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Martin Günther ist wieder auf dem Sprung


Martin Günther als deutscher Hallenmeister 2010 (Foto: Iris Hensel)

Der deutsche Hochsprung hat schon bessere Zeiten gesehen. Hierfür muss man nicht in die 1980er Jahre zurückblicken, als die Herren Mögenburg, Thränhardt und Nagel mit Bestleistungen von 2,36 Meter bis 2,42 Meter die Szene aufmischten. Auch in den 1990er Jahren und nach der Jahrtausendwende gab es einige Höhenflüge auf hohem internationalem Niveau. Vor den deutschen Meisterschaften an diesem Wochenende in Ulm reichen zwei Wörter zur Lagebeschreibung: höchstens durchwachsen. Raoul Spank (Dresden/Bestleistung 2,33 Meter) hatte bereits Anfang Juni seine zweite Sommersaison in Folge verletzungsbedingt abgesagt, Titelverteidiger Eike Onnen (Hannover/2,34 Meter) erreichte bislang nur 2,10 Meter. Und wer die aktuelle Disziplinvorschau im Fachportal leichtathletik.de liest, bekommt eine recht hoffnungsfreie Vorstellung von dem Wettkampf am Sonntag ab 14.55 Uhr vermittelt. In erfolgreicheren Tagen war die Rede von 2,30-Meter-Höhen und den jeweiligen Normen für internationale Meisterschaften, jetzt heißt es: Martin Günther (LG Eintracht Frankfurt), Mateusz Przybylko (Leverkusen) und Matthias Haverney (Dresden) heißen die 2,20-Meter-Springer der bisherigen Saison.

Der 26-jährige Polizeikommissar Günther fährt also als deutscher Jahresbester nach Ulm, seine Saisonbestleistung von 2,24 Meter sprang er Ende Mai in Eppingen. Sein „erstes Zwischenziel“, die Teilnahme an der Team-EM in Gateshead hat Günther bereits erreicht, mit 2,20 Meter wurde er vor zwei Wochen Fünfter im Nationaltrikot. Auch auf der britischen Insel war das Wetter wenig leistungsfördernd, der böige Wind verhinderte höhere Sprünge. Für Ulm sind die Prognosen weitaus positiver, und Günther will diese Chance doppelt nutzen. „Ich möchte gerne Meister werden und an die Norm heranspringen.“ An das WM-Limit für Moskau, 2,31 Meter. „Ich weiß, dass ich es kann und deutlich mehr geht.“ Die Favoritenrolle, sagt Günther, nehme er gerne an.

Wie es ist, deutscher Meister zu sein, weiß Günther schon. Im Winter 2010 überquerte er in Karlsruhe 2,30 Meter und ließ die Konkurrenz hinter sich, bei der nachfolgenden Hallen-WM wurde er Achter. Ein Jahr später der Rückschlag: Riss der linken Achillessehne, Reha, ein aufreibender Kampf ums Comeback. Dabei hatte der Frankfurter Glück im Unglück, sein Sprungbein ist rechts. Doch optimal in Schwung gekommen ist Günther seit der schweren Verletzung bislang nicht. Denn 2,24 Meter, so hoch wie in diesem Frühjahr, ist er bereits vor fünf Jahren gesprungen. Und vor seinem Wechsel vom TV Wehr im Südbadischen nach Frankfurt im Winter 2006/2007 waren es auch schon 2,23 Meter. Günther ist bereits in jungen Jahren sehr hoch gesprungen, seit dem Achillessehnenriss kämpft er um seine zweite Chance, die erneute Zulassung zur Weltklasse. Und die beginnt bei 2,30 Meter. „Ich möchte endlich wieder an meine Leistungen von der Hallensaison 2010 anknüpfen.“

Im Laufe seiner Karriere gab es einige Rückschläge durch Verletzungen. Ein Gleitwirbel im Lendenbereich, eine Knieoperation, wie erwähnt die gerissene Achillessehne, hinzu kommen die bei Hochleistungssportlern üblichen Alltagswehwehchen. „Momentan geht’s mir ganz gut“, sagt Günther. „Es gibt ja kaum jemanden, der mal gar nichts hat.“ Natürlich gab es auch bei dem dreimaligen deutschen Jugendmeister Tage und Wochen des Zweifelns, ob er seine alte Leistungsfähigkeit jemals wieder erreichen würde. Beiseite geschoben hat er diese Gedanken mit der Frage: „Warum sollte ich es nicht noch einmal schaffen?“ Nämlich so hoch zu springen wie Ende Februar 2010 in der Karlsruher Europahalle. „Ich muss in Ulm meine Form nur auf die Anlage bringen“, sagt Günther. Von aktuell 2,24 Meter bis zur WM-Norm sind es sieben Zentimeter, umgerechnet maximal drei neue Höhensteigerungen. Sein ursprüngliches Ziel, im Freien endlich 2,30 Meter zu meistern, hat er aufgrund des Verbandslimits für die WM 2013 natürlich schon um einen Zentimeter angehoben.

Uwe Martin

 


05.07.2013