August findet in Moskau die WM statt, dies ist das finale, große Ziel der Hessin. Doch der Weg dorthin ist weit und wird zusätzlich beschwerlich durch den Ende März ausgelaufenen Vertrag ihres Trainers Balian Buschbaum.

Buschbaum weilte am Mittwoch in Mainz, allerdings nicht im Stabhochsprung-Bundesstützpunkt, sondern in der Tanzschule Willius-Senzer. Der 32 Jahre alte Trainer bereitete sich auf seinen Auftritt in der RTL-Show „Let’s dance“ vor, die am Freitag beginnt. „Ich weiß gar nicht, ob ich noch Trainer von Julia Hütter bin“, sagt Buschbaum. Denn seine berufliche Zukunft ist weiterhin ungewiss. Die Stelle war mischfinanziert vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV), dem Landessportbund Rheinland-Pfalz sowie dem Klub USC Mainz. Eine Vertragsverlängerung hatte Buschbaum abgelehnt, dabei ging es um „Machtspielchen“, wie er es formuliert, aber auch um Geld. „Ich habe 150 Prozent reingesteckt und es kamen nur 60 Prozent zurück. Da muss sich etwas ändern.“ Der DLV hat bereits eine Gehaltserhöhung in Aussicht gestellt, doch Gespräche gab es bislang nicht. Weder mit dem Fachverband, noch mit dem USC Mainz.

Derweil hält sich Julia Hütter bis 10. April in Südafrika auf und trainiert mit der Gruppe des Leverkusener Erfolgscoachs Leszek Klima. Es ist ein kompliziertes Konstrukt, das sich derzeit auftut, und Buschbaum hofft, dass der DLV seine Athleten „nicht mitten in der Saison hängenlässt“. Julia Hütter, ferner die 22 Jahre alte Katharina Bauer (USC Mainz), Anna Battke (USC Mainz), die nach einer Babypause versucht, Anschluss zu finden, und den deutschen Zehnkampf-Meister Kai Kazmirek (LG Rhein-Wied/8.130 Punkte). Vier Kaderathleten, vier ungeklärte Trainerfragen. Und Buschbaum tanzt.


Julia Hütter in Aktion (Foto: Iris Hensel)

In der Hallensaison 2012 hatte Julia Hütter 4,40 Meter überquert, im darauffolgenden Sommer wegen einer langwierigen Verletzung überhaupt keinen Wettkampf bestritten. Eine Zerrung im Übergang von der Gesäßmuskulatur in den hinteren Oberschenkel beendete frühzeitig den Traum von den Olympischen Spielen. Und die Konkurrenz schwang sich in neue Höhen auf. Silke Spiegelburg aus Leverkusen wurde Olympiavierte, sprang in der Halle (4,77 Meter) und im Freien (4,82 Meter) neue deutsche Rekorde. Die persönlichen Bestleistungen von Julia Hütter, deren internationale Karriere vor acht Jahren als Universiade-Gewinnerin und Dritte der U23-EM begann, sind bereits fünf und sechs Jahre alt. 4,60 Meter überquerte sie unter dem Hallendach, 4,57 Meter im Freien. Nach ihrem schweren Unfall beim Meeting in Regensburg Ende Juni 2008, als sie sich einen Innen- und Kreuzbandriss, Knorpel- und Meniskusschäden im Knie sowie zwei Bänderrisse im Sprunggelenk zuzog, rechneten bereits viele mit dem (erzwungenen) Karriereende. Doch Julia Hütter kämpfte sich zurück, übersprang 4,35 Meter (2009) und jeweils 4,50 Meter (2010, 2011). Für die Teilnahme an internationalen Meisterschaften reichten diese Höhen nicht mehr.

„Das Training läuft sehr gut“, berichtet Buschbaum über das Training in Südafrika. Er ist auf dem Laufenden. „Mal sehen, wie fit sie zurückkommt.“ Moskau und die WM, das könnte noch einmal eine große Chance für Julia Hütter sein. Denn aufgrund der Wildcard von Silke Spiegelburg darf der DLV vier Stabhochspringerinnen entsenden. Doch die Konkurrenz ist groß. Namentlich mit Silke Spiegelburg, Martina Strutz (Neubrandenburg), Lisa Ryzih (Ludwigshafen), Kristina Gadschiew (Zweibrücken), Carolin Hingst und Katharina Bauer (beide USC Mainz). Am 26. Juli wird Julia Hütter 30 Jahre alt, bis dahin ist alles geklärt. Der entscheidende Ausscheidungswettkampf wird am 6./7. Juli bei den deutschen Meisterschaften in Ulm stattfinden.

Uwe Martin

 


04.04.2013