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Race Director Jo Schindler: „Wir werden das Sicherheitskonzept überprüfen“


Jo Schindler (Foto: Veranstalter

Der Bombenanschlag auf den 117. Boston-Marathon hat weltweit zu Trauer und Bestürzung geführt und eine Debatte über die Sicherheit bei Großveranstaltungen ausgelöst. Bei dem Rennen sind nach der Explosion von mehreren Sprengsätzen, die nach derzeitigem Erkenntnisstand aus Nägeln, Metallteilen, Kugellagern und Schwarzpulver gebaut wurden, drei Menschen gestorben und 176 zum Teil schwer verletzt worden. Hinweise auf den Täter gibt es noch nicht. „Ich bin geschockt von dem Attentat. Mein tiefes Mitgefühl gilt den Familien, Angehörigen und Freunden der Opfer. Unsere Gedanken sind auch bei den Veranstaltern und Helfern der Boston Athletic Association. Wir werden die Ermittlungsergebnisse aus den USA über die Hintergründe des Anschlags abwarten und dann für die Veranstaltung am 27. Oktober in Frankfurt gemeinsam mit allen Beteiligten unser Sicherheitskonzept überprüfen“, sagte Jo Schindler, Race Director des BMW Frankfurt Marathon, in einem ersten Statement.

Genauso reagierten die Veranstalter in London und Hamburg (beide Rennen finden am Sonntag, 21. April, statt), sowie die Organisatoren in Düsseldorf (28. April) und Berlin (29. September). In der britischen Metropole trifft Schindler mit weiteren Veranstaltern zusammen, auch dann werden der Anschlag von Boston und seine möglichen Auswirkungen für die Marathonszene natürlich zum Thema werden. „Wir tragen eine große Verantwortung für die Sicherheit unserer Teilnehmer, der wir mehr denn je gerecht werden müssen“, sagt der Organisator von Frankfurt. „Aber trotz aller Anstrengungen können wir natürlich keine hundertprozentige Sicherheit gewährleisten. Das ist beim Frankfurt-Marathon genauso wenig möglich wie bei allen anderen Sportevents, deren große Anziehungskraft auch im freien Zugang für die Zuschauer besteht.“

Der hessische Innen- und Sportminister Boris Rhein (CDU) sieht derzeit keine erhöhte Gefahr für Großveranstaltungen in Hessen. Man verfolge die Ermittlungen in Boston und werde daraus Schlussfolgerungen ziehen. Doch „im Grundsatz“ habe sich an der Lage nichts geändert. Wenn konkrete Erkenntnisse vorliegen, wird sich Schindler mit der Polizei, dem zuständigen Sicherheitsdienst, Mitarbeitern der Messe Frankfurt sowie den Genehmigungsbehörden zusammensetzen. „Wir haben bereits ein umfassendes Sicherheitskonzept, das insbesondere den Bereich in und um die Festhalle umfasst“, sagt Schindler vor der 32. Auflage des ältesten deutschen Stadtmarathons. „Dieses Konzept wird in Abstimmung mit den zuständigen Gremien überprüft und gegebenenfalls überarbeitet.“

Vor einer Hysterie warnt indes Helmut Spahn, Sicherheitschef der Fußball-WM 2006 in Deutschland. „Leider ist es so, dass nach Anschlägen wie jetzt in Boston oft weltweit nach verschärften Sicherheitsmaßnahmen gerufen und mehr Einschnitte in die Freiheitsrechte der Bürger gefordert werden. Ich glaube, dass mehr Polizei, mehr Militär und mehr Restriktionen nicht immer die beste Lösung sind. Es bedarf einer klaren Analyse“, sagte er der Tageszeitung „Die Welt“. Spahn: „Bei einem Marathon sind es über 42 Kilometer, die gesichert werden müssen, mit tausenden von Teilnehmern und zehntausenden Zuschauern. Das ist eine offene Veranstaltung, ohne Türen oder Sicherheitsringe. Darum kann es dort nie eine hundertprozentige Sicherheit geben.“

Im sozialen Netzwerk Facebook bestimmten nach dem ersten Schock viele Solidaritätsbekundungen das Meinungsbild. „ Jetzt werde ich erst Recht am 27. Oktober versuchen, mein zehntes Finish versuchen“, postete ein Marathonläufer

Uwe Martin

 


17.04.2013