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Zwei Ehrgeizige gehen getrennte Wege


Kathrin Klaas (Foto: Christiane Mader)

Vielleicht liegt man mit der Formulierung Respekt richtig. Respekt vor der Persönlichkeit, vor den sportlichen Leistungen der anderen. Weiteres dürfte kaum geblieben sein, seit Betty Heidler und Kathrin Klaas nicht mehr zusammen trainieren. Ein gutes halbes Jahr ist es her, dass die Olympiafünfte Kathrin Klaas der Übungsgruppe um Heim- und Bundestrainer Michael Deyhle adieu sagte und sich Helge Zöllkau in Leverkusen anschloss. Seitdem gehen die langjährigen Trainingskolleginnen komplett getrennte Wege. Die Hammerwurf-Weltrekordhalterin Betty Heidler (79,42 Meter) vertraut Deyhle und ihrem gewohnten Frankfurter Umfeld, Kathrin Klaas (Bestleistung 76,05) hat sich neu sortiert. Dass beide das Trikot der LG Eintracht Frankfurt tragen, ist nur eine optische Verbindung. Weitere Anknüpfungspunkte? Fehlanzeige. Lediglich das Bemühungen, dem Frauen-Hammerwurf in der gut dotierten Diamond-League-Serie endlich einen Platz zu verschaffen. Was bislang nicht gelungen ist. "Es ist ja nicht so, dass wir nicht mehr miteinander reden. Aber weniger als vorher“, sagt die Olympiadritte Betty Heidler.

Beim Meeting in Fränkisch-Crumbach (Odenwaldkreis) trafen sich ihre Blicke nur selten. Und die weitesten Würfe wurden mit 74,36 Meter (Heidler) und 72,57 Meter (Klaas) vermessen. Kein schlechter Einstand in den WM-Sommer angesichts der lausig niedrigen Temperatur - und die gewohnte Reihenfolge. Heidler, dann Klaas, so war es schon immer. Beide sind 29 Jahre alt, beide getrieben von einem Ehrgeiz, der keine Pause kennt. „Sämtliche Zubringerleistungen sind besser als jemals zuvor“, sagt Kathrin Klaas. Eine Einschätzung, die Deyhle auch für Betty Heidler in Anspruch nimmt. Das technische Feintuning kommt in den nächsten Wochen. „Es ist eine ganz normale Konkurrenzsituation zwischen uns“, meint Betty Heidler. Und ja, „so ein bisschen“ habe sich im Training etwas verändert seit dem Abschied von Kathrin Klaas. „Aber ich baue meine Leistung durch meine eigene Motivation und meine eigenen Ziele auf. Da muss niemand hinten dran stehen.“

„Wir wollen in eine neue Dimension“, sagt Deyhle. „Und das heißt 80 Meter und nicht darunter.“ 80 - diese Ziffernabfolge steht über allem. „Und da wollen wir offensiv herangehen.“ Das Duo Heidler/Deyhle hat die defensive Zurückhaltung abgelegt. Anders als im vergangenen Sommer, als die Jurastudentin stets vom angestrebten Gewinn einer olympischen Medaille gesprochen und sich damit drei Optionen offen gelassen hat. Jetzt wird’s konkret, ganz konkret, der Hammer soll so weit fliegen wie noch nie. „Klar, der Druck wird größer“, sagt Deyhle. „Aber wir haben ganz bewusst ein klares Ziel formuliert und werden das verfolgen.“ Und hierfür hat Betty Heidler in diesem Jahr schon einiges getan: mit einem Trainingslager in Kienbaum, einem zweieinhalbwöchigen Aufenthalt in Neukaledonien auf Einladung von Thierry Lichtle, einem Freund aus dem Elsass; zuletzt waren es drei Wochen in Südafrika. „Nach einem Dreivierteljahr Training wird es Zeit, dass es losgeht“, sagt Betty Heidler. Auf Fränkisch-Crumbach folgen Meetings in Halle (26. Mai), Eugene (31. Mai), Schönebeck (7. Juni), Moskau (10. Juni) und Stettin (15. Juni).


Betty Heidler und Michael Deyhle (Foto: Christiane Mader)

Betty Heidler ist sehr enttäuscht, dass die gemeinsame Eingabe beim Weltverband IAAF, Frauen-Hammerwerfen in das Diamond-League-Programm aufzunehmen, ebenso erfolglos war wie das Vorhaben, die Prämien in der Hammerwurf-Challenge-Serie aufzustocken und in attraktivere Meetings zu kommen. Nicht einmal eine Antwort kam von der IAAF. „Alles, was sie erzählen, sind Ausreden und ein Witz“, sagt sie. Gemeint sind Funktionäre und Meeting-Direktoren. Und Argumente wie Rasenheizung und Sicherheitsbedenken seien nur vorgeschoben. „Das dauert und dauert und es wäre toll, wenn wir es noch erleben würden.“ Doch sie glaubt nicht mehr daran, dass die Hammerwerferinnen während ihrer Karriere nochmal regelmäßig in der ersten Reihe sein werden.

„Wenn eine Athletin die 30 überschritten hat, muss man darüber nachdenken dürfen, dass es irgendwann vorbei ist. Wir wissen nicht, wie lange ihre Karriere noch geht“, sagt Deyhle. 30 Jahre alt wird Betty Heidler am 14. Oktober. Eine Planung bis zu den Olympischen Spielen 2016 gibt es deshalb bewusst nicht. Deyhle: „Aber auf dem Höhepunkt der körperlichen Leistungsfähigkeit müssen wir alles probieren.“ Nämlich die Verbesserung des eigenen Weltrekords, den Betty Heidler seit zwei Jahren hält. Das Projekt 80 hat gerade erst begonnen.

Uwe Martin

 


22.05.2013