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Knobel zieht aus der Vergangenheit seine Lehren


Jan Felix Knobel (Foto: Christiane Mader)

Die gute Nachricht kam Mitte März. Der Weltverband teilte dem DLV mit, dass der Algerier Larbi Bourrada wegen eines Dopingvergehens zwei Jahre gesperrt worden sei. Der Zehnkämpfer war Mitte Juni 2012 beim Mehrkampf-Meeting in Ratingen, das er mit 8.332 Punkten gewonnen hatte, positiv auf das anabole Steroid Stanozolol getestet worden. Doch erst neun Monate später wurde der Sünder offiziell mit der obligatorischen Zweijahressperre bedacht. Zuvor war bei dem Afrika-Rekordhalter stets von einem Dopingverdacht die Rede gewesen. Vor drei Wochen kam endlich Bewegung in die Angelegenheit. Bourrada wurde aus der Ratinger Siegerliste entfernt, auf der Homepage des Weltverbands wurden seine dort aufgestellten persönlichen Bestleistungen - das Gesamtergebnis, ferner die 100 Meter (10,58 Sekunden), das Kugelstoßen (13,64 Meter) und Speerwerfen (67,68 Meter) - aus dem Athletenprofil gelöscht respektive durch „disqualifiziert“ ersetzt.

Der Ratingen-Sieg wurde dem vormaligen Zweiten Jan Felix Knobel zugesprochen, was dem Zehnkämpfer von der LG Eintracht Frankfurt neben verspäteter Ehre eine Differenzprämie von 3.000 Euro zu seinen Gunsten einbrachte. Doch nicht nur auf seinem Sparkonto war Bewegung. Auch im Kopf.

Der Architekturstudent zögert ein wenig bei den Antworten zu den Fragen beim Thema Doping, passt auf, was er sagt. „Ich bin bisher davon ausgegangen, dass mein Sport und jeder deutsche Athlet sauber ist“, sagt Knobel. Die Mär vom sauberen Zehnkampf ist für ihn nun Geschichte, an eine saubere deutsche Leichtathletik glaubt er aufgrund der Vielzahl der Trainingskontrollen weiterhin. Dass Sieger nachträglich disqualifiziert werden, „kannte ich bisher nur aus den Medien“. In jüngster Zeit auch aus der Leichtathletik, im Radsport ist es beinahe schon zur Gewohnheit geworden. Jetzt hat Knobel diese Erfahrung selbst gemacht, fühlt sich betrogen und hintergangen. „Bourrada hat die Gutgläubigkeit der anderen Zehnkämpfer ausgenutzt.“ Nett und aufgeschlossen sei der Algerier in den Juni-Tagen 2012 in Ratingen gewesen; und es war nicht das erste Mal gewesen, dass sich die Wege gekreuzt hatten. Bei der WM 2011 in Daegu (Südkorea) war Knobel Achter geworden, Bourrada Zehnter. In Ratingen 2012 erreichte Knobel 8.228 Punkte, der Algerier 104 Punkte mehr. Dessen annullierte Bestleistung ist nur unwesentlich besser als der persönliche Rekord von Knobel (8.288 Punkte/2011). Beide sind 24 Jahre alt.


Jan Felix Knobel in London (Foto: Iris Hensel)

Knobel ist skeptisch geworden - und stellt sich Fragen. Etwa nach den utopisch kurzen Regenerationszeiten von Topathleten; nach der Leistungsentwicklung von Zehnkämpfern, „die sich innerhalb kürzester Zeit um 1.000 Punkte verbessern“; nach der Glaubwürdigkeit von Rekorden im Allgemeinen. Auch im Zehnkampf. An den zwei langen Zehnkampf-Wettkampftagen lernen sich die Konkurrenten gemeinhin besser kennen als in anderen Disziplinen, Kobel hatte Bourrada auch schon in einem Trainingslager beobachtet. Jetzt will er den Algerier „nie mehr auf einem deutschen Meeting sehen“. Bisweilen überlegt der Frankfurter Zehnkämpfer, wie sauber seine Konkurrenten wohl sein mögen, manchmal nicht; im Augenblick, im Trainingslager in Montegordo (Portugal) überhaupt nicht. „Das kostet nur unnötig Kraft.“

Und die braucht der Frankfurter. In Götzis (Österreich) und Ratingen stehen im Mai und Juni zwei WM-Qualifikationen an, die den ganzen Mann fordern. Ziel ist die WM im August in Moskau. „Es sieht momentan sehr gut aus“, sagt Knobel. Die Würfe „stehen sowieso“, die Sprungdisziplinen fühlten sich gut an, auch die Läufe seien schon „sehr vernünftig“. Im Speerwurf hat er seinen Rekord unlängst auf 76,36 Meter verbessert, weitere Einzeltests folgen am 21. April in der Taunusgemeinde Wehrheim und eine Woche später in Kirberg (Landkreis Limburg-Weilburg).

Bei Olympia in London hatte der Zehnkämpfer während der achten Disziplin, dem Stabhochsprung, aufgegeben. Der Akku sei leer gewesen nach eineinhalbjähriger Hatz nach Qualifikationsleistungen. Im Frühjahr 2012 sei erschwerend hinzugekommen, dass seinem Stabhochsprungcoach Manfred Kehm als Leitender Landestrainer des hessischen Verbandes fristlos gekündigt wurde. Nach der Saison 2012 habe er deshalb „einen Cut“ gemacht und mit seinem Trainer Jürgen Sammert „neu angefangen“. Und derzeit ist alles in der Reihe. „Ich bin recht gelassen und versuche mein Ding zu machen“. Das klingt nach Udo Lindenberg und nach gereiften Entschlüssen. Sein Karriereziel steht weiterhin fest: Eine Medaille bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro. „Und das geht auch ohne Doping.“

Uwe Martin

 


11.04.2013