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Neu im Eintracht-Trikot: Marcin Blazinski


Marcin Blazinski (Foto: Norbert Wilhelmi)

Es ist Bewegung in der Frankfurter Marathonszene. Vielleicht haben es nur Szenekenner mitbekommen, aber die deutsche Rekordhalterin Irina Mikitenko lief bereits Ende Februar in Tokio 2:26:41 Stunden, die 23 Jahre alte Katharina Heinig verbesserte sich vor vier Tagen in Hamburg um fast fünf Minuten auf 2:34:20 Stunden.Beide starten für die LG Eintracht Frankfurt. Und an diesem Sonntag kommt ein Läufer beim Düsseldorf-Marathon zu seinem Debüt im Eintracht-Trikot: Marcin Blazinski, 24 Jahre alt, laufberechtigt für den Traditionsklub seit dem 5. März. Der Erstkontakt entstand über Eintracht-Abteilungsleiter Wolfram Tröger, Blazinski wohnt bereits seit einigen Wochen in Frankfurt, und nach den 42,195 Kilometern von Düsseldorf wird auch die Trainerfrage neu geregelt. Vorbereitet hat den Läufer noch Adam Draczynski, vor Ort übernehmen wird Wolfgang Heinig als Heim- und Bundestrainer.

Der gebürtige Pole Blazinski aus dem kleinen Ort Nysa hatte sich bereits im Herbst 2011 entschieden, künftig als deutscher Staatsbürger an den Start zu gehen, seine zwei Pässe machten es möglich. Bei den deutschen Crossmeisterschaften 2012 lief er auf den zweiten Platz, doch sein Lieblingsbetätigungsfeld ist die Marathonstrecke. In Frankfurt erreichte Blazinski 2:18:49 Stunden (2011), vor einem Jahr in Düsseldorf 2:17:19 Stunden, seine Bestzeit (2:15:34) stellte er im vergangenen Herbst beim Warschau-Marathon auf. Eine weitere Steigerung vorausgesetzt, ist er durchaus ein Kandidat für die Weltmeisterschaft in Moskau Ende August. Die Norm des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) beträgt 2:14 Stunden. Doch so weit mag sich Heinig nicht nach vorne wagen. Zum einen fehlt Blazinski noch die Freigabe des polnischen Verbandes, zuvor sind Starts im deutschen Nationaltrikot nicht möglich; zum anderen muss er seine verbesserte Leistungsfähigkeit erst einmal unter Beweis stellen. „Er trainiert hart und gut und hat ein Perspektivpotential von 2:12 Stunden“, sagt Heinig vorsichtig.

Christoph Kopp betreut als Sportlicher Leiter die Marathonveranstaltungen in Frankfurt und Düsseldorf, der bekennende Berliner wagt sich eher mit einer aktuellen Prognose nach vorne. „Bei normalen äußeren Bedingungen kann Blazinski um 2:13:30 Stunden laufen.“ Wenn dies so kommt, könnte der Neu-Frankfurter - sofern die Freigabe aus Polen eintrifft - einziger deutscher WM-Starter sein. „Im Moment stehen wir ohne Teilnehmer da“, sagt Bundestrainer Heinig, der von Erbach im Odenwald aus den derzeitigen Mangel verwaltet. Es ist im Gesamten nicht gut gelaufen für die deutschen Marathonmänner und -frauen, es gab einige schlechte Nachrichten.

Dass die 40 Jahre alte Irina Mikitenko im Spätherbst ihrer Karriere bei der WM nicht starten wird, war klar. Sabrina Mockenhaupt von der LG Sieg, die zweite Topläuferin, lief in Boston zwar 2:30:09 Stunden, doch aufgrund des zu starken Streckengefälles ist diese Zeit nicht normreif. Wobei Sabrina Mockenhaupt ohnehin nur mit einem WM-Bahnrennen über 10.000 Meter liebäugelt. Verpasst haben die Zwillinge Anna und Lisa Hahner (run2sky.com) den WM-Marathon. Lisa Hahner verfehlte die Norm von 2:30:30 Stunden in Hamburg (2:31:49), ihre Zwillingsschwester Anna hatte sich zuvor beim Berliner Halbmarathon mit einem Ermüdungsbruch im linken Fersenbein so schwer verletzt, dass die Saison womöglich beendet ist. Bleibt als letzte weibliche Hoffnung Veronica Pohl. Die Leverkusenerin müsste in Düsseldorf ihre Bestzeit (2:34:59) aber erheblich verbessern. Und die Männer? André Pollmächer (Rhein-Marathon Düsseldorf) und Sören Kah(LG Lahn-Aar-Esterau) werden verletzungsbedingt ohne WM-Norm bleiben, Jan Fitschen (TV Wattenscheid) bessert sein Konto lieber bei einem gut dotierten Herbst-Marathon auf.

So bleibt als letzter möglicher Normkandidat und möglicher WM-Teilnehmer nur Blazinski. Wobei sich die Statistiker zunächst einmal auf einen einheitlichen Vornamen verständigen sollten. In der DLV-Bestenliste 2012, seinerzeit startete er noch für den Klub SG Schramberg in Baden-Württemberg, wird er als Marian geführt, in seinem deutschen Pass steht Marcin, Heinig hat sich kurzerhand für Martin entschieden. „Das lässt sich am besten aussprechen.“

Uwe Martin

 


26.04.2013